Aktuelle Besucherregelung

Wir möchten das Sicherheitslevel für Patienten, Mitarbeiter und auch Besucher hoch halten. Aufgrund unseres Hausrechts bleiben wir, abweichend von der neuen Thüringer Verordnung, bei unserer bestehenden Besucherregelung, die seit 25. Mai 2020 gilt. Zutritt nur mit Besucher-Dokument (auch vor Ort erhältlich) -  Weiterführende Infos.

Klinik für Anästhesie, Notfallmedizin und Schmerztherapie

SOP Heparin-induzierte Thrombozytopenie II

Die Heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT) ist eine Erkrankung, bei der durch das Verabreichen von Heparin, einem Mittel zum Hemmen der Blutgerinnungsfunktion, die Anzahl der Thrombozyten (Blutplättchen) abfällt. Wie wir mit dieser unsere Patienten herausfordernde Situation umgehen, regelt diese SOP.

 

1 Diagnose

  • anhand klinischer Ereignisse
  • Nachweis zirkulierender Antikörper (HIT-AK)
  • Ausschluss anderer Faktoren für Thrombozytopenie (z.B. Sepsis, DIC)
  • Manifestation typischerweise zwischen 5. – 14. Tag nach Beginn der Heparintherapie oder
  • auch sofort, wenn Heparintherapie innerhalb der letzten 4 Wochen (selten bis zu 3 Monate)
  • hilfreich ist das Erheben der Vortestwahrscheinlichkeit:
  2 Punkte 1 Punkt 0 Punkte
Thrombo-
zytopenie
Abfall der Thrombozyten
> 50%
Abfall der
Thrombozyten
> 30 und < 50%
Abfall der
Thrombozyten
 < 30%
Zeit des
Thrombo-
zytenabfalls

Tag 5 – 10 nach Hepa-

rinisierung o. Tag 1
bei Heparin in letzten
30 Tagen

> 10 Tage nach
Heparinisierung
< 4 Tage nach
Heparinisierung
Thrombose neue bestätigte
Thrombose, Hautnekrosen,
akute systemische Reaktion
Vd. auf Thrombose,
nicht nekrotisie-
rende Hautläsionen
u. rekurrierende
Thrombosen
keine
andere Ursache
der Thrombo-
zytopenie
nicht vorhanden möglich sicher

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2 HIT-Diagnostik Übersicht

HIT-Diagnostik Übersicht
HIT-Diagnostik Übersicht

 

3 Therapie

Das Einleiten einer spezifischen Therapie hängt vom Thrombozytenabfall und der Klinik ab!

  • Heparinzufuhr stoppen (UFH, NMH)
  • Warnhinweis an Patientenbett und -kurve: KEIN HEPARIN GEBEN! HIT!
  • Wechsel auf  Argatroban (i.v.)
    • Zugelassen zur parenteralen Prophylaxe und Therapie thromboembolischer Ereignisse bei Patienten mit nachgewiesener HIT II
    • Halbwertszeit (HWZ) 2 h
    • gelistet: Argatra Multidose 250 mg/2,5 ml (100 mg/ml); daraus muss die applikationsfertige Lösung (1 mg/ml) hergestellt werden
  • Herstellung
    • 0,5 ml in 50 ml Infusionslösung (Natriumchlorid 0,9 % oder Glucose 5 % oder Natriumlactat) in Perfusor
    • wird zunächst milchig trüb, muss nach etwas Schwenken wieder klar werden
    • angebrochene Flasche Argatra Multidose 28 Tage verwendbar
    • die Firma hat die 28 Tage-Stabilität sowohl für Raumtemperatur als auch für Kühllagerung getestet (Fachinfo: „Die chemische und physikalische Stabilität wurde nach Anbruch und mehrfachen Nadeleinführungen mit Produktentnahmen über 28 Tage bei 25 °C und bei 2 bis 8 °C nachgewiesen.“)
    • Aus hygienischer Sicht wird eine Lagerung bei 2 bis 8 °C bevorzugt.
    • Achtung Dosierhinweis:
    • Leberinsuffizienz: Dosisreduktion, da HWZ verlängert ist!
    • Niereninsuffizienz: keine Dosisreduktion erforderlich.

3.1 Prophylaktische Antikoagulation: Argatroban

  • Dosierung = 0,5 μg/kg KG/min über eine kontinuierliche intravenöse Dauerinfusion (hausinterne Regelung aus 01/2008; Fachinformation = 2 μg/kg KG/min)
  • Dosisanpassung anhand der aPTT: 2 h nach Infusionsbeginn Kontrolle der aPTT
  • Zielbereich = 1,5 – 3faches der normalen aPTT, aber nicht mehr als 100 s
  • bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen ab Child-Pugh B = Dosisreduktion auf Anfangsdosis 0,25 μg/kg KG/min
  • bei schwerer Leberinsuffizienz ist Argatroban kontraindiziert. Fondaparinux wäre bei Leberinsuffizienz möglich, ist jedoch nicht bei HIT II zugelassen. Leidet der Patient sowohl an einer Leber- und Niereninsuffizienz als auch an einer HIT und ist keine alternative antithrombotische Behandlung verfügbar, dann wird mit Danaparoid behandelt. Dosierungsangaben fehlen allerdings.
  • Im Falle einer eventuellen Operation kann der Perfusor gestoppt werden. Nach ca. 2 h sollte die Gerinnungsfunktion wiederhergestellt sein  (Achtung: verlängerte HWZ bei Leberinsuffizienz).

3.2 Therapeutische Antikoagulation: Argatroban

  • Dosierung = 0,5 μg/kg KG/min über eine kontinuierliche intravenöse Dauerinfusion (hausinterne Regelung aus 01/2008; Fachinformation = 2 μg/kg KG/min)
  • Dosisanpassung anhand der aPTT: 2 h nach Infusionsbeginn Kontrolle der aPTT
  • Zielbereich = 1,5 – 3faches der normalen aPTT, aber nicht mehr als 100 s
  • bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen ab Child-Pugh B = Dosisreduktion auf Anfangsdosis 0,25 μg/kg KG/min
  • bei schwerer Leberinsuffizienz ist Argatroban kontraindiziert
  • Im Falle einer eventuellen Operation kann der Perfusor gestoppt werden. Nach ca. 2 h sollte die Gerinnungsfunktion wiederhergestellt sein (Achtung: verlängerte HWZ bei Leberinsuffizienz).

3.3 Fließgeschwindigkeit für Argatroban-Perfusorspritzen

Körpergewicht [kg] Infusionsgeschwindigkeit [ml/h] für
gebrauchsfertige Perfusorspritze, C = 1 mg/ml
50 1,5
60 1,8
70 2,1
80 2,4
90 2,7
100 3,0
110 3,3
120 3,6
130 3,9
140 4,2

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4 Literatur

  • Dtsch Ärztebl 2003; 100: A2220-2229 [Heft 34-35]
  • Warkentin TE et al. Arch Intern Med 2003; 163 (20): 2518-24
  • ACCP-Guidelines 2004
  • Warkentin TE et al. Blood 2005; 106: 3791-6
  • Intensivmedizin up2date 2005; 1: 329-344
  • S. Kleinschmidt S et al. Anaesthesist 2006 55:443–450. Argatroban - Pharmakologische Eigenschaften und anästhesiologische Aspekte
  • FG-Beschluss Intensivmedizin und Kardiologie, 03.03.2016

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Stand, Kontakt, Haftung

Stand: 11.10.2018

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Oliver Maiwald

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