Klinik für Anästhesie, Notfallmedizin und Schmerztherapie

SOP MRT-Anästhesie

1 Einführung

In den MR-Räumen dürfen nur Mitarbeiter unserer Klinik arbeiten, die an einer MRSicherheitsbelehrung im Rahmen der Geräteeinweisung teilgenommen haben. In jedem Falle ist eine kurze, einseitige Basissicherheitsbelehrung zur Kenntnis zu nehmen und zu unterschreiben. Der Text ist im Folgenden wiedergegeben:

„In der Kernspintomographie werden Schnittbilder des menschlichen Körpers mit Hilfe eines sehr starken Magnetfeldes und von Hochfrequenzimpulsen erzeugt. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch stellt eine Kernspintomographieanlage weder für den Patienten noch für das Personal eine Gefahr dar.“ Damit dies so bleibt, müssen bestimmte Sicherheitsregeln eingehalten werden, die im Folgenden erläutert werden.

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2 Gefahren durch das Magnetfeld

Das Magnetfeld der Kernspintomographen übt auf ferromagnetische Gegenstände wie Eisen oder Nickel eine 20.000fach größere Kraft als das Erdmagnetfeld aus. Dieses Magnetfeld besteht auch nach Abschalten der Anlage fort, die Wirkung ist also ständig vorhanden. Die Kraft des Magnetfeldes wächst dabei mit der Masse des Gegenstandes, der sich im Magnetfeld befindet; größere bzw. schwerere Teile werden demzufolge stärker angezogen als kleinere. Wird ein bestimmter Mindestabstand vom Magnetfeld unterschritten, so entfaltet es seine ganze Anziehungskraft auf den betroffenen Gegenstand, der damit den Charakter eines Projektiles erhält. Damit verbindet sich eine erheblich Verletzungsgefahr sowohl für den Patienten als auch für das Personal.

Aus diesem Grunde ist das Einbringen von Objekten, die aus ferromagnetischen Stoffen jeglicher Art bestehen (Schlüsselbund, Telefone, Uhren, Blutdruckmessgeräte, Beatmungsgeräte, Sauerstofflaschen etc.) in den Untersuchungsraum strengstens verboten.

Alle Gegenstände, die nicht eindeutig als nicht ferromagnetisch eingestuft werden können, müssen zunächst durch das Personal der Kernspintomographie-Abteilung freigegeben werden. Metallische Gegenstände aus speziellen, nichtferromagnetischen Legierungen, die zum Bestand der Abteilung gehören, wie Infusionsständer, Feuerlöscher etc., sind entsprechend gekennzeichnet und somit für den Betrieb im Untersuchungsraum freigegeben.

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3 Gefahren durch das Hochfrequenzfeld

Hochfrequenzwellen erwärmen Gewebe jeglicher Art (vgl. Mikrowellenherd). Aus diesem Grund werden im Kernspintomographen die Impulse derart kurz gehalten, dass es zu keiner nennenswerten Erwärmung innerhalb des menschlichen Körpers kommen kann.

Im Kernspintomographen wirkt jedes Kabel und jeder andere elektrische Leiter wie eine Mikrowelle. Wie viel Hochfrequenz an der Antenne empfangen wird, hängt von Lage, Länge und Form der Antenne ab. Im Extremfall kann der elektrische Leiter sich erhitzen und zu Verbrennungen beim Patienten führen.
Aus diesem Grunde muss die Lage aller EKG-Kabel oder anderer Meßkabel vor Beginn der Untersuchung durch das Personal der MR-Abteilung kontrolliert werden. Ringstrukturen sind strikt zu vermeiden.

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4 Anästhesieeinheiten

Die Geräte sind auf einem aus Aluminiumvierkantrohren konstruierten Wagen befestigt, der auf arretierbaren Rollen steht. Die Zuleitung der medizinischen Gase erfolgt über hochfrequenzfeste Gasanschlußdosen, die in der Hochfrequenzkabine integriert sind und von der zentralen Gasversorgung gespeist werden. Folgende Geräte sind montiert:

