Allgemein- und Viszeralchirurgie

Unser Refluxzentrum

Jeder fünfte Erwachsene leidet an Refluxbeschwerden. Die Ausprägung der Beschwerden reichen von gelegentlichem Sodbrennen bis hin zu manifesten Schluckstörungen. Aber auch Husten, Heiserkeit und Asthma können Ausdruck der Refluxerkrankung sein. Unsere Spezialist:innen können Ihnen mit verschiedenen Operationsmöglichkeiten weiterhelfen.

Unsere Kompetenz

  • Endoskopien pro Jahr: mehr als 2500
  • Funktionsuntersuchungen pro Jahr: 72
  • Behandelte Refluxerkrankungen pro Jahr: 1200
  • Eingriff in Schlüssellochtechnik: über 70 %
  • Kompetenzzentrum für minimalinvasive Chirurgie
  • Kompetenzzentrum für chirurgische Endoskopie
  • Zentrum für roboterassistierte Chirurgie

Als Reflux wird der Rückfluss von sauren Magensekreten (pH 2) in die Speiseröhre bezeichnet. Unsere Speiseröhre verfügt über verschiedene Schutzmechanismen, um Sodbrennen zu vermeiden. Ein wichtiger Faktor ist der untere Speiseröhrenschließmuskel (Ösophagussphinkter). Er dient als Schutzbarriere gegen die aus dem Magen kommende Säure. Aber auch die zum Magen hin gerichtete Bewegung der Speiseröhre dient der Reinigung der Speiseröhre und damit dem Schutz vor Sodbrennen. Unser Speichel ist basisch und neutralisiert damit beim Schlucken die Säure aus dem Magen, die in die Speiseröhre (Ösophagus) gelangt ist. Und nicht zuletzt ist es die Schleimhaut selbst, die die Speiseröhre auskleidet und somit Schutz gegen die Magensäure bietet.

In unserem Anti-Reflux-Zentrum arbeiten wir mit Kooperationspartner:innen innerhalb und außerhalb des Klinikums zusammen. Hierzu gehören unsere Kolleg:innen der Fachbereiche Gastroenterologie und Radiologie genauso wie niedergelassene Gastroenterolog:innen. Koordiniert wird das Zentrum durch die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Darüber hinaus gibt es zusätzlich Schnittstellen mit unserer Geburtshilfe.

Grundlage unserer Empfehlungen und Therapien ist die aktuelle Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Diese liegt aktuell als sogenannte S2k-Leitlinie vor und ist bis 12/2019 gültig.

Die chirurgische Klinik bietet eine maßgeschneiderte Therapie nach detailierter Diagnostik. Operiert wird in 90 % in der sogenannten „Schlüssellochchirirurgie“ (Laparoskopie) angewandt. Zunehmend kommt dabei auch das daVinci-Operationssystem (OP-Roboter DaVinci Xi®) zum Einsatz.

Diagnostik

In unserem Anti-Reflux-Zentrum stehen alle notwendigen Untersuchungen zur Verfügung. Im einzelnen handelt es sich um:

Die Spiegelung des Magens steht meist am Anfang der Diagnostik. Sie kann in Sedierung („mit Spritze“) vorgenommen werden. Dabei können Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm beurteilt und Proben entnommen werden.

Wir können so das Ausmaß der entzündlichen Veränderungen der Speiseröhre beurteilen. Da das Gastroskop sehr flexibel (biegsam) ist, kann man damit den Zustand des Mageneingangs sowie den Schluss des unteren Speiseröhrenschließmuskel beurteilen. Außerdem können wir erkennen, ob die Zwerchfelllücke, durch die die Speiseröhre in die Bauchhöhle tritt, vergrößert ist - also eine sogenannte Hiatushernie vorliegt. Hier sei erwähnt, dass eine Hiatushernie nicht gleichbedeutend mit einer Refluxerkrankung ist. Viele Menschen haben eine Hiatushernie, leiden jedoch nicht an Refluxbeschwerden.

Die Druckmessung der Speiseröhre erfolgt zu Beurteilung der Beweglichkeit der Speiseröhre. Es ist wichtig, das eine nach unten, zum Magen gerichtete, Bewegung stattfindet. Diese ist teil des Schutzmechanismus der Speiseröhre. Diese gerichtete Bewegung kann durch Medikamente beeinflusst werden oder bei Sklerodermie gestört sein.

Weiterhin wird bei der Manometrie der untere Schließmuskel der Speiseröhre beurteilt. Hier ist die Frage nach der Lage der Hochdruckzone und der Länge des Hochdrucksegmentes zu klären.

Die Untersuchung wird im nüchternen Zustand durchgeführt. Dazu wird eine dünne Sonde über die Nase in die Speiseröhre eingebracht. Danach erhält der Proband 10 x 5 ml Wasser und muss diese auf Kommando schlucken. Die Untersuchung dauert ca. 15 min.

Für diese Untersuchung wird eine dünne Sonde durch eines der beiden Nasenlöcher in der Speiseröhre so platziert, dass der Messplatz 5 cm oberhalb des unteren Schließmuskels zum liegen kommt. Die Lage des Schließmuskels wird zuvor mittels Manometrie bestimmt.

Die Sonde verbleibt 24 h in der Speiseröhre. Es wird der pH-Wert gemessen und der DeMeesterscore bestimmt. Dieser beschreibt den Zusammenhang zwischen Beschwerden und saurem Rückfluss aus dem Magen.

