15 Jahre Zusammenarbeit KV und NFZ

15 Jahre Zusammenarbeit KV und NFZ

Steigende Patientenzahlen als Herausforderung für die Kooperationspartner

Foto: Eine Kooperation auf Augenhöhe: Dr. med. Alexander Gierse, Dr. med. Michael Sakriß, Dr. med. Dara Orangi, Dr. med. Norbert Daumann (v.l.n.r.).

Wo heute fröhliche Strolche im Kindergarten toben, wo auf schicken Terrassen der Feierabend genossen wird, wo junge Leute ausgelassen das Leben feiern, dort stand viele Jahre lang ein kleiner unscheinbarer Container. Der Flachbau in der Puschkinstraße war vor allem zu späterer Stunde und an den Wochenenden Anlaufpunkt für Erfurter in Not. Denn hier war der kassenärztliche Notfalldienst angesiedelt.

Mit den Jahren geriet die Einrichtung an ihre Auslastungsgrenze. Auch wenn Kassenärzte und medizinisches Personal eine hochwertige Notfallversorgung gewährleisteten, wurden bei stationären Einweisungen Transporte in die umliegenden Krankenhäuser erforderlich. Dabei ging oft wertvolle Zeit verloren. Spätestens mit dem Umzug des Katholischen Krankenhauses in den Süden der Stadt war daher eine Strukturveränderung unumgänglich.

Steigende Patientenzahlen sind stete Herausforderung. Zuletzt wurde 2018 der Wartebereich des Notfallzentrums im Helios Klinikum Erfurt erweitert.

Die Lösung für eine Vielzahl von Problemen wurde vor 15 Jahren der Öffentlichkeit präsentiert: eine enge Vernetzung des kassenärztlichen Notfalldienstes mit der Notfallzentrale im Helios Klinikum Erfurt. Die Kooperation zwischen einzelnen Fachbereichen des Maximalversorgers und weiteren Dienstleistern des Unternehmens, dem kassenärztlichen Notfalldienst und den Rettungsdiensten garantierte ab sofort eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung auf höchstem Niveau. „Ein System, das sich bis heute für Erfurt bewährt hat und inzwischen bundesweit in Form von Portalpraxen gefordert wird“, sagt Dr. med. Dara Orangi, Chefarzt des Notfallzentrums im Helios Klinikum Erfurt. Mehr noch: An den ab diesem Jahr geltenden Mindestvoraussetzungen für die Teilnahme an der Notfallversorgung müsse man sich nicht abarbeiten, vielmehr könne man in Erfurt schon weit darüber hinaus und zukunftsorientiert planen, immer die optimale Notfallversorgung im Blick.

Die Zahl der behandelten Kinder und Erwachsenen hat sich seit 2004 mehr als verfünffacht. Im KV-Notdienst sind für das vergangene Jahr 40.000 Patienten dokumentiert. Gründe für die rasant steigenden Zahlen sieht Dr. med. Michael Sakriß, Notdienstobmann, u.a. in der immer älter werdenden Bevölkerung und darin, dass die Medien immer stärker für das Thema Gesundheit sensibilisieren. „Darüber hinaus sorgt die Vielzahl an qualifizierten und unqualifizierten Informationen im Internet für Verunsicherung der Patienten.“

Über 50.000 Patienten werden inzwischen jährlich allein im Notfallzentrum des Helios Klinikums Erfurt behandelt. Sie kommen mit dem Rettungsdienst, sie kommen mit Bus und Bahn, mit dem Taxi, zu Fuß. Ein Zulauf, der immer wieder Umbauten, Umstrukturierungen, Umdenken erforderlich machte. Zuletzt wurde im Jahr 2018 die Behandlungskapazität im Notfallzentrum erneut erweitert. „Wir stoßen an unsere Grenzen, nicht nur räumlich“, bringen es Dr. Orangi und Dr. Sakriß auf den Punkt.

Folglich stehen auch im Jubiläumsjahr bauliche und strukturelle Änderungen an. Das Ziel ist dabei klar: Wie schon vor 15 Jahren möchten die Erfurter vorweg gehen, wenn es um die Notfallversorgung der Zukunft, um die beste Lösung für Patienten geht. „Wir wollen das erste integriertes Notfallzentrum Deutschlands sein“, sagt Dr. Orangi bestimmt. Der Gesetzgeber schreibt hierfür insbesondere eine enge Zusammenarbeit zwischen Klinik und Kassenärztlicher Vereinigung, ein Ein-Tresen-System für eine Ersteinschätzung der Schwere der Krankheit durch qualifizierte Ärzte und Pflegekräfte vor. Viele der Vorgaben sind in Erfurt bereits erfüllt oder wurden gemeinsam erprobt. So gab es bereits 2017 einen Modellversuch, bei dem die Teams von Notfallzentrum und kassenärztlichem Notfalldienst neun Monate lang gemeinsam an einem Tresen Patienten nach dem Manchester Triage System ersteingeschätzt und so die Behandlungsreihenfolge und Patientenwege festgelegt haben. „Unsere Erfahrungen hiermit sind durchweg positiv. Wenn der Gesetzgeber nun die notwendigen prozessualen und strukturellen Veränderungen auch noch unterstützt, kommen wir zeitnah ans Ziel“, ist Dr. Orangi sicher.

Neu denken, Vorreiter sein. Immer mit dem Ziel, jeden Patienten bestmöglich zu behandeln. Diese Übereinkunft haben die Kooperationspartner im Jubiläumsjahr noch einmal bekräftigt. Setzt sich die gute Partnerschaft der Vorjahre fort, ist man dem großen Ziel recht nahe.

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Mehr als 50.000 Kinder und Erwachsene werden jährlich in unserem Notfallzentrum erstversorgt. Für die Sicherheit jedes Einzelnen nutzen wir das Manchester-Triagesystem, eine Ersteinschätzung bei Eintreffen der Patienten. So können wir Behandlungsprioritäten festlegen. Und so retten wir Leben. Jeden Tag aufs Neue.