Warum klappern uns eigentlich bei Kälte die Zähne?
Pressemitteilung

Warum klappern uns eigentlich bei Kälte die Zähne?

Duisburg

Bei tieferen Temperaturen stellt der Körper die Versorgung um. Das erklärt so manches Kältephänomen. Helios Experten erklären, warum.

Kann das Hirn erfrieren?

Nicht direkt, aber bei abnehmenden Temperaturen verlangsamen sich die Stoffwechselreaktionen. Damit einher können tatsächlich auch verlangsamte Denkprozesse gehen. "Erfrierende werden zunehmend träge, haben keinen Antrieb mehr, sich zu bewegen und dämmern langsam in die Bewusstlosigkeit", erklärt Dr. Stefan Knosalla, Neurologe am Duisburger Helios Standort. Ein Effekt, der übrigens auch medizinisch genutzt wird. So hilft das Absenken der Körpertemperatur zum Beispiel bei der Behandlung nach Herz-Kreislaufstillstand. Der Sauerstoffbedarf wird herabgesetzt und im besten Fall können schwerere Schäden begrenzt werden.

Ab wann geht Kälte unter die Haut?

Bei Kälte wird unsere Haut weniger durchblutet, damit sich die Poren zusammenziehen und die Wärme im Körper bleibt. Dadurch mangelt es der Haut unter Umständen an Sauerstoff und wichtigen Nährstoffen, der natürliche Schutzmantel ist nahezu ausgeschaltet. Ab einer Außentemperatur von 8°C stoppt die Haut die Talgproduktion komplett – Gesicht, Lippen, Arme und Beine frieren dann besonders schnell und trocknen aus. Für Menschen etwa mit Gefäßerkrankungen kann das gefährlich werden. Erfrierungen sind keine Seltenheit. Daher gilt: Unbedingt Handschuhe und warme Socken tragen. Ein weiteres Problem ist die gehemmte Talgproduktion, besonders Kinderhaut ist gefährdet, da sie bereits bei Normaltemperatur weniger Fett produziert als die von Erwachsenen und sehr viel dünner ist. Wichtig ist es, den Fetthaushalt der Haut wieder auszugleichen. „Das geht am besten mit rückfettenden Cremes, die zusätzlich noch Urea oder Glycerin enthalten, weil das die Feuchtigkeit bindet“, so Dr. Julia Hyun, Oberärztin der Dermatologie.

Schadet kalte Luft beim Training der Lunge?

Die Kälte im Winter ist nur bedingt ein Argument, um mit dem Sport im Freien aufzuhören: Gesunden Menschen machen Temperaturen bis zu minus 15 Grad dabei kaum etwas aus. Allerdings ist das Empfinden auch Typsache und der Sport ist unangenehmer, je kälter es wird. Viele Jogger spüren bereits bei leichten Minusgraden ein Ziehen in der Lunge, weil sich die Bronchien stärker zusammenziehen. „Das ist bereits ein leichter Entzündungsreiz“, sagt Dr. Nikolaus Büchner, Chefarzt der Pneumologie am Helios Klinikum Duisburg „Hier hilft es, dass Tempo zu reduzieren oder sich einen Schal als Schutz vor den Mund zu binden.“ Asthmatiker sollten schon bei weniger tiefen Temperaturen vorsichtig sein.

Warum klappen wir bei Kälte mit den Zähnen?

Bei starker Kälte wechselt unser Körper in einen anderen Versorgungsmodus und konzentriert sich auf den Rumpf und die wichtigsten Organe. Das heißt, es fließt weniger Blut durch die äußeren Körperregionen. Eine Reaktion, die jeder auf dem Kopf, an den Ohren, der Nase sowie den Händen und Füßen deutlich spürt. „Dabei gehen alleine über den Kopf rund 30 Prozent der Körperwärme verloren“, erklärt Florian Männel, Leiter der Physiotherapie am Helios Klinikum Duisburg. Um sich dennoch warm zu halten, beginnt der Körper die Muskelpartien anzuspannen, um in Bewegung kommen. Denn Bewegung erzeugt Wärme. So entsteht das typische, unwillkürliche „Zähneklappern“, das wir nur durch Konzentration auf die Kiefermuskulatur beenden können. Denken wir wieder an etwas anderes, klappern wir weiter.

Wann kann Kälte helfen?

Menschen mit Multiple Sklerose etwa können von der kalten Jahreszeit profitieren. Eine leichte Minderung der Körpertemperatur sorgt für eine vorübergehende Linderung der Beschwerden. Entsprechend wird beispielsweise kaltes Abduschen oder eine Therapie mit Kühlwesten bei manchen Patienten als unterstützende Zusatztherapie eingesetzt. „Auch bei Rheumapatienten kommt Kälte zum Einsatz, weil sie Entzündungsprozesse lindert“, so Männel. Hier allerdings eher in Form einer kurzen Anwendung, etwa in einer Kältekammer, denn das regt die Durchblutung an und sorgt dafür, dass entzündliche Stoffe zum Beispiel in den Gelenken schneller abtransportiert werden.