Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie

SOP Gynäkologische Anästhesie

Die Gynäkologie (griechisch γυνή gyné, ‚Frau‘ und -logie), oder auch Frauenheilkunde, ist die Lehre von der Entstehung, Erkennung, Behandlung und Verhütung der Erkrankungen des weiblichen Sexual- und Fortpflanzungstraktes. Wir beschreiben hier die perioperative anästhesiologische Betreuung unserer gynäkologischen Patientinnen und Patienten.

1 Prämedikation und Schmerztherapie

Patient und
Schmerzintensität
Therapie
Stufe 1:
leichte p.o. Schmerzen, z.B.
- Abrasio,
- Abruptio,
- Nachtastung,
- Konisation,
- MPE
- Prämedikation mit Ibuprofen 600 mg
- postoperativ auf Station bei Bedarf Ibuprofen 600 mg
Stufe 2:
mittelstarke bis starke p.o. Schmerzen
(d.h. Operationen außer Stufe 1 und 3), z.B.
- vaginale Uterusexstirpation,
- laparoskopisch assistierte vaginale Hysterektomie (LAVH),
- BET,
- Ablatio mammae,
- Laparoskopie
- Prämedikation mit Oxycodon 10mg p.o.
- Postoperativ 12stündlich 1 Tablette Oxycodon lt KG
- 6-8 stündlich Ibuprofen 400 mg p.o. +
- bei Bedarf 1 Tbl. Morphin 10 mg p.o.

Konzept für Ablatio, Brusterhaltende Therapie (BET), DIEP-FLAP
- Prämedikation mit 10mg Oxycodon p.o.
- bei Einlage eines Expanders, kompletter axillärer LNE und großen Tumoren Anlage eines PECS-I + II-Block
- Postoperativ ab 1.p.o. Tag
- 12stündlich 1 Tablette Oxycodon lt KG mg +
- 6-8 stündlich Ibuprofen 400 mg
- bei Bedarf 1 Tbl. Morphin 10 mg
Stufe 3:
starke p.o. Schmerzen, z.B.
- Wertheim-OP,
- Ovarialkarzinom,
- große Längsschnitt-Laparotomien,
- abdominale UE
- Prämedikation mit Ibuprofen 600mg p.o.
- präoperative Anlage eines tief thorakalen PDK (Th8/9) lt. Standard
- Liegedauer 2- 3 d
- nach Entfernung PDK:
- 12stdl. 1 Tbl. Oxycodon lt. KG
- 6-8stdl. Ibuprofen 600mg p.o.
- bei bedarf 1 Tbl. Morphin akut 10mg p.o.

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2 Spezielle gynäkologische Operationen

2.1 Kleine Eingriffe (Abruptio, Abrasio, Instrumentelle Nachtastung, Konisation)

  • Standardmonitoring
  • Steinschnittlagerung
    • Maskennarkose für Abrasio, Abruptio, Nachtastung
    • Larynxmaske für Konisation, Hysteroskopie
  • Sufentanil 10-15 µg
  • Propofolbolus lt. KG langsam i.v.
  • bei Abrasiones, Abruptiones, Nachtastungen: Aufrechterhalten der Anästhesie mit kleinen Repetitionsdosen Propofol (kurze OP – Zeit !)
  • bei Konisationen oder Hysteroskopie Aufrechterhalten der Anästhesie mit Volatilum oder Propofol
  • Nach Rücksprache mit dem Operateur muss auf dem Anästhesieprotokoll vermerkt werden, dass die Patientin bei weiterem unauffälligem Verlauf nach gynäkologischer Visite 3 h postoperativ entlassen werden kann

2.2 Laparoskopie, vaginale Uterusexstirpation, vaginale Uterusexstirpation mit Plastik, plastische Beckenboden-Operationen (PERIGEE)

  • Standardmonitoring,
  • Intubationsnarkose,
  • balancierte Anästhesie
  • bei Laparoskopie Trendelenburg-Lagerung, dazu gepolsterte Schulterstütze am nicht ausgelagerten Arm (in der Regel rechts, CAVE: Schultererkrankungen)

