Aktuelle Besuchsregelungen

Jede:r Patient:in darf besucht werden. Einschränkungen bei Besuchszeit & Besucheranzahl gibt es nicht.
Ab dem 01.10.2022 gilt 3G, keine Testpflicht für Geimpfte und Genesene. Es gilt für alle eine FFP2-Maskenpflicht.

Mehr Informationen finden Sie hier.

Modernste Methoden

Modernste Methoden

Unserem Fachbereich obliegt die Koordination des gesamten OP-Betriebes. Im Helios Klinikum Erfurt gibt es einen Zentral-OP mit 13 OP-Sälen sowie einen zusätzlichen Hybrid-OP, den Bereich HNO-OP mit drei Sälen und das Frau-Mutter-Kind-Zentrum mit fünf OP-Sälen. Darüber hinaus unterstützen wir zahlreiche andere Außenbereiche wie das Notfallzentrum, die Angiographie und den TUR-Saal für kleinere urologische Eingriffe. Jährlich erbringen wir insgesamt mehr als 24.000 Anästhesieleistungen.

Leistungen der Anästhesie

Grundsätzlich arbeiten unsere Patient:innen gemeinsam mit dem Narkosearzt/der Narkosärztin (Anästhesist:in) für ihre Sicherheit. Besonders bei ambulanten Eingriffen in Narkose ist das medizinische Team auf die Kooperation der Patient:innen angewiesen.

Die Vorgehensweise muss in jedem Fall mit dem Anästhesisten/der Anästhesistin abgesprochen werden. Dazu dient das Prämedikationsgespräch. Dabei erfährt der Patient bzw. die Patientin alle Informationen zur bevorstehenden Narkose und erhält Antworten auf seine/ihre Fragen. Der Arzt/die Ärztin beurteilt die Narkosefähigkeit und das Narkoserisiko. Gemeinsam mit dem Patienten wird die geeignete Narkoseart gewählt. Der/die Patient:in wird ausführlich über die Risiken der Narkose aufgeklärt und unterschreibt danach eine Einverständniserklärung.

Bei der Narkose handelt es sich um einen medikamentös herbeigeführten, kontrollierten Zustand der Bewusstlosigkeit. Je nach Bedarf können die Komponenten Schmerzausschaltung und Muskelerschlaffung beigefügt werden. Die Narkose ermöglicht die Durchführung von schmerzhaften oder anderweitig nicht von Patient:innen tolerierten Prozeduren wie Untersuchungen oder Operationen.

Die Narkoselehre ist ein Teilgebiet der Anästhesiologie. Sie wird in Deutschland von speziell weitergebildeten Fachärzt:innen durchgeführt (Facharzt/Fachärztin für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Anästhesist:in).

Nach der Vollnarkose können durch den Tubus oder die Larynxmaske Halsschmerzen auftreten. Manchmal tritt Heiserkeit auf. Diese Nebenwirkung werden durch den Kunststoffschlauch ausgelöst, der die empfindliche Rachenschleimhaut reizt. In den allermeisten Fällen lassen die Beschwerden nach ein bis zwei Tagen wieder nach.

Übelkeit und Erbrechen (PONV = postoperative nausea and vomiting)
Diese relativ häufige Nebenwirkung liegt im Allgemeinen bei 25-30%, bei ambulanten Eingriffen unter 5%. Sie geht meist mit dem Gebrauch von bestimmten ungeeigneten Opioiden im Rahmen der Anästhesie einher und kommt bei der Wahl geeigneter Mittel seltener vor (beispielsweise bei der Narkoseform "TIVA" unter Verwendung von Propofol und Remifentanil).

Ein häufigeres Vorkommen findet sich bei Frauen, bei Nichtrauchern, bei schon stattgehabter PONV oder „Reisekrankheit“ und bei postoperativem Gebrauch von bestimmten Opioiden.
Daneben gibt es verschiedene vermutete Faktoren wie Antagonisten der nichtdepolarisierenden Muskelrelaxantien oder die Art des Eingriffs (bis zu 80% bei gynäkologischen Eingriffen).

