Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie

SOP Schwangerschaft und geburtshilfliche Anästhesie

Eine Schwangerschaft und die Geburt (mindestens) eines Kindes stellen für viele Frauen eine besondere Phase in ihrem Leben dar. Gleichzeitig werden alle Beteiligten vor große Herausforderungen gestellt. So auch der Anästhesist, geht es doch immer gleich um mindestens zwei zu betreuende Leben. Wie wir uns in dieser sehr bedeutsamen Phase gut um unsere Schwangeren und frisch gebackenen Mütter anästhesiologisch kümmern, ist Gegenstand dieser SOP.

1 Anästhesie und Schmerztherapie in der Schwangerschaft

1.1 Anästhesie in der Schwangerschaft

  • Standardmonitoring, CTG-Kontrolle und Tokolyse nach Rücksprache mit der Gynäkologin
  • im 1. Trimenon wenn möglich Regionalanästhesie bevorzugen (Priorität hat jedoch Stressfreiheit der Patientin)
  • bei Allgemeinanästhesie generell TIVA (PONV-Prophylaxe) mit Normoventilation
  • Dexamethason als Einmalgabe zur PONV-Prophylaxe und Dimenhydrinat zur PONV-Therapie sind unbedenklich
  • KEIN Ondansetron im 1. Trimenon
  • Aufrechterhalten eines  MAD von 60 mmHg (Plazenta hat keine Autoregulation!)
  • Eine 30° Linksseitenlagerung ist nicht mehr nötig, da ein Kava-Kompressionssyndrom sehr viel seltener ist als ursprünglich angenommen. In aller Regel bilden die Schwangeren Umgehungskreisläufe über die Bauchwand aus. In der neuen LL zur geburtshilflichen Anästhesie wird die Seitenlagerung nicht mehr empfohlen.
  • RR-Abfälle sind meist anästhesiebedingt und werden durch Volumen und/oder Vasopressorgabe behandelt

1.2. Schmerztherapie in der Schwangerschaft

  • 1. und 2. Trimenon 
    • bevorzugter Einsatz von Ibuprofen
    • MSI, Morphin p.o. und Oxycodon p.o. zur zeitlich begrenzten Schmerztherapie möglich
    • Metamizol ist möglich, Alternativen sollten aber bevorzugt werden
  • 3. Trimenon (ab 28. Schwangerschaftswoche)
    • Ibuprofen und Metamizol sind kontraindiziert wegen drohendem vorzeitigen Verschluss des Ductus arteriosus Botalli und Hemmung der neonatalen Nierenfunktion
    • Opioide sind zur zeitlich begrenzten p.o. Schmerztherapie möglich

Der Einsatz von Paracetamol während der gesamten Schwangerschaft ist unbedenklich.

1.3. Regionalanästhesie in der Schwangerschaft

Ropivacain und Bupivacain sind unbedenklich.

Zum Inhaltsverzeichnis

 

2 Aufklärung zur Peridural-/Spinalanästhesie

Die Aufklärung zur geburtshilflichen PDA erfolgt im Rahmen des Geburtsplanungsgespräches. Auch bei nicht aufgeklärten Patientinnen ist eine PDK-Anlage nach Nutzen-Risiko-Analyse möglich. Eine kurze, auf das Nötigste beschränkte Aufklärung unter Zeugen ist zu dokumentierten. Die zusätzliche Fixation einer Indikationstellung der PDA durch den Geburtshelfer (wenn vorhanden) ist hilfreich.
Bei geplanter und dringender Sectio caesarea ist die Spinalanästhesie das Anästhesieverfahren der Wahl. Lehnt die Patientin die Regionalanästhesie ab wird dies im Aufklärungsbogen dokumentiert.

Zum Inhaltsverzeichnis

 

3 Allgemeine Absprachen im Umgang mit Schwangeren während der COVID-19-Pandemie

Bei allen Patientinnen, die sich zur Geburt bzw. zur stationären Aufnahme auf dem Kreißsaal vorstellen wird sofort ein Antigen-Schnelltest und ein PCR-Test durchgeführt. Wenn die Geburt sicher begonnen hat ist nach ärztlicher Prüfung die Aufnahme einer Begleitperson gestattet. Die Begleitperson muss das Formular Begleitperson und den COVID-19- Fragebogen ausfüllen. Diese Begleitperson darf den Kreißsaal nicht verlassen und auch nicht wechseln. Während der Geburt muss die Kreißende einen medizinischen Mundschutz tragen.