2.3 Abdominale Uterusexstirpation, abdominale Uterusexstirpation mit LNE, Wertheimsche Radikal-OP, Ovarial-CA, Vulvektomie

  • Standardmonitoring
  • Intubationsnarkose
  • tief thorakaler PDK (Th 8 – Th 11)
  • balancierte Anästhesie
  • gepolsterte Schulterstütze rechts wegen Trendelenburg-Lagerung (CAVE: Schultererkrankungen)
  • mindestens zwei großlumige periphere venöse Zugänge (1x 18 G, 1x 17 G oder größer)

2.4 LASH (Laparoskopische suprazervikale Hysterektomie)

  • Standardmonitoring,
  • Positionieren der venösen Zugänge wenn möglich nicht am Handrücken, da in Steinschnittposition Dislokationsgefahr
  • Intubationsnarkose
  • balancierte Anästhesie
  • Temperaturmonitoring und Wärmemanagement gemäß SOP Allgemeinanästhesie
  • Lagerung in Steinschnittposition, beide Arme angelagert ⇒ Infusionssysteme verlängern
  • gepolsterte Schulterstütze rechts, bei großen Patienten beidseits

2.5 MPE

  • Standardmonitoring
  • Larynxmaske
  • TIVA

2.6 Brusterhaltende Therapie (BET), BET mit Sentinel/axilläre LNE, Ablatio, Mammareduktionsplastik

  • Standardmonitoring
  • Larynxmaske
  • TIVA
  • BET/Ablation mit achsillärer LNE oder Expandereinlage sowie bei großen Mammatumoren PECS 1 und PECS 2 Blockade
  • venöser Zugang und nichtinvasive Blutdruckmessung an der nicht zu operierenden Seite
  • bei beidseitigem Mamma-Karzinom Anlage des venösen Zugangs nach Rücksprache mit dem Operateur; oft bereits zuvor operierte andere Seite möglich

2.7 Bauchdeckenplastik

  • Standardmonitoring
  • Intubationsnarkose
  • TIVA (p.o. Erbrechen ist ungünstig)
  • bei Bauchdeckenplastik ggf.  thorakaler PDK, Blasenkatheter, postoperativ "Knick-Bett" mit angewinkelten Beinen

2.8 TVT-Exact, alle Bandoperationen, Injektionen von Bulkamid und Botox

  • Standardmonitoring
  • Maske
  • iv-Sedierung mit Remifentanil
  • bei sehr aufgeregten Patientinnen mit Übelkeit ggf. Dexamethason und Ondansetron

2.9 Elevate anterior/posterior (vordere/hintere Scheidefixation)

  • Standardmonitoring
  • Larynxmaske
  • Balancierte Anästhesie

2.10 Kolposuspension nach Burch

  • Standardmonitoring
  • ITN wegen Laparoskopie
  • Balancierte Anästhesie

2.11 Sonderfall der angiographischen Myomembolisation

  • die Patientinnen erhalten zur Schmerztherapie einen tiefthorakalen PDK Th8-10 (KEINE Narkose!) im FMK-AWR lt. SOP
  • Bestücken des PDK mit 6 ml der Ropivacain und 10µg (2ml) Sufentanil
  • Kontinuierliche Applikation von Ropivacain 0,375% 6 – 10 ml/h
  • nach Überprüfen der Kreislauffunktion wird die Patientin durch die Station in die Angiographie gebracht
  • nach Angiographie gelangen die Patientinnen zurück in den AWR FMK, damit die Qualität der Analgesie überprüft werden kann. Bei adäquater PDK-Wirkung kann sie auf Station verlegt werden.
  • Entfernen des PDK am 3. Tag nach Eingriff

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Stand, Kontakt, Haftung

Stand: 14.01.2019

Kontakt

Theresa Brand

Oberärztin
Theresa Brand

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