Wartungsarbeiten Telefonanlage - eingeschränkter Kontakt zu Patient:innen

Aufgrund von Wartungsarbeiten kommt es am Dienstag, den 19.10.2021, sowie Mittwoch, den 20.10.2021, zu Einschränkungen der Telefonie im Helios Klinikum Erfurt. Betroffen sind die Gebäude der Geriatrie (Haus 13), Kinder- und Jugendpsychiatrie (Haus 14), sowie Erwachsenenpsychiatrie (Haus 15). In dieser Zeit funktionieren Festnetztelefone und Faxgeräte nicht. Um Kontakt mit Ihren Angehörigen aufzunehmen, nutzen Sie bitte Ihre privaten Mobilfunkgeräte.

Klinik für Anästhesie, Notfallmedizin und Schmerztherapie

SOP MKG-Anästhesie

Die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG, auch Kranio-Maxillo-Faziale Chirurgie) ist ein (operatives) medizinisches Fachgebiet, welches die Diagnostik, Therapie, Prävention und sowohl funktionelle (Kauen, Schlucken, Sprechen) als auch ästhetische Rehabilitation von Erkrankungen, Verletzungen, Fehlbildungen und Formveränderungen der Zähne, der Mundhöhle, der Kiefer und des Gesichtes umfasst.

1 Allgemeine Aspekte

  • unmittelbare Nähe von Operations- und anästhesiologischem Arbeitsgebiet
  • Versorgung von Patienten aller Alters- und Risikogruppen
  • vermehrt Patienten (Kinder und Erwachsene) mit geistigen Behinderungen oder schwerer Demenz in betreuten Verhältnissen
  • ausschließlich Allgemeinanästhesien
  • Eingriffe in Lokalanästhesie (Anlage durch den Operateur)
  • zum Teil kurze OP-Zeiten, enge Absprache mit dem Operateur
  • vermehrtes Auftreten eines schwierigen Atemweges (erwartet und unerwartet)
  • viele Patienten mit Wiederholungseingriffen
  • Operationen mit Neuromonitoring, d.h. keine Muskelrelaxation
  • sorgfältiger Augenschutz mit Salbe und Pflaster
  • regulärer Einsatz von Gänsegurgeln und kontinuierlicher Cuffdruckmessung
  • akurate Fixation von Tubus und Schläuchen, aus Sicherheitsgründen kommen KEINE Silikonpflaster zur Anwendung

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2 Prämedikation

  • Es gelten die allgemeinen Grundsätze zur Narkosevorbereitung und Prämedikation.
  • Beurteilung des Atemweges mit der Dokumentation der Mallampati-Klassifikation, der Mundöffnung und mgl. Narbenbildung nach vorangegangenen Operationen und Bestrahlungen auf dem Anästhesieprotokoll.
  • ggf. Sichtung alter Anästhesieprotokolle
  • bei V.a. schwierigen Atemweg großzügige Aufklärung über fiberoptische Wachintubation und Info an die 3527
  • bei Tumorpatienten Beachtung der Komorbidität, Zigaretten- und Alkoholkonsum incl. drohenden Alkoholentzugsdelirs und des schlechten Ernährungszustandes
  • bei großen Operationen mit Lappenplastiken zusätzlich über art. DM, ggf. ZVK V. femoralis, HBK und postoperativen Aufenthalt auf INT aufklären

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3 Monitoring und Lagerung

  • Es gilt die SOP Allgemeinanästhesie.
  • Durch die Lagerung auf dem MKG-Tisch mit verstellbarem Kopfteil muss vor der Intubation die Jackson-Position hergestellt werden.
  • Alle venösen Zugänge müssen vor OP-Beginn geschaffen und mit Verlängerungen versehen werden, da intraoperativ der Zugang zum Patienten eingeschränkt ist.
  • Achtung: bei Entnahme eines Radialislappens werden Flexülen und art. Kanüle am rechten Arm angelegt. Zusätzliche Flexülen werden an den Füßen platziert (bessere Erreichbarkeit)
  • Relaxansdosen sind individuell und bedarfsgerecht zu wählen (Absprache Operateur)
  • Bei langen Operationen (z.B. Radialislappen) werden pneumatische Beinmanschetten angelegt.
  • Wenn nötig erfolgt das „Aufrüsseln “gemeinsam mit dem Operateur.
  • Konnektionsstellen zwischen Tubus und Anästhesiegerät werden gesichert und die Beatmungsschläuche mit Zugentlastung fixiert.
  • Der Cuffdruckmesser bleibt am Tubus.
  • Die Augen sind mit Augensalbe und ggf. Augenpflaster zu schützen.

