Aktuelle Besucherregelung

Wir möchten das Sicherheitslevel für Patienten, Mitarbeiter und auch Besucher hoch halten. Aufgrund unseres Hausrechts bleiben wir, abweichend von der neuen Thüringer Verordnung, bei unserer bestehenden Besucherregelung, die seit 25. Mai 2020 gilt. Zutritt nur mit Besucher-Dokument (auch vor Ort erhältlich) -  Weiterführende Infos.

Klinik für Anästhesie, Notfallmedizin und Schmerztherapie

PONV – Prophylaxe und Therapie

1 Erwachsene

Tabelle1: Risikofaktoren für das Auftreten von PONV
Risikofaktoren für postoperative Übelkeit und Erbrechen (PONV), klassifiziert nach Evidenz und klinischer Bedeutung
Gesichert und besonders klinisch bedeutsam

+++ Weibliches Geschlecht

++ Nichtraucherstatus

++ Anamnese von PONV oder Reisekrankheit

+++ Allgemeinanästhesie

++ Volatile Anästhetika

++ Narkosedauer

++ Postoperative Opioide

Gesichert aber geringere klinische Bedeutung

+ Junges Alter und ASA-Status 1 oder 2

+ Lachgas

+ Neostigmin, Pyridostigmin

Kontroverse Datenlage

Chirurgischer Eingriff

Erfahrung des Anästhesisten

Routinemäßige Magensonde

Unzureichende Datenlage

Schmerzen

Bewegung

Widerlegt

Adipositas (Body Mass Index)

Menstruationszyklus

Angst und Persönlichkeit

+ moderat, ++ stark, +++ sehr stark  


Wir verwenden einen modifizierten APFEL-Score mit 4 Hauptkriterien

 

Tabelle 2: Risikofaktoren für Entstehen von PONV bei Erwachsenen
Risikofaktor Punktebewertung
Weibliches Geschlecht 1
Nichtraucher 1
Anamnese für PONV oder Reisekrankheit 1
Postoperativ erwartbarer erhöhter Opioidbedarf 1

1.1 Prophylaxe

  • Zum Einschätzen des PONV-Riskos und zur Prophylaxe bestimmen wir bei jedem Patienten mit Allgemeinanästhesie den APFEL-Score. Er wird auf dem Anästhesieprotokoll bzw. auf dem Prämedikationsbogen dokumentiert.
  • Mono-/ Kombinationstherapie zur antiemetischen Prophylaxe:
Apfel-Score Maßnahme  
0 – 1 8 mg Dexamethason i.v. zur Einleitung oder TIVA (ein Antiemetikum)
2 – 3 8 mg Dexamethason i.v. zur Einleitung
4 mg Ondansetron i.v. zur Ausleitung oder TIVA  
(zwei Antiemetika)
4 8 mg Dexamethason i.v. zur Einleitung
Allgemeinanästhesie (TIVA)
4 mg Ondansetron zur Ausleitung
(drei Antiemetika)
  • Die TIVA wird wie der Einsatz eines Antiemetikums gewertet. 

1.2 Therapie

  • wenn kein Ondansetron zur Prophylaxe erhalten ⇒ 4 mg Ondansetron i.v.
  • wenn Ondansetron zur Prophylaxe oder Therapie erhalten ⇒ Dimenhydrinat 62,5 mg i.v.,
  • wenn weiter PONV ⇒ Propofol in subanästhetischer Dosierung (in der Regel 20 mg-weise nach Wirkung)
  • wenn weiter PONV ⇒ Haloperidol 1,0 mg i.v. (nach fachärztlicher Indikation)
  • Eine erneute Gabe von Medikamenten aus der gleichen Wirkstoffgruppe zur Prophylaxe/Therapie der PONV erfolgt erst wieder nach 6 Stunden.

1.3 Kontraindikationen

  • bei Biopsien zur Diagnostik von lymphoproliferativen Erkrankungen Dexamethason erst nach entnommener Biopsie geben (Verfälschung der Diagnostik)
    • nach Gabe ist auch ein Tumorlysesyndrom möglich
  • entgleister Diabetes mellitus
  • Ondansetron:
    • KI bei schwangeren Patientinnen 
    • KI bei bekanntem long-QT-Syndrom
  • Haloperidol:
    • KI bei Mb. Parkinson
    • KI bei bekanntem long-QT-Syndrom

1.4 CAVE

  • PONV kann auch Ausdruck postoperativer Kreislaufdysregulation, inadäquater Schmerztherapie usw. sein
  • in der MKG: bei postoperativ verdrahtetem Kiefer sollte die PONV-Prophylaxe eine Stufe höher als nach APFEL errechnet erfolgen
  • Patienten mit häufigen Folgeoperationen (Wundrevisionen, VAC-Wechsel usw.) erhalten nur bei den ersten 3 Narkosen Dexamethason (drohende Nebennierenrindensuppression sowie Immunsuppression durch repetitive Gabe)

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2 Kinder

Im Vergleich zu Erwachsenen gibt es bei Kindern einige Besonderheiten im Umgang mit postoperativem Erbrechen. Vor allem kleinere Kinder können Übelkeit noch nicht ausreichend ausdrücken. Bei Kindern < 3 Jahren kommt es nur sehr selten zu PONV. Im Gegensatz zu Erwachsenen fließen operationsspezifische Risiken in die Bewertung mit ein. Daher weicht der Risikoscore bei Kindern von dem Erwachsener ab. Der Punktwert für das PONVRisiko ist bei der Prämedikationsvisite zu vermerken.

  Tabelle 3: Risikofaktoren für Entstehen von PONV bei Kindern
Risikofaktor Punktbewertung
OP-Dauer > 30 min 1
Alter ≥ 3 Jahre 1
Anamnese für POV/ Reisekrankheit beim Kind oder Verwandten 1. Grades (Eltern, Geschwister) 1
HNO- oder Augen-OP 1

 

 Tabelle 4: Anzahl der Risikofaktoren und die sich daraus ergebenden Maßnahmen
Risikofaktoren Maßnahme(n)
0, Kinder ≤ 3 Jahre auf Prophylaxe verzichten
1 – 2 Dexamethason 0,15 mg/kg zur Anästhesieinduktion
3 – 4

TIVA
Dexamethason 0,15 mg/kg zur Anästhesieinduktion

2.1 Therapie

  • Odansetron 0,1 mg/kg (max. 4 mg)
  • bei Fortbestehen von PONV: Dimenhydrinat (Vomex®) 1,0 mg/kg
  • Gleiches Antiemetikum nur wiederholen, wenn es primär erfolgreich war und mehr als 6 Stunden vergangen sind!

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3 Literatur

  • Rüsch D, Eberhart LHJ, Wallenborn J, Kranke P: Nausea and vomiting after surgery under general anesthesia—an evidence-based review concerning risk assessment, prevention, and treatment. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(42): 733–41. https://www.aerzteblatt.de/archiv/78823/Uebelkeit-und-Erbrechen-nach-Operationen-in-Allgemeinanaesthesie
  • Anaesthesist 2019 · 68:676–682 „perioperatives Dexamethason“
  • AK Kinderanästhesie „Prophylaxe und Therapie PONV im Kindesalter“ 2007- Anästh. Intensivmed. 48 (2007) S95 - S98.
  • AK Kinderanästhesie „Stellungnahme PONV-Prophylaxe mit Dexamethason“
  • Apfel, C., Kranke, P., Piper, S. et al. Übelkeit und Erbrechen in der postoperativen Phase. Anaesthesist 56, 1170–1180 (2007). doi.org/10.1007/s00101-007-1210-0

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Stand: 02.06.2020

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