Zahnschaden
Ein Zahnschaden ist eine seltene aber aufklärungspflichtige Komplikation der trachealen Intubation. Beim Einlegen des Tubus in die Luftröhre (lat. Trachea) wird in der Regel ein Laryngoskop verwendet, um die Zunge wegzudrängen und somit freie Sicht auf den Trachealeingang mit Stimmlippen und Kehlkopf zu haben. Bei diesem Vorgang kann es vereinzelt zur Schädigung von Oberkiefer-Frontzähnen kommen. Die Häufigkeit wird mit 1:4500 angegeben.

Fehlintubation
Zum Zwecke der Beatmung wird normalerweise das Ende des Beatmungstubus in der Luftröhre (Trachea) platziert. In extrem seltenen Fällen kann es passieren, dass der Tubus fehlerhaft in die Speiseröhre eingeführt wird. Ein weiteres Problem kann die zu tiefe Intubation sein. Bei dieser Art der Fehlintubation gelangt das distale Tubusende in einen der beiden Hauptbronchien oder tiefer.

Aspiration von Mageninhalt
In der Narkose sind normalerweise die Schutzreflexe erloschen. Dieser Zustand ist erwünscht. Es kann aber unter ungünstigen Verhältnissen dazu kommen, dass sich Mageninhalt passiv in den Rachen entleert und dann passiv in die Luftröhre und Lunge gelangt (Aspiration).

Hierbei können grobe Nahrungsbrocken zur Verlegung der Luftwege führen und die Ventilation beeinträchtigen. Diese Komplikation ist akut lebensbedrohlich und muss innerhalb kurzer Zeit behoben werden. In anderen Fällen kann es bei Aspiration dünnflüssigen Magensaftes zur Verätzung des empfindlichen Lungengewebes kommen.

Der Vermeidung dient normalerweise die Nahrungkarenz vor Narkosen. So muss jegliches Essen für mindestens 6 Stunden vor Narkosen vermieden werden. Die Einnahme einer klaren Flüssigkeit (Wasser, Tee) wird heute meistens im folgenden Zeitraum bis zum Abruf in den OP als unproblematisch angesehen, wenn es sich um sonst gesunde Patienten handelt.

Intraoperative Wachzustände (Awareness)
Die Inzidenz von Awareness wird mit bis zu 2% angegeben, wobei herzchirurgische und gynäkologische Eingriffe besonders häufig genannt werden.

Die Ursache liegt in der unzureichenden Narkosemittelbedarfsdeckung des Patienten, sei es durch Schwierigkeiten in der Interpretation der Narkosetiefe (z. B. Einsatz von Muskelrelaxantien, vorbestehender Drogenabusus) oder durch technische Dysfunktionen (z. B. Störungen in der zentralen Gasversorgung).

Die Regionalanästhesie gewinnt immer mehr an Bedeutung. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, vorübergehend das Schmerzempfinden z.B. an den Armen oder Beinen auszuschalten und so einen operativen Eingriff zu ermöglichen. Eine zusätzliche Vollnarkose ist dabei oft nicht erforderlich. Auf Wunsch erhält der Patient ein Schlafmittel oder kann zur Ablenkung Musik über Kopfhörer hören. Für größere Eingriffe, z.B. Knochenbrüche oder beim Einbau neuer Gelenke, dient die Regionalanästhesie als Ergänzung zur Vollnarkose. In diesem Fall wird ein Schmerzkatheter platziert.

Ob eine Regionalanästhesie für eine Operation in Betracht kommt, ist Entscheidung des Narkosearztes, der zuvor für jeden Patienten ein individuelles Nutzen-Risiko-Profil erstellt. Im Prämedikationsgespräch wird dem Patienten das für ihn beste Verfahren erklärt.