3.1. UMGANG MIT SCHWANGEREN MIT VERDACHT AUF ODER MIT NACHGEWIESENER COVID-19-INFEKTION ODER MIT SCHWANGEREN, DIE SICH ZUM AUFNAHMEZEITPUNKT IN HÄUSLICHER QUARANTÄNE BEFINDEN

Alle medizinischen Maßnahmen im Rahmen der geburtshilflichen Versorgung finden im Kreißsaal im Saal 1 statt. Eine Begleitperson ist nicht zulässig. Während der Geburt und dem gesamten Aufenthalt muss die Patientin eine FFP2-Maske tragen. Das medizinische Personal ist auf ein Mindestmaß zu beschränken. Auch hier ist das Tragen der lt. Helios Standard vorgeschriebenen persönlichen Schutzkleidung obligat. Wenn eine Allgemeinanästhesie durchgeführt werden muss so gelten auch hier die Abschnitte Vorbereitung/Material sowie Extubation/Intubation unserer SOP C19-ZOP.

Zum Inhaltsverzeichnis

4 Nüchternheit und medikamentöse Aspirationsprophylaxe bei Sectio caesarea

Die Nüchternheitsgrenzen bei einer geplanten Sectio entsprechen denen einer normalen geplanten ITN. Die Patientinnen dürfen bis zum Abruf in den Kreißsaal klare Flüssigkeit zu sich nehmen.
Die Applikation von Natriumzitrat bei Notsectio ist bei uns unüblich.

Zum Inhaltsverzeichnis

5 Geburtshilfliche Regionalanästhesie

5.1 Geburtshilfliche Regionalanästhesie und Gerinnung

  • Bei einer gesunden Schwangeren mit unauffälliger Gerinnungsanamnese keine Laborkontrolle der Gerinnung nötig
  • Bei antikoagulierten Patientinnen gelten die Punktionsintervalle der S1 Leitlinie rückenmarksnahe Regionalanästhesie und Thromboseprophylaxe.
  • Bei der Kombination von NMH und ASS 100 müssen 36 – 40 Stunden zwischen Gabe und Punktion eingehalten werden.
  • In besonderen Fällen, wie z.B. Frühgeburt, kann unter strenger Risiko-Nutzen-Analyse ein Zeitintervall von 24 – 30 Stunden angesetzt werden, die Rücksprache mit FA/OA ist obligat.
  • Bei therapeutischer Enoxaparingabe sind 48 Stunden bis zur Punktion einzuhalten. Der Anti-Xa-Spiegel muss kurz vor der Punktion kontrolliert werden. 
  • Bei Präeklampsie und HELLP-Syndrom immer die Möglichkeit des Thrombozytensturzes bedenken (auch postoperativ möglich). 
  • Thrombozytenzahlen > 70000 gelten als unbedenklich, letztlich muss aber auch die Dynamik beachtet werden.

5.1.1 Indikationen

  • Wunsch der Schwangeren
  • protrahierte Geburt
  • Vorerkrankungen der Schwangeren:
    • pulmonale Erkrankungen
    • kardiovaskuläre Erkrankungen, bei denen eine adrenerge Stimulation bzw. ein Valsalva-Manöver vermieden werden muss
    • endokrinologische Erkrankungen, z. B. Diabetes mellitus: Senken des mütterlichen Energieverbrauchs, günstiger Einfluss auf uteroplazentare Durchblutung,
    • Epilepsie (Vermeiden einer krampffördernden Hyperventilation und respiratorischen Alkalose)
    • Aneurysmen der Hirngefäße (Vermeiden von Blutdruckanstieg und Valsalva-Manöver)
  • Präeklampsie, Eklampsie, HELLP-Syndrom (Schmerzbekämpfung, Sympathikusblockade, günstiger Einfluss auf uteroplazentare Perfusion)
    CAVE: intravasale Hypovolämie! Thrombozytenzahl
  • Risikogeburten (Frühgeburt, Wachstumsretardierung, Beckenendlage, Mehrlingsschwangerschaft)
  • Lageanomalien