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4 Atemwegssicherung

  • Das Sichern der Atemwege erfolgt meist durch Intubation, ggf. auch mit einer LM (Zahnextraktion) oder Maske (Fadenentfernung bei LKGS)
  • ITN - Verfahren:
    • ITN oral mittig, links, rechts ⇒ Anwendung des anatomisch geformten RAE-Tubus
    • ITN nasal ⇒ nasale Intubation mit speziell geformten Tuben (RAE-Tubus) oder Woodbridge- Tubus (OK-Teilresektion)
    • Primäre Tracheotomie ⇒ Intubation mit Magill-Tubus
    • Fiberoptische Wachintubation ⇒ siehe SOP Allgemeinanästhesie
    • Submentale Ausleitung ⇒ Intubation mit Woodbridge-Tubus
       
  • Vorgehen bei nasaler Intubation:
    • Einbringen von Nasenspray/Nasentropfen in beide Nasenlöcher zum Abschwellen
    • Vorbereitung Videolaryngoskop
    • Der Anästhesist trägt 2 Paar Handschuhe übereinander
    • Präoxygenierung
    • Medikamentöse Anästhesieeinleitung
    • Maskenbeatmung bis Einsatz der Relaxation
    • Dehnen eines Nasenlochs mit kleinem Finger, dabei im unteren Nasengang bleiben
    • 1. Paar Handschuhe ausziehen
    • Einführen des anatomisch geformten RAE-Tubus in den unteren Nasengang o Vorsichtiges Vorschieben des Tubus bis zum deutlichen Widerstandsverlust (dann ist der Tubus hinter dem weichen Gaumen hervorgetreten)
    • Laryngoskopie: unter Sicht weiteres Vorschieben des Tubus durch die Stimmritze in die Trachea, ggf. unter Einsatz der Magill-Zange Achtung: Cuff NICHT mit der Magill-Zange fassen, Gefahr der Cuffbeschädigung
    • Blocken des Cuff, Lagekontrolle und Fixation
    • vor Extubation sorgfältiges Absaugen der Atemwege
       
  • Vorgehen bei submentaler Intubation:
    • Vor der oralen Intubation ist am Woodbridgetubus der Konnektor so zu lösen, dass er problemlos abgenommen werden kann. 
    • Danach wird der Patient mit diesem Tubus normal oral intubiert. 
    • Im OP-Saal erfolgt durch die MKG-Chirurgen eine submentale Inzision. 
    • Danach wird der Konnektor vom Tubus entfernt und der Tubus durch die Chirurgen mit einer Kornzange durch die submentale Inzision nach außen gefädelt, der Konnektor wieder darauf gesteckt und mit dem Y-Stück verbunden.

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5 Spezielle Eingriffe

5.1 Häufige Operationen

  • Es gelten die Grundsätze der Allgemeinanästhesie
  • Bei hohem Opiatbedarf, langen Tumoroperationen und Einsatz des Nervenstimulators ist das Fortsetzen der Anästhesie mit Remifentanil sinnvoll.
  • Bei Eingriffen mit Nervenstimulation wird Atracurium mit 0,3mg/Kg dosiert. 
  • Vor Einsatz des Nervenstimulators ist der Grad der Relaxierung zu prüfen. 
  • Bei ultrakurzen Eingriffen (z.B. singuläre Zahnextraktion) ist eine relaxansfreie Intubation in tiefer Narkose mit Remifentanil unter Anwesenheit eines FA oder OA möglich!

