Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie

SOP Hyperkaliämie

Immer wieder gibt es Situationen, in denen der aufmerksame Anästhesist gefragt wird, mal eben schnell "Narkose" zu machen. Einer der originären Aufträge unseres Faches ist es, Prozeduren gut akzeptabel zu ermöglichen. Wie das im Einzelfall aussehen kann, darum geht es in dieser SOP.

1 THERAPIE DER HYPERKALIÄMIE MIT RE-ANIMATIONSPFLICHTIGEN BRADYKARDEN HRST ODER ASYSTOLIE

1.1 BEI PATIENTEN MIT AKUTEM NIERENVERSAGEN/TERMINALER NIERENINSUFFIZIENZ

  1. Ca-Glukonat 10 % 20 ml i.v. als Bolus langsam aus der Hand (wirkt sofort, Wirkdauer ca. 30 min)
  2. Salbutamol 2 Hübe (falls Patient wach und kooperativ) repetitiv, alternativ Terbutalin 0,5 mg s.c.
  3. 20 IE Insulin (Actrapid) in 500 ml Glucose 10 % als Schnellinfusion (Wirkeintritt nach ca. 30 min, -dauer ca. 3 - 6 h; auch peripher möglich)
  4. bei Azidose: 100 ml Na-Bicarbonat 8,4 % als Schnellinfusion (Wirkeintritt nach ca. 10 min, -dauer 2 h)
  5. Entfernen aller K-haltigen Infusionslösungen

Praxistipp

  • Die o.g. Maßnahmen sind als ärztliche Anordnung an eine Pflege-kraft delegierbar. Während die Pflegekräfte die Anordnungen abarbeiten, kann Kontakt zum Nephrologen aufgenommen werden.
  • Die o.g. Maßnahmen bewirken lediglich eine Kaliumumverteilung von extra- nach intrazellulär und sind daher keine kausale Therapie der Hyperkaliämie. Es soll zeitnah eine Hämodialyse erfolgen: Anmelden des Patienten beim Nephrologen, Anlage eines Shaldon-/ Vorhofkatheters, vorzugsweise in die V. jugularis interna dextra).

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1.2 BEI ERHALTENER NIERENFUNKTION

  1. Furosemid 40 mg i.v.
  2. Schritte 2 - 4 wie oben
  3. Rücksprache mit dem Nephrologen und engmaschige Kalium-Kontrollen (ggf. stündlich), um die Indikation zur Dialyse rechtzeitig zu stellen

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2 THERAPIE DER HYPERKALIÄMIE OHNE HERZRHYTHMUSSTÖRUNGEN/ OHNE NOTFALLSITUATION

  • Ursache finden und kausal behandeln
    • Niereninsuffizienz
    • Nebenniereninsuffizienz
    • medikamentös induziert
      • ACE-Hemmer
      • Angiotensin-1-Antagonisten
      • NSAR
      • Digitoxinintoxikation
    • Rhabdomyolyse
    • Hämolyse, Transfusionszwischenfall
    • lange Stauung bei Blutprobenentnahme usw.
  • Therapie mit Polysulfonsäure (Resonium oder CPS–Pulver) 1 – 4x/d

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Stand, Kontakt, Haftung

Stand: 01.07.2015

Kontakt

Dr. med. Wolfgang Jakob

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