5.1.2 Durchführung der geburtshilflichen PDA

  • Voraussetzung ist eine stabile CTG- Kontrolle des Kindes während der Anlage der PDA, die durch die Hebamme gewährleistet wird
  • Ist die CTG-Ableitung in sitzender Position nicht sicher möglich erfolgt die Anlage in Seitenlage (bevorzugt links)!
  • Tokolyse ist möglich, günstiger ist die Anlage während einer Wehenpause
  • Co-Loading mit Jonosteril® 1000 ml
  • Standardmonitoring, RR-Messung 5-minütlich
  • Ärztin und Pflegekraft tragen generell Haube und Mundschutz
  • Durchführung:
    • Punktionsort: L3/4
    • die Punktion erfolgt gemäß SOP mit NaCl 0,9% und LOR Spritze
    • nach Erreichen des Epiduralraumes wird der Katheter 3 – 4 cm eingeführt
    • es werden (ohne Testdosis) 10ml Ropivacain 0,2% und 10µg Sufentanil über den Katheter appliziert
    • danach wird der Katheter fixiert

Eine Testdosis gibt keine Sicherheit zum Ausschluss einer intrathekalen Katheterlage. Wichtiger ist die Kontrolle der klinischen Wirkung. Nach der Applikation der PDA-Dosis muss die Patientin für 30 Minuten durch die Anästhesistin oder die Anästhesiepflege überwacht werden. Nach Stabilisierung der PDA kann die RR-Messung in einen Bedarfsmodus übergehen. Wichtig sind Beobachtung der klinischen Wirkung und die sorgfältige Übergabe an die Hebamme.

  • Beutel für PCEA-Pumpe:
    • Fertigbeutel aus der Apotheke mit 36ml Ropivacain 0,167% + 20µg Sufentanil (= 0,15%)
    • Einstellung der PCEA-Pumpe : Bolus 4 ml, Sperrintervall 15 min
    • KEINE kontinuierliche Laufrate
  • bei Hypotonie Ephedrin
  • Übergabe durch die Anästhesistin an die Hebamme
  • Alarmierung vereinbaren bei:
    • Schmerzstärke NRS > 4
    • zunehmender Müdigkeit 
    • auffallend tiefen und langsamen Atemzügen
    • Herzfrequenz < 50/min
    • systolischer Blutdruck < 100 mmHg systolisch
    • Übelkeit
    • Verwirrtheit
    • Metallgeschmack
    • sonstigen atypischen Symptomen

5.2. ANÄSTHESIEVERFAHREN ZUR SECTIO CAESAREA

Nach aktuellen Ergebnissen ist bei Einsatz moderner Intubationsverfahren (Videolaryngoskopie) die Häufigkeit des schwierigen Atemweges bei Schwangeren der in der Normalbevölkerung vergleichbar. Die mütterliche Mortalität bei Allgemeinanästhesie und rückenmarksnaher Regionalanästhesie ist gleich. Ein Erzwingen einer rückenmarksnahen Regionalanästhesie bzw. Verzögern der Sectio durch prolongierte Punktionsversuche ist nicht gerechtfertigt. Jedoch resultiert bei Frühgeburtlichkeit, Retardierung oder einer geburtsbedingten Deprimierung für das Neugeborene ein Vorteil aus einer SPA/PDA. Ein hier mögliches verzögertes Abnabeln verschafft dem Kind einen Volumenvorteil (retroplazentare Transfusion). Zusammenfassend bleibt die SPA zur Sectio caesarea durch das Ermöglichen eines Geburtserlebnisses für die werdenden Eltern, die bessere postoperative Analgesie und den Vorteilen für das Kind das Verfahren der 1. Wahl.

5.2.1 Sectio caesarea in PDA (aufgespritzte geburtshilfliche PDA)

  • angestrebtes Analgesieniveau: Th 4
  • Bolus von 12 ml Ropivacain 0,75 % + 10µg Sufentanil (unabhängig von der bereits verabreichten Dosis)
  • Umlagern in den OP-Saal, die Anästhesistin bleibt bei der Patientin
  • Nach 10 min Kontrolle der Blockadehöhe, ggf. Nachinjektion von bis zu 3ml Ropivacain 0,75 %
  • Gesamtdosis meist 12 – 15 ml (im Ausnahmefall bis 20 ml z.B. extrem großer Patientin)
  • Hautschnitt 15 – 20 min nach Erstinjektion von Ropivacain 0,75 % möglich
  • ggf. kann der PDK bei inkompletter oder keiner Wirkung der PDA entfernt und eine SPA angelegt werden, dabei bitte neue Einstichstelle nutzen

5.2.2 Spinalanästhesie zur Sectio caesarea

5.2.3 Indikation

  • 1. Wahl bei geplanter und dringender Sectio!
  • bei Placenta praevia Möglichkeit der Regionalanästhesie mit Operateur besprechen (bei ventraler Insertion der Plazenta muss ggf. die Sectio transplazentar erfolgen, was zu hohen Blutverlusten führen kann!)