 

Übersicht über das gängige anästhesiologische Vorgehen in der MKG bei Erwachsenen

OP-Verfahren zugehöriges anästhesiologisches Vorgehen
Zahn-OP - Häufig nicht kooperative und/oder multimorbide, ältere Patienten
- Standardmonitoring
- Je nach Anzahl und Lage der betroffenen Zähne orale oder nasale ITN, ggf. LM
Mittelgesichtsfrakturen Einteilung in laterale und zentrale Frakturen:betrifft die Jochbeinfraktur bis zur instabilen Le Fort III – Fraktur
Generell Videolaryngoskop! Achtung: je nach Schweregrad schwierige Intubation und bei frischer Blutung Aspirationsgefahr mgl. Kontraindikation für nasale Intubation!
Frühzeitig Rücksprache mit zuständigem Ober-/ Facharzt
- Standardmonitoring
- bei längerer OP-Dauer: HBK
Unterkieferfrakturen Achtung: atraumatische Intubation mit Videolaryngoskop 
- eingeschränkte Mundöffnung beachten
- Standardmonitoring 
- intermaxilläre Verschnürung vor Beginn der Narkose lösen (meist Gummis)
- Standardmonitoring
- bei p.o. Verschnürung auf PONV-Prophylaxe achten (ggf.TIVA)
- Bei mit Draht verschnürten Patienten geht eine Drahtschere mit in den AWR zum Öffnen im Notfall
Umstellungsosteotomien - meist bimaxilläre Umstellungsosteotomie (BIMAX)
- Standardmonitoring
- mindestens 2 großlumige Flexülen (Blutungsgefahr)
- nasale Intubation, Aufrüsseln
- HBK
- zum OP-Ende Anlage einer Ernährungssonde durch die MKG-Chirurgen
Basalzellkarzinome - ITN
- bei kleinem Befund und Pat. mit kleinem Risikoprofil auch LM möglich
Sequestrokortikotomien - ITN nasal
Abszessinzisionen - ITN oral immer mit Videolaryngoskop!
- ACHTUNG: meist schmerzbedingt eingeschränkte MÖF, aber auch auch schwierige ITN bei massiver Schwellung möglich!
- Rücksprache FA/OA

 

5.2 Tumor-Operationen mit myokutaner Lappenplastik (Radialislappen, Rektuslappen, Mikrovaskulierte Lappenplastik)

Zur plastischen Deckung von Gewebedefekten werden revaskulierte, freie Myo-Kutane Lappen transplantiert. Die Entnahme erfolgt meist am linken Arm.

Die Checkliste Lappenoperationen soll ausgedruckt und abgearbeitet werden. Die Checkliste wird Teil der Patientenakte.

Checkliste Lappenoperation:

  1. präoperativ Klärung des „Lappenarmes“, ist immer markiert
  2. EKG-Monitoring mit ST-Streckenanalyse
  3. Anlage art. Druckmessung
  4. Anlage Harnblasenkatheter
  5. Temperaturmessung + Vermeidung von Wärmeverlusten sofort ab Eintreffen im OP
  6. Berabreichen der Antibiose unmittelbar nach Anlage des i.v.-Zugangs und nach 4h
  7. Definition von Ziel-MAD + Ziel-Herzfrequenz in Abhängigkeit vom individuellen Risikoprofil des Patienten mit dem verantwortlichen Fach-/ Oberarzt
  8. Anlage mehrerer großlumiger Flexülen, alternativ ZVK in V. femoralis + großlumige Flexüle (immer bei Radialislappen)
  9. frühzeitige Flüssigkeitstherapie mit dem Ziel "hochnormaler Volumenstatus"
  10. stdl. Diuresekontrolle, Ziel ≥ 0,5 ml/kgKG/h
  11. ca. alle 2 – 3 h art. BGA incl. Laktat 
  12. nach 4 h Kontrolle von kleinem BB, Elektrolyten, Gerinnung
  13. Ziel-Hk ≥ 30%, so lange anhaltende Blutverluste zu erwarten sind
  14. Die Dosierung von Noradrenalin erfolgt nach Rücksprache mit OA/FA unter Beachtung des vereinbarten Ziel-MAD.
  15. postoperativ Verlegung auf INT nach Rücksprache mit dem Bettenkoordinator

