Medikamente und Narkose bei Myasthenia gravis

Medikamente und Narkose bei Myasthenia gravis

Was Myastheniekranke und behandelnde Ärzt:innen beachten sollten.

Myasthenia gravis pseudoparalytica kann durch bestimmte Medikamente ausgelöst werden und/oder sich verschlechtern.

Da die Myasthenie selten ist, sollten alle Myastheniekranken und ihre Familien sowie die behandelnden Ärzt:innen oder Zahnärzt:innen wissen, was man bei der Gabe von Medikamenten beachten muss.

Den Notfallausweis der Deutschen Myasthenie Gesellschaft oder einen Hinweis auf die Erkrankung sollten alle Myastheniekranken stets bei sich tragen. Dies ist vor allem für den Notfall wichtig, wenn dringlich Medikamente oder eine Narkose notwendig werden.

Medikamente, die die Myasthenie verschlechtern können:

  • Antibiotika: Makrolide z.B. Erythromycin, Azithromycin.
  • Aminogycoside: Gentamycin, Neomycin.
  • Telithromycin.
  • Fluorochinolone z.B. Ciprofloxacin.
  • Kortikosteroide: z.B. Prednisolon - Standardbehandlung der Myasthenie. Besonders bei hoher Anfangsdosis Verschlechterung, daher ambulant größte Vorsicht.
  • Magnesium: kontraindiziert, besonders intravenös.
  • Chinin: kontraindiziert; auch in Bittergetränken enthalten.
  • Botulinumtoxin: kontraindiziert.
  • D-Penicillamin: kontraindiziert.
  • Procainamid: kontraindiziert.
  • Desferoxamin: kontraindiziert.
  • Chloroquin/Hydroxychloroquin: nur im Ausnahmefall möglich.
  • Betablocker: z.B. Metoprolol, sehr kritisch anwenden, bestehende Medikation weiter.
  • Statine: z.B. Atorvastatin, Muskelschwäche/- schmerzen mgl., Dosis so niedrig wie möglich.
  • Jodhaltige Kontrastmittel: Unter Überwachung möglich.
  • Beruhigungsmittel (Barbiturate, Benzodiaze- pine) und Muskelentspannungsmittel: kontraindiziert.
  • Checkpointinhibitoren: nur nach Risiko-/ Nutzen-Abwägung.

Im Zweifelsfall halten Sie bitte Rücksprache mit einem Myastheneniezentrum. Es gibt in der Regel für alle medizinischen Probleme Alternativmedikamente!

Narkosen bei Myasthenia gravis

Bei der Narkose von Myastheniekranken gibt es Besonderheiten. Die Diagnose der Myastenia gravis muss den Anästhesiologen/Behandlern mitgeteilt werden. Elektive Eingriffe sollten bei stabiler Myasthenie vorgenommen werden. Die Myastheniemedikation sollte fortgesetzt werden. Operationstermine sind zeitig am Morgen zu planen.

Eine örtliche Betäubung, Regional- oder Rückenmarksanästhesie ist einer Allgemeinnarkose vorzuziehen. Sie kann mit den üblichen Medikamenten durchgeführt werden (z.B. Xylocitin). Bei ausgedehnten Zahneingriffen sollte die Gefahr einer Schluckstörung beachtet werden.

Eine Kurznarkose mit Propofol ist unter Überwachungsbedingungen möglich. Die Gabe von Muskelrelaxantien muss unter neuromuskulärem Monitoring (Train of four) erfolgen. In vielen Fällen genügen sehr niedrige Dosen (10 % der üblichen Dosis), dies ist jedoch nicht vorhersehbar. Besonders perioperativ ist ein hochnormaler Kaliumspiegel notwendig.

Die Gefahr einer malignen Hyperthermie besteht bei Myasthenia gravis nicht. Für den Fall einer verlängerten Wirkung ist die Möglichkeit der Nachbeatmung sicherzustellen.

Regionalanästhesieverfahren einschließlich Periduralkatheter (PDK) sind möglich und sinnvoll. Sie sind die beste Möglichkeit zur postoperativen Schmerztherapie zusätzlich zu Nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) und kurzwirksamen Opioiden.


(Quellen: MGFA, sowie unter Mitarbeit von OA Dr. med. Wolfgang Jakob)

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