Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie

SOP Maligne Hyperthermie

Die maligne Hyperthermie ist eine sehr seltene, lebensbedrohliche Komplikation einer Narkose. Durch das Verabreichen von auslösenden Substanzen (Triggern) wird bei entsprechender genetischer Veranlagung eine Stoffwechselentgleisung in der Skelettmuskulatur verursacht. Das anästhesiologische Vorgehen in dieser Situation regelt diese SOP

2 Definition

  • genetische bedingte metabolische Myopathie
  • fast ausschließlich anästhesietypische Komplikation
  • MH kann sich bis 24 h nach Triggerexposition entwickeln

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3 Triggersubstanzen

  • Inhalationsanästhetika wie Sevofluran, Desfluran
  • Succinylcholin
  • frühere problemlose Anwendungen o.g. Medikamente schließen eine MH-Disposition nicht aus, da hier z.T. wiederholte Triggerexposition notwendig ist

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4 Symptome

4.1 Frühsymptome

  • massiver Anstieg der endexspiratorischen CO2- Konzentration beim beatmeten Patienten
  • auffällige Hyperventilation beim spontan atmenden Patienten
  • Tachykardie mit Arrhythmien unklarer Genese. Die Tachykardie stellt meist ein Frühsymptom dar.
  • Anstieg der O2- Ausschöpfung (Zunahme der Differenz zwischen in- und exspiratorischer O2- Konzentration)
  • Masseterspasmus unmittelbar nach Succinylcholingabe
  • Zyanose, Schweißbildung
  • Generalisierter Muskelrigor bei 50 – 80% der Patienten
  • auch in der Frühphase (dann) rasanter Anstieg der Körperkerntemperatur möglich

4.2 Spätsymptome

  • langsamer Anstieg der Körperkerntemperatur
  • O2-Sättigungsabfall (bei fulminanter MH-Krise auch als Frühsymptom)

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5 Therapie

  • Hilfe holen! Info an Spangenaufsicht oder 1. Dienst, Notfalltaste am Saaltelefon
  • Info an Operateur!

​​​​​​​Entscheidend für die Prognose ist die schnellstmögliche Applikation von Dantrolen. Persistiert die Symptomatik auch nach 10 mg/kg Dantrolen nicht, ist die Diagnose Maligne Hyperthermie fraglich.

5.1 Kausale Therapie

  • Zufuhr der Triggersubstanzen beenden, Anästhesiegasverdampfer entfernen, kein Gerätewechsel!
  • FiO2 = 100 % bei maximalem Frischgasfluss
  • AMV auf das Zwei- bis Vierfache erhöhen
  • Anästhesie triggerfrei fortführen

Dantrolen-Infusion initial:

  • 2,5 mg/kg KG
  • Wiederholung dieser Dosis bei persistierender Symptomatik alle 5 min, bis Gesamtdosis von 10 mg/kg KG erreicht ist

Kontinuierliche Dantrolen-Infusion weiter:

  • 5 mg/kg/24 h (nach 2,5 – 5 mg/kg Dantrolen)
  • 10 mg/kg/24 h (nach 7,5 – 10 mg/kg Dantrolen)

Start der kontinuierlichen Infusion spätestens innerhalb von 5 h!

5.2 Symptomatische Therapie

  • Kreislaufstabilisierung mit Volumen und Vasopressoren
  • antiarrhythmische Therapie (oft spontanes Sistieren der Rhythmusstörungen nach Dantrolen, keine Ca-Antagonisten, kein Digitalis s.u.)
  • Forcierte Diurese (schon durch Dantrolen initiiert, enthält Mannitol)
  • Kühlung bei fulminanter MH
  • Invasive Überwachung (arterielle Druckmessung, ZVK, HBK)
  • Operation schnellstmöglich beenden

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6 Prophylaxe

  • Vorbereitung Narkosegerät bei MH-Disposition (Arbeitsanweisung folgt)
  • Verzicht auf Volatile Anästhetika und Succinylcholin

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7 Kontraindizierte Begleitmedikation

  • Kalziumantagonisten verursachen in Kombination mit Dantrolen schwere Hyperkaliämien
  • Digitalis kann zu einem drastischen Anstieg der Kalziumkonzentration führen

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8 Labordiagnostik

  • BGA
    • Laktatanstieg
    • CO2-Anstieg
    • Hypoxämie
    • Hyperkalz- und Hyperkaliämie
  • Klinische Chemie
    • CK-Erhöhung
    • Transaminasenerhöhung
    • Myoglobinämie

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9 Dantrolen

9.1 Standort

  • Zentral-OP: 24 Ampullen à 20 mg im Medikamentenschrank vor Saal 7
  • Apotheke: nochmal mindestens 24 Ampullen à 20 mg; bei Bedarf sofort via Tel. 99 den diensthabenden Apotheker informieren
  • sollte der in Erfurt vorhandene Bestand nicht ausreichen, so werden in den OPs von Blankenhain, Gotha und Bleicherode ebenfalls Dantrolendosen bevorratet, die angefordert werden können.

9.2 Zubereiten der Dantrolen-Lösung

  • Lösen der Trockensubstanz in exakt 60 ml Aqua dest., dann schütteln bis die Lösung klar ist. Achtung: löst sich nur sehr schlecht! Eine Hilfsperson ist allein für die Dantrolenzubereitung nötig!
  • Die Verlegung auf Intensivstation erfolgt erst, wenn die Situation beherrscht und der Patient in einem stabilen Zustand ist. Die Behandlung wird für einen Transport nicht unterbrochen, d.h. die Akuttherapie erfolgt ausschließlich im OP.

9.3 Nebenwirkungen

  • selten
  • protrahierte Atemschwäche
  • Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerz, Schwindel
  • Gewebenekrosen bei paravasaler Injektion

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Stand, Kontakt, Haftung

Stand: 23.01.2020

Kontakt

Dr. med. Friederike Reichstein

Oberärztin
Dr. med. Friederike Reichstein

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(0361) 781-2051