Das große Zählen

Das große Zählen

Erfurt

Inventur im Zentrallager des Helios Klinikums Erfurt

3.456, 3.457, 3458… Jetzt bloß nicht ablenken lassen. Irina Lemser zählt. Schon seit den frühen Morgenstunden. Gerade hält sie einen großen Stapel der Formblätter „Visite, Anordnung, Medikamente“ in den Händen. Jede einzelne Seite der losen Blattsammlung muss gezählt werden. Warum hier noch so viel Papier hier lagert, wo doch die digitale Patientenakte im Haus Einzug gehalten hat, dafür hat niemand eine Erklärung. Die braucht es für die 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber auch nicht. Ihr Auftrag ist klar: Es ist große Inventur im Zentrallager des Helios Klinikums Erfurt. Also wird gezählt. Und zwar alles, was da ist.

Irina Lemser zählt Formulare. Sie gehört zu den 20 Mitarbeitern, die eine außerordentliche Inventur im Zentrallager des Helios Klinikums Erfurt unterstützen.

Formulare, Handschuhe, Schnuller, Zahnbürsten, Katheter, Infusionssysteme, Reinigungsmittel. Einzelstücke oder Palettenware. Es gibt schlicht keinen der gut 3.500 Artikel, die an diesem Tag nicht mindestens zweimal durch die Hände der Kommissionierer geht. Akribisch notieren sie die Zahlen, melden sie später zum Erfassen am Rechner weiter. Sie durchkämmen 650 Quadratmeter Lagerfläche mit mehr als 70 Regalreihen. Und die sind teils brechend voll. „Wir haben die Lagerbestände bewusst vor zwei Wochen hochgefahren. Während der Inventur können wir nicht ausliefern, also mussten wir die Abteilungen und Stationen vorversorgen, allen voran die Operationssäle und Intensivstationen“, erklärt Petra Stöcker die Krux. Stöcker ist Regionalleiterin der Helios Facility Management GmbH, einer 100-prozentigen Tochter des Helios Konzerns und verantwortlich für den Zentraleinkauf. Monatelang hat sie ihr Team und ihre Kunden auf den Tag X vorbereitet, zahllose Telefonate und Schriftverkehre geführt. Denn nicht nur das Helios Klinikum Erfurt hängt am Tropf des Lagers in der Nordhäuser Straße. Sechs weitere Helios Kliniken der Region Mitte, Medizinische Versorgungszentren in Gotha, Nordhausen, Ohrdruf, Blankehain, Weimar, Erfurt und Jena sowie Pflegeheime in Erfurt, Ohrdruf und Hettstedt werden von hier aus beliefert. 

Aktueller Bestand an Schnullern: 112.

Normalerweise steht so ein Kraftakt einmal im Jahr an. Doch dieses Mal ist anders. Denn die Inventur ist systembedingt. „Darum ist nach dem Zählen auch vor dem Zählen“, sagt Petra Stöcker. Die unzähligen Listen werden am Tagesende in ein neues Rechnersystem umgebucht. Und dann ist Licht am Ende des Tunnels. Denn danach wird alles leichter, Inventuren eingeschlossen. Das Lager wird neu sortiert und beschildert, alles lässt sich schneller – nämlich digital – erfassen und finden. Ein Trost auch für Irina Lemser. Sie ist jetzt bei Blatt Nr. 3.835 angekommen. Stören wir sie nicht weiter. Und hoffen wir mit ihr, dass die Digitalisierung bald auch bei Formblatt „Visite, Anordnung, Medikamente“ ankommt.

Ein paar ausgewählte Zahlen:

  • 207.855 Handschuhe
  • 112 Schnuller
  • 1.200 Zahnbürsten
  • 10.354 Katheter
  • 29.030 Infusionssysteme
  • 34.550 Pflaster
  • 12.870 Binden
  • 19.820 Windeln
  • 4.350 Rollen Toilettenpapier
  • 1.102 Liter Reinigungsmittel