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Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie

SOP Tranexamsäure

"Blut ist ein ganz besonderer Saft" wusste schon Goethes Faust. Und besonders kostbar. Wir tragen deshalb Verantwortung für einen sorgsamen Umgang mit dieser besonderen Ressource. Hier steht, wie man (Fremd-)Blut sparen kann.

 

1 Prophylaktische Gabe

  • Während des Team Time Out wird vom Operateur der zu erwartende Blutverlust angegeben.
  • Ist dieser größer 500 ml oder übersteigt er den akzeptablen Blutverlust, erhält der Patient zum Hautschnitt 1 g Tranexamsäure (TXA) über 10 min intravenös, weil die zu schnelle Gabe ähnlich wie Metamizol zu Blutdruckabfällen führt
  • akzeptabler Blutverlust = BV x (aktueller Hkt – tolerabler Hkt) / mittlerer Hkt
  • (BV = Blutvolumen)
    • Erwachsene: 65 ml/kg
    • Kinder: 80 ml/kg
    • Säuglinge: 85 ml/kg
    • Neugeborene: 95 ml/kg)
  • Kinder erhalten 20 mg/kg KG.
  • Eine wiederholte Gabe erfolgt zur Prophylaxe nicht!
  • In den einzelnen Bereichen ist die Gabe von TXA bei folgenden Operationen höchst wahrscheinlich:
    • CHW
      • PLIF (ab 2 Etagen)
      • ventrale/dorsale offene Stabilisierung (nicht bei perkutanen)
      • dorsale HWS-OP
    • ORT/CHU
      • alle endoprothetischen Operationen
      • Polytrauma in der Initialphase
      • Acetabulumfraktur (offene POS, nicht perkutane SOS)
      • Duokopfprothese bei Schenkelhalsfraktur
    • MKG
      • Lappen-OPs
    • CHK
      • Kraniostenosenkorrektur

Bei diesen Operationen kann TXA bereits vor dem Time out gegeben werden. In allen anderen Bereichen gilt das Vorgehen oben.

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2 Therapeutische Gabe

  • Bei akuten Blutungen (intraoperativ, peripartal, traumatisch, GIB, etc.) werden 2 g TXA verabreicht: 1 g TXA über 10 min intravenös gefolgt von 1 g über 8 h intravenös (siehe auch Europäische Leitlinie zur Therapie von schweren Blutungen und schwerer Koagulopathie nach Trauma sowie Massivtransfusionsprotokoll Polytraumamanagement)
  • Wenn prophylaktisch bereits 1 g gegeben wurde, wird intraoperativ ein weiteres Gramm verabreicht.
  • Hält die Blutung an, ist eine wiederholte Gabe von 500 mg alle 3 h indiziert.

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3 Kontraindikationen für TXA

  • Allergie
  • Subarachnoidalblutung
  • Aktivierte intravasale Gerinnung, z.B. im Rahmen einer DIC
  • Kinder unter 1 Jahr
  • relativ:
    • thrombembolische Ereignisse in der Anamnese (Risiko-Nutzen-Abwägung)
    • Blutungen im Ureter
    • Schwangerschaft und Stillzeit
    • dann interdisziplinäre Risiko-Nutzen-Abwägung.

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4 Literatur

  • Barrachina B et al: Tranexamic Acid Compared with Placebo for Reducing Total Blood Loss in Hip Replacement Surgery: A Randomized Clinical Trial.
    Anesth Analg. 2016 Apr;122(4):986-95. doi: 10.1213/ANE.0000000000001159.
  • McNicol ED et al: Antifibrinolytic agents for reducing blood loss in scoliosis surgery in children.
    Cochrane Database Syst Rev. 2016 Sep 19;9:CD006883. [Epub ahead of print]
  • Ker K et al: Effect of tranexamic acid on surgical bleeding: systematic review and cumulative meta-analysis.
    BMJ 2012; 344: e3054. doi: 10.1136/bmj.e3054
  • William Ng et al: Tranexamic acid: a clinical review. Anaesthesiol Intensive Ther. 2015;47(4):339-50. doi: 10.5603/AIT.a2015.0011. Epub 2015 Mar 23.
  • Rossaint R et al.: The European guideline on management of major bleeding and coagulopathy following trauma: fourth edition. Critical Care (2016) 20:100; doi10.1186/s13054-016-1265-x

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Stand: 11.01.2019

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