5.2.4 Vorbereitung durch die Hebammen

  • venöser Zugang ≥ 18 G  linker Arm
  • Co-Loading mit 1000 ml Jonosteril® 1/1
  • Antibiotikaprophylaxe mit 1,5 g Cefuroxim i.v.

5.2.5 Durchführung

  • Standardmonitoring
  • Vasopressor (Noradrenalin und Adrenalin) vorbereitet
  • Kanüle: 27 G Pencilpoint mit Führungskanüle
  • Dosierung: 2,0 ml Bupivacain 0,5 % hyperbar + 5 µg Sufentanil (gesamt 3ml)
  • Patientin sitzt auf dem OP-Tisch
  • kurz vor bzw. während der Punktion erhält die Patientin 4mg Ondansetron (Hemmung Bezold-Jarisch-Reflex, Hypotonieprophylaxe)
  • sofort nach Injektion Patientin auf den Rücken legen
  • eine 30° Linksseitenlagerung ist nicht mehr nötig, da ein Kava-Kompressionssyndrom sehr viel seltener ist als ursprünglich angenommen und in der neuen LL zur geburtshilflichen Anästhesie nicht (mehr) empfohlen wird
  • RR und HF zunächst in 2 min-Abständen kontrollieren, Hand am Puls
  • nach Abnabeln des Kindes PONV-Prophylaxe mit 8 mg Dexamethason (bessere Analgesie)
  • bei RR-Abfall sofort Ephedrin je nach Dynamik 2 – 3 ml = 6 – 9 mg Ziel: RR auf Ausgangsniveau halten
  • nach unkomplizierter Spinal- oder Periduralanästhesie verbleiben die Frauen im Kreißsaal, Fortführung des Monitoring und eine Übergabe an die Hebamme sind obligat

Beachte: Bei extremer Frühgeburtlichkeit und Wehen wird mitunter vom Geburtshelfer die Applikation von 2 Hüben Nitro erbeten, um den Uterus besser zu relaxieren. Bislang wurden von uns keine RR-Abfälle beobachtet.

Zum Inhaltsverzeichnis

6.1 Indikation

  • Notsectio
  • Kontraindikationen für die Regionalanästhesie
  • Ablehnung der Regionalanästhesie durch die Schwangere 
  • Regionalanästhesie unzureichend

6.2 Vorbereitung

  • Monitoring: Standard, bei Notsectio zur Einleitung ggf. nur Pulsoxymetrie
  • venöser Zugang ≥ 18 G links
  • Antitrendelenburgposition (Vorteil bei Adipositas), 30° Linksseitenlagerung
  • OP-Team steht am Tisch, OP-Gebiet ist desinfiziert und abgedeckt

6.3 Durchführung

  • RSI
  • Präoxygenieren bei hohem Frischgasfluss (10 l/min), Notsectio 4 – 6 maximal tiefe Atemzüge
  • S-Ketamin 0,25 – 0,5 mg/kg, bei RR syst. < 160 mmHg
  • bei Präeklampsie/Eklampsie kein Ketamin, sondern 20 µg Sufentanil, alternativ Remifentanil - Pädiater über Opiatgabe informieren!
  • Thiopental 5 mg/kgKG (prinzipiell ist auch Propofol möglich s.u., bei V.a. auf ungenügende Narkosetiefe bzw. prolongierter Kindesentwicklung Supplementierung durch Propofol 0,5 – 1 mg/kgKG)
  • Succinylcholin 1 – 1,5 mg/kg
  • ggf. Nachrelaxation mit Atracurium in reduzierter Dosis (kurze OP-Zeit)
  • Achtung: Dosisreduktion bei gleichzeitiger Magnesiumtherapie!
  • bei nicht möglicher Intubation Maskenbeatmung oder Larynxmaske bis zur Kindesentwicklung (Oxygenierung geht vor Intubation!), danach zumeist Intubation möglich
  • Normoventilation! (Plazentadurchblutung!)
  • bis zur Uterotomie:
    • FiO2 1,0
    • zur Vermeidung von Awareness empfiehlt die neue LL unmittelbar nach Narkoseinduktion den Einsatz des volatilen Anästhetikums bis zu einem MAC Wert von 1,0
  • Nach Abnabeln des Kindes werden 3 IE Oxytocin auf 50ml NaCl 0,9% verdünnt und rasch infundiert.
  • FiO2 0,6
  • postoperative Überwachung im Aufwachraum oder Kreißsaal