5.3 Eingriffe bei Kindern

Die häufigsten Eingriffe im Kindesalter sind Spaltoperationen und Folgeeingriffe (Fadenentfernung) sowie Entfernen kariöser Zähne. Es gelten die Grundsätze der Anästhesie in der Kinderchirurgie

Übersicht über das gängige anästhesiologische Vorgehen in der MKG bei Kindern
OP-Verfahren zugehöriges anästhesiologisches Vorgehen
Fadenentfernungen Gaumen/Lippe,
auch nach LKGS-Operationen
- Standardmonitoring 
- Maske mit Sevofluran, kein Guedl-Tubus! Naht an der Lippe kann aufgehen
- Anwesenheit FA/OA erforderlich 
Spaltoperationen - Standardmonitoring
- Maskeneinleitung mit Sevofluran
- i.v.-Zugang
- Intubation immer mit Videolaryngoskop
- Achtung! Diese Kinder haben oft nur eine kleine Trachea, Tubi ab ID 3,0 bereitlegen
- Woodbridge oral mittig unten
- Cuffdruckmesser
- Kind erhält am OP-Ende Ernährungssonde durch Operateur
- Arme werden in Orthesen fixiert
- zur Ausleitung Piritramid 0,1mg/kg/KG
submandibulärer Abszess, Zahnextraktionen und Zahsanierung - Standardmonitoring
- Maskeneinleitung mit Sevofluran
- orale Intubation mit Woodbridge
- zur Ausleitung Piritramid 0,1mg/kg/KG

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6 postoperative Schmerztherapie

Patient und Schmerzintensität Therapie
Erwachsene mit Knocheneingriffen (zu erwartende stärkste Schmerzen) - Prämedikation mit Oxycodon 10 mg
- Oxycodon 2 x 10 mg (< 80 kgKG) bzw.
- Oxycodon 2 x 20 mg (ab 80 kgKG)
- Ibuprofen 3 – 4 x 400 mg (wenn GFR > 30 ml/min.)
- Pantoprazol 1 x 40 mg
- alternativ 6 stdl. 15 mg/kg Metamizol per os (meist 20 – 40 Trpf, 1 Trpf. = 25mg)
- bei Schmerzspitzen 1 Tbl. Morphin akut
Erwachsene mit Weichteileingriffen (zu erwartende weniger starke Schmerzen) - Prämedikation mit Ibuprofen 600 mg
- im Aufwachraum Morphin titriert i.v.
- Ibuprofen 3 – 4 x 400 mg (wenn GFR > 30 ml/min.)
- alternativ 6 stdl. 15 mg/kg Metamizol per os (meist 20 – 40 Trpf, 1 Trpf. = 25mg)
- bei Schmerzspitzen 1 Tbl. Morphin akut
Kinder - Prämedikation ohne Analgetikum mit Midazolam
- im Aufwachraum titriert Piritramid (0,05 – 0,1 mg/kg i.v.)
- postoperativ auf Station bevorzugt 8 stdl. Ibuprofensaft 10mg/kg, zugelassen ab 7 Monaten (Kontraindikationen: allergisches Asthma, Ulcus ventriculi)

Die Analgetika sollen in festen Zeitintervallen eingenommen werden. Bei Problemen mit der Schmerztherapie steht der FMK-Dienst (Telefon 6990) zur Verfügung. Ansonsten gilt mit die SOP Postoperative Schmerztherapie bei Kindern in der Kinderchirurgie.

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Stand, Kontakt, Haftung

Stand: 22.06.2020

Kontakt

Dr. med. Friederike Reichstein

Oberärztin
Dr. med. Friederike Reichstein

E-Mail

Telefon

(0361) 781-2051