Rückenmarksnahe Narkosen sind Formen der Regionalanästhesie, die bei Eingriffen an Beinen, Becken, Unterleib (auch Kaiserschnitt) und Bauch angewendet werden können. Unter Verwendung geeigneter Lokalanästhetika (Medikamente zur örtlichen Betäubung) werden bei diesen Verfahren der Schmerz und das Empfinden durch Blockade der vom Operationsgebiet zum Rückenmark ziehenden Nerven ausgeschalten. Das Bewusstsein bleibt dabei in der Regel erhalten, der Patient kann jedoch zusätzlich in einen Dämmerschlaf (Sedierung) versetzt werden.

Für bestimmte Operationen und besonders die postoperative Schmerztherapie kann auch die Kombination von Vollnarkose und rückenmarksnaher Narkose sinnvoll sein.

Rückenmarksnahe Anästhesie unterteilt man im Wesentlichen in „Spinalanästhesie“ und „Periduralanästhesie“. Besonders die Periduralanästhesie kann man sehr gut mit einem kontinuierlichen Katheterverfahren kombinieren (Periduralkatheter – PDK) und somit zur postoperativen Schmerztherapie einsetzen. Ein dünner, flexibler Kunststoffschlauch wird hierzu in der Nähe das Rückenmarks platziert und ermöglicht auch Tage nach der Operation noch die Injektion eines Lokalanästhetikums.

Spinalanästhesie (Syn. Lumbalanästhesie, „Rückenmarksspritze“)

Grundlagen

Im Bereich des Rückenmarks liegen die Nervenzellen und -fasern von mehreren Schichten, den sog. Rückenmarkshäuten, geschützt. Von innen nach außen sind das die weiche Hirnhaut (Pia mater) direkt auf dem Rückenmark aufliegend, die Spinnwebshaut (Arachnoidea) und als äußere Begrenzung die harte Hirnhaut (Dura mater). Zwischen Spinnwebshaut und harter Hirnhaut befindet sich der Raum, in dem das Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis) zirkuliert. In diesen Raum wird bei der Spinalanästhesie das Lokalanästhetikum injiziert. Die Bezeichnung „Rückenmarksspritze“ ist somit irreführend, da nicht das Rückenmark direkt betäubt wird, sondern die Nerven die es verlassen und durch die einzelnen Rückenmarkshäute ziehen.

Das Rückenmark selbst reicht beim Erwachsenen nur bis zur Höhe des ersten Lendenwirbels, die zur unteren Körperregion gehörigen Nerven verlassen die Wirbelsäule aber trotzdem weiter unten, sodass eine Punktion im tiefen Lendenbereich Verletzungen des Rückenmarks äußerst unwahrscheinlich macht.

Durchführung

Der Patient sollte wie auch zur Vollnarkose nüchtern sein. Die Spinalanästhesie wird in der Regel im Sitzen oder seltener im Liegen durchgeführt. Als erstes werden Überwachungsgeräte angeschlossen, dann wird der Patient aufgefordert, einen „Katzenbuckel“ zu machen, so dass der Abstand zwischen den Wirbeln etwas vergrößert und die Punktion vereinfacht wird. Nach Desinfektion und örtlicher Betäubung der Haut wird im Lendenbereich - meist zwischen dem 3. und 4. Lendenwirbel - mit einer speziellen, sehr dünnen Kanüle („Spinalnadel“) punktiert. Sobald über diese Nadel Nervenwasser zurück fließt, wird das Lokalanästhetikum injiziert, die Nadel entfernt und ein steriler Verband aufgebracht. Da die Wirkung in der Regel sofort einsetzt und die Ausbreitungshöhe von der Lage des Patienten abhängig ist, wird dieser gebeten, sich sofort hinzulegen. Zuerst wird ein Wärmegefühl in den Beinen und am Gesäß verspürt. Nach wenigen Minuten ist die Ausbreitung des Lokalanästhetikums abgeschlossen und kontrollierte Bewegungen der Beine sind nicht mehr möglich. Der Eingriff kann durchgeführt werden. Die Wirkung hält, je nach verwendetem Medikament, bis zu mehreren Stunden an.