Narkoseführung Neu!
Basierend auf tierexperimentellen Untersuchungen und klinischen Beobachtungen wurde bislang eine progesteroninduzierte MAC- Reduktion propagiert, jedoch liegen keine Dosisfindungsstudien hinsichtlich des MAC-Werts und Atonie- sowie Blutungsrisikos vor, die die bislang geübte restriktive Anästhesieführung rechtfertigen. In vergleichenden EEG-Messungen an schwangeren und nicht schwangeren Frauen wurden keine Unterschiede in der hypnotischen Wirkung von Sevofluran festgestellt. MAC-Werte bis 1,0 sind demnach möglich. Bei einer atonen Blutung sollte dennoch auf eine TIVA umgestiegen werden. Generell kann auch Propofol 2 – 2,5 mg/kgKG zur Narkoseinduktion eingesetzt werden. Die APGAR-Werte sind nach 10 Minuten für Propofol und Thiopental gleich. Lediglich bei extremer Frühgeburtlichkeit (</= 27. SSW) bietet Thiopental durch seinen ausgeprägten First-Pass-Effekt in der Leber Vorteile für das Neugeborene.

Zum Inhaltsverzeichnis

7.1 nach SPA/PDA

  • Ibuprofen 4x tgl. 600 mg oral
  • bei Schmerzspitzen 10 mg Morphin oral 
  • bei Schmerzspitzen 1g Paracetamol i.v. 

7.2 nach ITN

  • Ibuprofen 4x tgl. 600 mg oral
  • bei Schmerzspitzen 10 mg Morphin oral 
  • bei Schmerzspitzen 1g Paracetamol i.v. 
  • im Kreißsaal/ Aufwachraum Morphin 3 – 5 mg i.v. bis VAS 3 

7.3 bei liegendem PDK

  • die Patientinnen werden mit PDK auf Station verlegt
  • bei Schmerzspitzen werden 10 ml Ropivacain 0,2 % via PDK verabreicht
  • Entfernen des PDK nach Rücksprache mit Patientin am 1. p.o. Tag
  • Bei starken Schmerzen kann der PDK am 1. p.o. Tag vor der Entfernung mit 10 ml Ropivacain 0,2 % aufgespritzt werden
  • Achtung! Patientin über Sturzgefahr aufklären

Nicht stillende Frauen erhalten Oxycodon lt. Körpergewicht 2x tgl. und 4x 600 mg Ibuprofen.

Zum Inhaltsverzeichnis

8 Anästhesie zur manuellen Nachtastung nach Spontangeburt

  • ITN, Rapid Sequence Induction
  • Medikamente: Propofol, Succinylcholin, S-Ketamin
  • Fortführung als TIVA (Repetitionsdosen/Perfusor), bei Volatila Gefahr der Atonie

Zum Inhaltsverzeichnis

9 Anästhesie in der Stillzeit

  • Propofol, Sufentanil, Remifentanil, Atracurium, Mivacurium und volatile Anästhetika können eingesetzt werden
  • Dexamethason und Einzelgabe von Ondansetron möglich
  • Schmerztherapie mit MSI, Morphin p.o. und Ibuprofen, Einzeldosen von Metamizol möglich
  • Lokalanästhetika unbedenklich (keine orale Resorption)

Bei Wunsch der Mutter kann dann, wenn sie wach genug und körperlich in der Lage ist, beim gesunden, reifen Säugling das Stillen wieder aufgenommen werden. Im Aufklärungsgespräch sollte jedoch ein kurzer Hinweis notiert werden, dass es sich trotz Off-Label-Use nach aktuellem Kenntnisstand um verträgliche Medikamente handelt.

Sehr gute Hinweise zum Einsatz anderer Medikamente findet man auf www.embryotox.de.

