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Druck runter – gut drauf!

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Erfurt

Fragen und Antworten rund um das Thema Bluthochdruck

Gesunde Blutdruckwerte tragen dazu bei, bis ins hohe Alter körperlich und geistig fit zu bleiben. Prof. Dr. med. Alexander Lauten ist Chefarzt für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie im Helios Klinikum Erfurt und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Bluthochdruck.

Was bedeuten eigentlich die beiden Werte einer Blutdruckmessung, was sagen sie aus?

Beim Messen des Blutdrucks werden zwei Werte bestimmt – der obere, systolische Wert und der untere, diastolische Wert. Das Blut wird während der Systole des Herzens in die Hauptschlagader ausgeworfen, also immer dann, wenn sich der Herzmuskel zusammenzieht. Von dort fließt es in die die Arterien des Körpers, was den Blutdruck in Form einer fühl- und messbaren Pulswelle kurz ansteigen lässt. Der dabei erreichte maximale Blutdruck ist der „oberer Wert“ – der systolische Blutdruck. Danach fällt der Blutdruck langsam wieder ab, während sich die Herzkammer für den nächsten Herzschlag wieder füllt. Diese Füllungsphase ist die Diastole. Der dabei erreichte niedrigste Wert ist der diastolische Blutdruck unmittelbar vor der nächsten Kontraktion des Herzens.

Welcher Wert ist wichtiger?

Prof. Dr. med. Alexander Lauten ist Chefarzt für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie.

Ich würde die Frage eher umgekehrt beantworten: keiner von beiden Werten ist unwichtig und sowohl ein systolischer als auch ein diastolischer Blutdruck im pathologischen Bereich können eine Notwendigkeit für weiterführende Untersuchungen oder Behandlungen sein. Dabei gilt aber, dass eine einzelne Messung nicht ausreichend ist, um einen Bluthochdruck festzustellen. Es erfordert mehrere Messungen an mehreren Tagen oder – noch besser – eine 24-Stunden-Messung. Der Blutdruck ist extrem variabel. Der Messwert kann schon allein dadurch beeinflusst werden, wer die Messung durchführt – z.B. jemand im „weißen Kittel“ oder der Patient selbst. Auch psychische und physische Belastungen beeinflussen den Blutdruck. Daher ist es sehr wichtig, dass die Messung in völliger Ruhe erfolgt. Dazu fünf Minuten hinsetzen, erst dann messen. Und es gilt auch, dass der systolische und diastolische Blutdruck nicht unabhängig voneinander behandelt werden kann, d.h. Medikamente senken sowohl den oberen als auch den unteren Wert.

Welche Rolle spielt das Herz bei zu hohem Blutdruck? Ist es Ursache – oder leidet es unter den Folgen?

Das Herz ist in der Regel nicht die Ursache eines zu hohen Blutdrucks. Es leidet aber darunter, dass es verstärkt arbeiten muss. Ein zu hoher Blutdruck führt langfristig über viele Mechanismen – Arterienverkalkung, Zunahme der Wanddicke der Herzkammer etc. – zu einer Verschlechterung der Durchblutung des Herzens und schädigt dieses damit.

Bei jeder kleinsten Belastung (Küchen- oder leichte Gartenarbeit) schnellt mein Blutdruck regelrecht in die Höhe. Woran kann das liegen?

Zunächst einmal ist ein Blutdruckanstieg bei körperlicher Belastung völlig normal und auch notwendig, damit wir überhaupt belastbar sind. Um einen Blutdruckhochdruck festzustellen und dann Medikamente zu verabreichen, müssen in erster Linie die Ruhe- oder Langzeitwerte herangezogen werden. Sind jedoch in Ruhe die gemessenen Werte normal und steigt der Blutdruck bereits bei kleinsten Belastungen sehr stark an, ist das oft Ausdruck dafür, dass der Körper selbst dieses Leistungsniveau nicht gewöhnt und untrainiert ist. Man kann dann natürlich mit Medikamenten versuchen diesen überproportionalen Blutdruckanstieg zu bremsen. Leider führt dies jedoch häufig dazu, dass der eigentlich normale Ruheblutdrucks stark abgesenkt wird. Der Patient fühlt sich schlapp. Viel besser wäre regelmäßige körperliche Aktivität und ein langsam aufbauendes körperliches Training.

Hängt mein häufiges Herzrasen mit dem Blutdruck zusammen?

Wenn man Herzrasen verspürt, kann der Arzt feststellen, ob tatsächlich eine Herzrhythmusstörung vorliegt, d.h. das Herz beispielsweise zu schnell oder unregelmäßig schlägt. Sofern eine Rhythmusstörungen vorliegt, können wir das heute in den allermeisten Fällen sehr effektiv behandeln. Selbstverständlich können bestimmte Rhythmusstörungen auch den Blutdruck beeinflussen. Dass aber ein starker erhöhter Blutdruck zu tatsächlichen Rhythmusstörungen führt, ist praktisch nicht der Fall. Oft spürt ein Patient mit einem plötzlich sehr stark erhöhten Blutdruck den eigenen Herzschlag sehr deutlich, ohne dass dafür eine Rhythmusstörung verantwortlich ist.