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Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie

SOP Spinalanästhesie für Kinder

Eine Spinalanästhesie ist eine rückenmarknahe Form der Regionalanästhesie. Durch die Injektion eines Lokalanästhetikums in den Hirnwasserraum in Höhe der Lendenwirbelsäule wird die Signalübermittlung in den vom Rückenmark ausgehenden Nerven gehemmt. Dadurch wird eine zeitweilige, umkehrbare Blockade des sympathischen Nervensystems, der Sensibilität und der Motorik der unteren Körperhälfte erreicht.

1 Einleitung

  • Sehr anspruchsvolle Methode, da schwierige anatomische Verhältnisse
  • bei uns nur durch erfahrene Ober- und Fachärzte im Frau-Mutter-Kind-Zentrum
  • immer in Kombination mit Kaudalblockade
    • sehr gute Analgesie für SpA-Anlage
    • längere postoperative Analgesie

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2 Indikationen

  • Bis maximal 52. Gestationswoche
  • Bis maximal 5000 g Körpergewicht
  • bei unreifen Früh- und Neugeborenen sowie ehemaligen Frühgeborenen für
    • Hernia inguinalis
    • ektopes Ovar
    • Hydrocele
    • Orchidopexie
  • Erkrankungen, bei denen eine Beatmung nach Möglichkeit umgangen werden soll (bronchopulmonale Dysplasie, Atemnotsyndrom des Früh- und Neugeborenen, Infekte der oberen Atemwege)

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3 Kontraindikationen

  • Absolute:
    • Infektionen an der Punktionsstelle
    • Neurodegenerative Erkrankungen
    • Erhöhter intrakranieller Druck
  • Relative:
    • Koagulopathie (bei Kindern sehr selten); sicher ist die Punktion, wenn Elternanamnese negativ ist
    • Anatomische Abnormalitäten
    • Hypovolämie
    • OP-Dauer wesentlich länger als 60 min

Reife und aktive Kinder sind für eine SpA ungeeignet!

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4 Material und Zubehör

  • EMLA-Pflaster 60 – 90 min vor Punktion auf Punktionsstelle
  • Basis-Set
  • Atraucan-Nadel, 26 G (0,4 x 25 mm)
  • 0,2 ml/kgKG Bupivacain 0,5% isobar + 0,1 ml Bupivacain für Spritzenkonus  

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5 Durchführung

  • Beginn mit Anlage der Kaudalblockade nach SOP
  • Nach erfolgreicher Anlage 5 – 10 min warten bis zur Anlage der SpA. Diese Zeit für die Gabe eines Volumenbolus 10 ml/kg KG nutzen.
  • Zur Vorbereitung für die Anlage der SpA wird das Kind von einer Pflegekraft in Schneidersitzposition gehalten, wobei die Hände beide Flanken und den Rücken halten.
  • Eine Rolle wird am Bauch unter die Arme des Kindes platziert.
  • Eine weitere Hilfsperson kann Glukoselösung auf den Nuckel geben und so das Kind beruhigen.
  • Tasten des Beckenkammes (entspricht L4/5); Punktionsort ist der Zwischenwirbelraum L4/5 oder L5/S1
  • gründliche Sprühdesinfektion mit Cutasept® über 2 Minuten. Dabei darauf achten, dass während der Desinfektionsmitteleinwirkzeit das Hautareal ausreichend feucht ist
  • Punktionsrichtung leicht kranial. Die Distanz zwischen Subarachnoidalraum und Haut beträgt beim Neugeborenen 0,7 – 1,5 cm. Auffällig ist der Widerstand des Ligamentum flavum.
  • Nach Erreichen des Subarachnoidalraums wird der Mandrin entfernt. Hier wird darauf geachtet, dass Liquor zurückkommt. Der Liquor muss klar sein.
  • Für eine Korrektur der Punktionstiefe muss der Mandrin wieder eingeführt werden.
  • Im Gegensatz zum Erwachsenen wird auf Barbotage (Schlierenbildung durch Liquor im Lokalanästhetikum) verzichtet.
  • Nach Applikation des Lokalanästhetikums sorgfältiges Lagern des Patienten auf den Rücken. Wichtig ist, das Kind nur noch als Ganzes zu bewegen. Es ist verboten, die Beine und das Gesäß des Kindes hochzuheben oder hochzulagern, um ein Aufsteigen der SpA zu umgehen!

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6 Komplikationen

  • Totale Spinalanästhesie, äußert sich als kurze (vermutlich reflektorische) Apnoe ⇒ Anästhesiegerät muss einsatzbereit sein, Maske mit Filter bereits mit dem für den jeweiligen Patienten voreingestellten Beatmungsgerät verbunden
  • Inkomplette SpA ⇒ Komplettierung mit Sevofluran-Maskennarkose
  • Unzureichendes Niveau

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Stand, Kontakt, Haftung

Stand: 03.08.2020

Kontakt

Dr. med. Friederike Reichstein

Oberärztin
Dr. med. Friederike Reichstein

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Telefon

(0361) 781-2051