Zum Inhaltsverzeichnis

10 Postpunktioneller Kopfschmerz

Definition:

  1. Kopfschmerz, der sich innerhalb von 15 Min. nach Aufsetzen oder –stehen verstärkt und innerhalb 15 Min. nach Hinlegen bessert, die Kriterien 2. und 3. erfüllt und von wenigstens einem der folgenden Symptome begleitet wird.
    Symptome: Nackensteifigkeit, Tinnitus, Hypakusis, Photophobie, Übelkeit
  2. Zustand nach Durapunktion
  3. Zeitabstand zur Punktion max. 7 Tage

Therapie der 1. Wahl ist der epidurale Blutpatch! Die Erfolgsrate liegt bei 85%. Bei erneutem Auftreten ist eine Wiederholung möglich. Die höchste Erfolgsrate wird lt. Literatur mit 20 ml Eigenblut erreicht. Bei Kontraindikationen (z.B. Antikoagulation, schwierige anatomische Verhältnisse), Ablehnung durch die Patientin und geringem Leidensdruck kann ein konservativer Therapieversuch siehe Punkt 10.2. erfolgen. Spätestens nach 24 Stunden wird reevaluiert. Bei Wunsch der Patientin, persitierender Symptomatik und fehlenden Kontraindikationen (siehe geb. PDA) wird nach dokumentierter Aufklärung ein Blutpatch angelegt.

Jeder postpunktionelle Kopfschmerz (PDPH) der > 7 Tage anhält und/oder auf keine Therapie anspricht bedarf einer Bildgebung und ggf. eines neurologischen Konsils. Jede Patientin mit PDPH wird bis zum Abklingen der Symptomatik mindestens 2x im Dienst visitiert. In Folge der Duraperforation sind durch Zug an den Meningen intrazerebrale Blutungen und auch Sinusvenenthrombosen möglich. Ein zeitnahes Erkennen dieser Komplikationen ist essentiell.

10.1 DURCHFÜHRUNG DES EPIDURALEN BLUTPATCH

  • Aufklärung der Patientin über Komplikationen analog PDA
  • epidurale Punktion an der ursprünglichen Punktionsstelle lt. Standard PDK-Anlage
  • nach loss of resistance Entnahme von 20 ml Eigenblut unter streng sterilen Bedingungen durch Hilfsperson o langsames Injizieren des Eigenblutes am der ursprünglichen epiduralen Punktionsstelle
  • Patientinnen geben mitunter einen Druck im Rücken an
  • zumeist bessert sich der Kopfschmerz schon während der Injektion

10.2. MEDIKAMENTÖSE THERAPIE DES POSTPUNKTIONELLEN KOPFSCHMERZ

Positive Erfahrungen gibt es mit der Applikation von Ibuprofen und ggf. Paracetamol in einem festen Applikationsintervall. Bei starken Beschwerden ist ein Versuch mit retardiertem Theophyllin (schwache Evidence) möglich. Es fördert die Liquorproduktion. Alle anderen in der Literatur aufgeführten Maßnahmen wie Flachlagerung, erhöhte Flüssigkeitszufuhr, Coffein, Opiate, Gabapentin, epidurale Injektion von Kochsalz oder Morphin zeigen keinen nachgewiesenen Effekt und sind somit obsolet.

Medikamentöse Therapie:

Ibuprofen 3 – 4x tgl. 600mg
Paracetamol 4x tgl. 1g
ggf. Theophyllin ret. 3x tgl. 250 mg

Zum Inhaltsverzeichnis

11 Abkürzungen und Begriffe

  • CTG. Cardiotokogramm
  • HELLP. Hypertension, elevated Liver enzymes, low platelets
  • MAD. Mittlerer arterieller Druck
  • NRS. Numerische Rating-Skala
  • PCEA. Patient Controlled Epidural Analgesia
  • PDA. Periduralanästhesie
  • PDK. Periduralkatheter
  • PONV. Post operative nausea and vomitting
  • RR. Riva Rocci (Blutdruck)
  • RSI. Rapid Sequence Induction
  • SPA. Spinalanästhesie
  • SSW. Schwangerschaftswoche
  • TIVA. Totale intravenöse Anästhesie
  • VAS. Visuelle Analogskala

Zum Inhaltsverzeichnis

 

Stand, Kontakt, Haftung

Stand: 05.05.2021

Kontakt

Dr. med. Friederike Reichstein

Oberärztin
Dr. med. Friederike Reichstein

E-Mail

Telefon

(0361) 781-2051