Wird die Spinalanästhesie zur alleinigen Schmerztherapie eingesetzt, wird ein anderes Medikament benutzt. Die Schmerzfreiheit tritt nach 30-60 Minuten ein, hält aber länger (bis zu 12 Stunden) an. Die Bewegungsfreiheit der Beine ist nicht eingeschränkt.

Anwendungsgebiete

Die Betäubung durch eine Spinalanästhesie ist für Eingriffe vom Rippenbogen abwärts geeignet:

  • Operationen an den Beinen (Knie- oder Hüftprothesen, Gelenksspiegelungen)
  • Kaiserschnitt und verschiedene gynäkologische Eingriffe
  • Urologische Eingriffe (Prostataresektion etc.)
  • Leistenbrüche usw.

Wann kann eine Spinalanästhesie nicht durchgeführt werden? (Kontraindikationen)

Prinzipiell wird eine Spinalanästhesie nicht durchgeführt, wenn der Patient dies ablehnt. Auch bestimmte psychische oder neurologische Erkrankungen, welche die nötige Mitarbeit des Patienten ausschließen, schränken die Anwendbarkeit der Spinalanästhesie ein.
Weitere Kontraindikationen sind:

  • Blutungsneigung (Einnahme gerinnungshemmender Medikamente wie ASS, Plavix®, Maracumar®. Diese müssen dann einige Tage vor der Operation abgesetzt oder auf andere Medikamente umgestellt werden.)
  • Hautinfektionen im Lendenbereich
  • Wirbelsäulenverletzungen oder –anomalien
  • Niedriger Blutdruck, Schock
  • Schwerer angeborener Herzfehler

Nebenwirkungen und Komplikationen

Die Spinalanästhesie gilt als ein sicheres Verfahren, das in Deutschland weit verbreitet ist. Die Komplikationsrate liegt bei unter 0,1 %. Dennoch gibt es seltene und unerwünschte Nebenwirkungen und Folgen.

  • Allergische Reaktionen auf Lokalanästhetika. Diese treten meist schon bei der örtlichen Betäubung der Haut auf und sollten zum sofortigen Abbruch der Spinalanästhesie führen.
  • Verletzungen von Blutgefäßen oder Nerven
  • Rückenmarksverletzungen. Das Rückenmark ist von der Einstichstelle weit entfernt und eine Verletzung somit sehr unwahrscheinlich. Sie würde im schlimmsten Fall zu Missempfindungen, Lähmungen oder einer Querschnittslähmung führen (siehe oben).
  • Blutdruckabfall. Ein reflektorischer Blutdruckabfall mit Einsetzen der Lokalanästhetikawirkung ist nicht selten und wird vom durchführenden Arzt erwartet. Meist ist er nur gering und nicht behandlungsbedürftig. Andernfalls stehen Medikamente zur Verfügung.
  • Störungen der Atmung. Atembeschwerden sind ein Anzeichen für eine Betäubung höher liegender Nervenbahnen, die für die Atemmuskulatur zuständig sind. Dieser seltene Zwischenfall bedeutet für den Patienten eine vorrübergehende Vollnarkose und Beatmungspflicht, bis die Wirkung des Lokalanästhetikums abgeklungen ist.
  • Infektionen. In den Rückenmarksraum eingeschleppte Keime können zu Hirnhautentzündungen führen, sind aber bei sauberem Arbeiten nahezu ausgeschlossen.

Im Anschluss an eine Spinalanästhesie können außerdem in seltenen Fällen Kopfschmerzen auftreten. Diese Nebenwirkung ist heutzutage selten, da man neuerdings dünnere Spinalnadeln verwendet und somit der Verlust von Nervenwasser, der den Kopfschmerz auslöst, geringer ist. Sollten dennoch Schmerzen auftreten, können diese medikamentös behandelt werden und verschwinden nach wenigen Tagen.

Besonders Männer klagen zudem gelegentlich über Blasenentleerungsstörungen. In solchen Fällen können Medikamente oder pflegerische Maßnahmen (Blasenkatheter) Abhilfe schaffen.