  • Philips Expression MR400
  • Fabius Tiro MR

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5 Praktisches Vorgehen

  • Bei Kleinkindern mit schwierigen Venenverhältnissen sollte der Zugang nach Möglichkeit schon auf der Station vor Transport zum MRT gelegt werden. 
  • Narkoseeinleitung auf dem MRT-Tisch
  • Vor dem Transport in den MR-Raum muss der Patient ferromagnetische Gegenstände ablegen.
  • Anschluss des Patienten an die Anästhesie-/ Überwachungseinheit im MRT-Raum. Das Narkosegerät wird dazu links neben der Untersuchungsröhrenöffnung aufgestellt. 
  • Aufrechterhalten der Narkose in der Regel als Inhalationsanästhesie (ITN – verlängerte Beatmungsschläuche!) oder i.v.-Narkose in Spontanatmung. Spritzenpumpen dürfen nicht mit in den MR-Raum genommen werden (v.a. bei neueren Modellen sind Funktionsstörungen möglich). Für i.v.- Narkosen müssen längere Verbindungsleitungen hergestellt werden; meist genügen zwei bis drei konnektierte Perfusorleitungen.
  • Alle elektrischen Kabel, müssen in gerader Linie parallel zum Patienten zum Fußende geführt werden. Es dürfen keine Schlingen gebildet werden; sie wirken wie Induktionsspulen!
  • Die Ausleitung erfolgt auf dem MRT-Tisch im Untersuchungsraum. 
  • Für die Behandlung von Zwischenfällen kann es ggf. erforderlich sein, den Patienten schnell aus dem Untersuchungsraum zu verbringen. Im Notfall ist es unter Umständen sicherer, den Patienten umzulagern, als mit dem Reanimationszubehör in die Nähe des Magneten zu kommen.

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6 Allgemeine Hinweise

  • Nach Betreten des MRT im Vorbereitungsraum alle ferromagnetische oder durch den Magneten zerstörbare Gegenstände ablegen (Schlüssel, Geld, EC-Karte, Uhr, Stethoskop, Schere etc.)
  • Nicht magnetisierbare Stethoskope und Laryngoskope stehen im Vorraum zur Verfügung.
  • Anschluss und Überprüfen des Narkosegerätes im MRT-Untersuchungsraum: Vorbereiten langer Schläuche (ca. 3 m Länge) aus Endlosmaterial (Vorratsschrank) oder mehreren Schlauchsystemen. Die Konnektoren hierfür befinden sich im Narkosegerät und im Vorratsschrank.
  • Lagern des Patienten auf dem nicht magnetisierbaren MRT-Tisch
  • Vor Einschleusen des Patienten in den MRT-Bereich und der Narkoseeinleitung muss geklärt werden, inwieweit der Patient über ferromagnetische Implantate verfügt. Schrittmacherpatienten dürfen wegen möglicher Zerstörung oder Dysfunktion des Schrittmachers den MRT-Bereich erst nach Freigabe durch die Kardiologie betreten. Die Anmeldung erfolgt über Tel: 72483 in der Schrittmacherambulanz. Routinetermine erfolgen üblicherweise Dienstag und Donnerstag. Bei Notfällen und dringlichen Indikationen ist außerhalb der Routinezeiten der Kard-Dienst zu informieren.
  • Der Tubus sollte im Falle einer ITN keine Metallteile enthalten. ACHTUNG: Woodbridge, Tracheoflex (metallose Alternativen auf den Intensivstationen bzw. HNO-OP), Cuffventile.
  • Nach Möglichkeit sollte eine i.v.- oder Inhalationsnarkose ohne Opiate und depolarisierende Muskelrelaxanzien in Spontanatmung bevorzugt werden.
  • Bei zu erwartenden Intubationsschwierigkeiten erfolgt die Narkoseinduktion mit den entsprechenden Hilfsmitteln im OP-Saal, da die Ausrüstung des Arbeitsplatzes im MRT für solche Situationen nicht geeignet ist.
  • Anbau einer Verlängerung am venösen Zugang (Filter in Infusionsleitungen - wie z.B. in der Kinderklinik gebräuchlich - müssen entfernt werden, da das Kontrastmittel Gadolinum dort zurückbleibt) und Entfernen von EKGKabeln und Klebeelektroden
  • Pflaster muss außerhalb des Meßraumes zugeschnitten werden, da die Benutzung von Scheren im Meßraum zu gefährlich ist. Ansonsten steht zum Fixieren Leukosilk auf Kunststoffrollen zur Verfügung.
  • Anschluss des Patienten: ein nicht magnetisierbares Stethoskop zur Auskultation befindet sich im Vorbereitungsraum. Alle leitenden Kabel sollten in Längsrichtung ohne Überkreuzung und Schleifenbildung aus dem Magnetfeld herausgeführt werden, um die Ableitung von Hochfrequenzstrahlung und Induktionsströmen zu vermeiden
  • Perfusoren neuerer Bauart sollten im Meßraum nicht benutzt werden.
  • Bei jedem Notfall kann der Patient in Abstimmung mit den Radiologen schnellstmöglich aus der Untersuchungsröhre herausgefahren und in den Vorraum gebracht werden, wo die Reanimationsutensilien zur Verfügung stehen. Zum erweiterten Monitoring und kontrollierter Beatmung kann das Narkosegerät aus dem Untersuchungsraum auch in den Vorraum verbracht und dort angeschlossen werden.

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Stand, Kontakt, Haftung

Stand: 08.10.2019

Kontakt

Oliver Maiwald

Arzt in Weiterbildung

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(0361) 781-6957