Vor der Untersuchung müssen Protonenpumpenhemmer für 4 Wochen pausiert sein. Alternativ können H2-Blocker bis vier Tage vor der Untersuchung zur Symptomkontrolle eingenommen werden. Das Pausieren ist notwendig, da das Ergebnis durch die Medikamente verfälscht wird.

Hierbei handelt es sich um eine Röntgenuntersuchung. Es wird ein kontrastmittelhaltiger Brei geschluckt.

Es können das Aussehen der Speiseröhre und deren Aktion beurteilt werden.

Eine radiologische Untersuchung in der der Körper in Schichten dargestellt wird. Man kann dabei Lage, Konfiguration und benachbarte Organe beurteilen.

In der Diagnostik der Refluxerkrankung kommt diese Untersuchung selten zum Einsatz.

Konservative Therapie

Nicht medikamentöse Maßnahmen wie Gewichtsreduktion, Schlafen mit erhöhtem Oberkörper und das Vermeiden einer Spätmahlzeit sind in der Regel erste Therapieschritte, die durch die Verordnung eines Protonenpumpenhemmers ergänzt werden.

Operation

Die Aufnahme erfolgt am Tag der Operation, nachdem die Diagnostik und Vorbereitung in unserer Sprechstunde geplant und durchgeführt wurde.

Die überwiegende Zahl wird laparoskopisch („Schlüssellochchirurgie“) durchgeführt. Dabei kann die zu weite Zwerchfelllücke (Hiatus) eingeengt werden – Hiatoplastik.

Der Fundus des Magens wird um den unteren Anteil der Speiseröhre geschlungen und befestigt. Damit soll ein erneutes Hochrutschen des Magens in den Brustkorb verhindert werden – Fundoplikatio.

Alternativ kann der Magenfundus am Zwerchfell fixiert werden – Fundophrenicopexie.

Nach der Operation werden unsere Patienten auf Normalstation betreut und erhalten noch am Operationstag flüssig-breiige Kost, die bereits am Folgetag auf leichte Kost umgestellt wird.

Bereits am Tag der OP wird der Operierte angehalten, sein Bett zu verlassen und sich anfangs von einer Schwester oder Pfleger begleitet im Zimmer zu bewegen.

Auf Station bieten wir

  • Ernährungsberatung
  • Beratung durch den Sozialdienst
  • psychologische Betreuung.

Behandlungspartner

  • Praxis Dr. Maik Weisflog & Dr. Katrin Ende, Fachärzte für Gastroenterologie, Erfurt
  • Praxis Dr. Johannes Treutler,  Facharzt für Innere Medizin, Erfurt
  • Praxis Dr. Bernd Georg Trümper, Facharzt für Pulmonologie, Erfurt
  • Praxis Dr. Annegret Wurschi, Dr. Lutz Eger, Dr. Stefan Reinsch, Fachärzte für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Erfurt
  • Praxis Sandro Günther, Facharzt für Allgemeinmedizin, Gebesee
  • Praxis Mathias Ragnitz, Facharzt für Allgemeinmedizin, Sömmerda
  • Praxis Dr. Carola Finke, Fachärztin für Chirurgie,  Gotha

Kleines 1x1 des medizinischen Sprachwortschatzes

Hiatus ösophagei

Natürliche Lücke im Zwerchfell, durch die die Speiseröhre aus dem Brustkorb in den Bauchraum tritt.

Hernie

Vom griechischen Wort hernios=Knospe abgeleitet. Es handelt sich um sogenannte „Brüche“. Wie z. B. den Leistenbruch. Dabei treten innere Organe durch eine Bruchpforte nach außen oder in ein anderes inneres Kompartiment.

Ösophagus

Speiseröhre

Fundus

Oberes Drittel des Magens. Er dient dem Speicher von Luft.

Kardia

Einmündungsstelle der Speiseröhre in den Magen.

Korpus

Mittleres Drittel des Magens.

Antrum

Unteres Drittel des Magens.

Pylorus

Magenpförtner. Ausgang des Magens.

Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD)

Spiegelung des Magens mittels eines flexiblen Endoskopes.

Helicobacterureaseschnelltest (HUT)

Schnelltest auf ein Bakterium

Helicobacter pylori

Bakterium, dass es schafft, im sauren Mileu des Magens zu überleben. Es wird für Entzündungen der Schleimhaut mitverantwortlich gemacht.

Ösophagusmanometrie

Druckmessung der Speiseröhre

HRM

High resolution manometry – hoch auflösende Druckmessung

Plattenepithel

Schleimhaut, die die Speiseröhre auskleidet

Sphinkter

Schließmuskel

Laparoskopie

Spiegelung der Bauchhöhle. Umgangssprachlich „Schlüssellochchirurgie“.

Da Vinci Xi ®

Operationsroboter der Fa. Intuitive®

pH-Wert

Der pH-Wert gibt an, wie „sauer“ etwas ist. Er kann einen Wert zwischen 0 = sauer und 14 = basisch annehmen. Dabei ist ein Wert von 7 als neutral anzusehen.

pH-Metrie

Messung des pH-Wertes. In der Regel über 24 h.

Impedanz

Die Impedanz beschreibt einen Widerstand in einem Medium.

Sedierung

Eine Vorstufe der Narkose, bei der Schutzreflexe wie das Husten erhalten bleiben.

Hiatoplastik

Einengung der Zwerchfelllücke in der Operation.

Fundoplikatio

Herumschlingen des Magenfundus um den unteren Anteil der Speiseröhre.

Fundophrenicopexie

Fixierung des Magenfundus am Zwerchfell.