Nachbehandlung und Rehabilitation

Das Abklingen der Betäubung ist nicht zu beeinflussen. Die Spinalanästhesie lässt in aufsteigender Richtung wieder nach. Die Patienten sollten, wenn die Betäubung vollständig abgeklungen ist und sie ihre Beine wieder spüren und bewegen können, zunächst nur mit Hilfe aufstehen, weil auch dann noch ein Blutdruckabfall und „Schwarzwerden vor den Augen“ möglich ist. Flüssige und feste Nahrung sind mit Abklingen der Spinalanästhesie wieder erlaubt. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr unmittelbar nach der Operation beugt Blasenentleerungsstörungen vor. Auch bei Wohlbefinden sollten die Patienten frühestens nach 24 Stunden wieder aktiv am Straßenverkehr teilnehmen, an laufenden Maschinen arbeiten oder wichtige Entscheidungen treffen.

Periduralanästhesie

Grundlagen

Im Bereich des Rückenmarks liegen die Nervenzellen und –fasern von mehreren Schichten, den sog. Rückenmarkshäuten geschützt. Von innen nach außen sind das die weiche Hirnhaut (Pia mater) direkt auf dem Rückenmark aufliegend, die Spinnwebshaut (Arachnoidea) und als äußere Begrenzung die harte Hirnhaut (Dura mater). Die Dura mater teilt sich in zwei Blätter, ein inneres und ein äußeres, das gleichzeitig die Knochenhaut der Wirbelkörper im Wirbelkanal darstellt. Zwischen diesen beiden Blättern liegt der Periduralraum, in den bei der PDA das Lokalanästhetikum injiziert bzw. der PDK eingelegt wird. Anders als bei der Spinalanästhesie ist dieses Verfahren im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule möglich. Das Betäubungsmittel hemmt in der Regel nur die vom Rückenmark zu den inneren Organen ziehenden schmerzleitenden Nervenfasern und nicht diejenigen, die eine Bewegung der Muskulatur ermöglichen. Bei korrekter Anlage ist somit z.B. die Atemmuskulatur nicht beeinträchtigt.

Während des Wachstums des Menschen wächst die Wirbelsäule schneller als das in ihr liegende Rückenmark, sodass das Rückenmark nur bis etwa zum ersten Lendenwirbel reicht. Die Nerven, welche die inneren Organe oder die Beine versorgen, treten aber über die gesamte Länge aus der Wirbelsäule aus. Der Punktionsort für die PDA liegt also nicht unbedingt auf gleicher Höhe wie der Ort der Operation.

Durchführung

Der Patient sollte wie auch zur Vollnarkose nüchtern sein. Die PDA (PDK) wird in der Regel im Sitzen oder seltener im Liegen durchgeführt. Als erstes werden Überwachungsgeräte angeschlossen, dann wird der Patient aufgefordert, einen „Katzenbuckel“ zu machen, sodass der Abstand zwischen den Wirbeln etwas vergrößert und die Punktion vereinfacht wird. Nach Desinfektion und örtlicher Betäubung der Haut wird zwischen zwei Wirbelkörpern der Brust- oder Lendenwirbelsäule mit einer speziellen Hohlnadel punktiert. Sobald der Periduralraum erreicht ist, wird das Lokalanästhetikum injiziert bzw. der Katheter eingeführt, die Nadel entfernt und ein steriler Verband aufgebracht. Da der Periduralraum relativ groß ist, wird mehr Lokalanästhetikum als bei der Spinalanästhesie benötigt. Auch tritt die Wirkung erst etwas später - nach etwa 15 Minuten - ein.

In Deutschland wird das Katheterverfahren favorisiert, da es eine über die Zeit der Operation hinaus reichende Schmerztherapie ermöglicht. Üblicherweise wird an den Katheter eine Pumpe angeschlossen, über die kontinuierlich ein Lokalanästhetikum, oft unter Zusatz eines opiumartigen Schmerzmittels, zugeführt wird. Der Patient kann sich bei Bedarf per Knopfdruck zusätzliche Dosen geben und somit unabhängig von Ärzten und Schwestern die Schmerzfreiheit herbeiführen. Eine Überdosierung wird durch die Einstellung einer Maximaldosis verhindert. Durch diese Maßnahme sind die Patienten frühzeitig nach der Operation schmerzfrei, können mobilisiert werden und den durch Bewegungsmangel entstehenden Komplikationen (Lungenentzündungen, Thrombosen) wird vorgebeugt.

Anwendungsgebiete

Die Betäubung durch eine PDA/PDK ist für größere Eingriffe unterhalb der Schlüsselbeine, meist als Zusatz zu einer Vollnarkose, geeignet:

  • Operationen an Brustkorb und Lunge
  • große Bauchoperationen (Magen oder Darm)
  • Urologische Eingriffe (Prostataresektion, Nierenentfernung etc.)
  • Geburtshilfe (PDA zur schmerzfreien natürlichen Geburt oder zum Kaiserschnitt)

Wann kann eine Periduralanästhesie nicht durchgeführt werden?

Prinzipiell wird eine PDA/PDK nicht durchgeführt, wenn der Patient dies ablehnt. Auch bestimmte Veränderungen oder Voroperationen an der Wirbelsäule schränken die Anwendbarkeit der Periduralanästhesie ein.
Weitere Kontraindikationen sind:

  • Blutungsneigung (Einnahme gerinnungshemmender Medikamente wie ASS, Plavix®, Maracumar®. Diese müssen dann einige Tage vor der Operation abgesetzt oder auf andere Medikamente umgestellt werden.)
  • Hautinfektionen im Punktionsbereich
  • Niedriger Blutdruck, Schock
  • Schwerer angeborener Herzfehler

Mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen

Die Periduralanästhesie gilt als ein sicheres Verfahren, das in Deutschland weit verbreitet ist. Seltene und unerwünschte Nebenwirkungen und Folgen dieses Verfahrens sind:

  • Allergische Reaktionen auf Lokalanästhetika. Diese treten meist schon bei der örtlichen Betäubung der Haut auf und sollten zum sofortigen Abbruch der Periduralanästhesie führen.
  • Verletzungen von Blutgefäßen oder Nerven, bei Gerinnungsstörungen ggf. Entwicklung eines Blutergusses im Periduralraum mit neurologischen Symptomen. Bei Zusatz opiumähnlicher Schmerzmittel vereinzelt Juckreiz oder Übelkeit.
  • Blutdruckabfall und Kreislaufreaktionen. Ein reflektorischer Blutdruckabfall mit Einsetzen der Lokalanästhetikawirkung ist nicht selten und wird vom durchführenden Arzt erwartet. Meist ist er nur gering und nicht behandlungsbedürftig. Andernfalls stehen Medikamente zur Verfügung.
  • Infektionen. In den Rückenmarksraum eingeschleppte Keime können zu Hirnhautentzündungen mit Seh- oder Hörstörungen führen, sind aber bei sauberem Arbeiten nahezu ausgeschlossen.
  • Verletzungen der harten Hirnhaut. Dadurch ggf. stärkere Kopfschmerzen. Extrem selten ist eine versehentlich totale Spinalanästhesie mit weiterer Ausbreitung des Lokalanästhetikums und damit einhergehenden Störungen der Atemmuskulatur oder Verlangsamung des Herzschlages.

Besonders Männer klagen zudem gelegentlich über Blasenentleerungsstörungen. In solchen Fällen können Medikamente oder pflegerische Maßnahmen (Blasenkatheter) Abhilfe schaffen.

Mögliche Komplikationen durch den Periduralkatheter als Schmerztherapie unter der Geburt sind eine deutlich erhöhte Rate an operativen Geburtsbeendigungen. Da die Dosis zur Schmerzlinderung von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, kann häufig nicht vermieden werden, dass als Nebeneffekt eine Schwäche der Wehen, der Bein- und Bauchmuskulatur auftritt. In diesen Fällen ist dann die Geburt des Kindes erschwert oder ohne äußere Hilfe gar unmöglich. Ein Kaiserschnitt kann nötig werden.