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Mythen rund ums Stillen

Mythen rund ums Stillen

Duisburg

Stillen ist die natürlichste Sache der Welt und klappt von ganz allein? Da rollt so manche frischgebackene Mamma bestimmt mit den Augen. Anlässlich der jährlich stattfindenden Weltstillwoche beleuchten wir deshalb mit unserem Sektionsleiter der Geburtshilfe, Prof. Dr. Frank Vandenbussche, einige Stillmythen - für einen entspannten und möglichst druckfeien Stillstart.

Stillen ist die natürlichste Sache der Welt und klappt von ganz allein? Da rollt so manche frischgebackene Mamma bestimmt mit den Augen.

Anlässlich der jährlich stattfindenden Weltstillwoche wollen wir deshalb mit unserem Sektionsleiter der Geburtshilfe, Prof. Dr. Frank Vandenbussche, einige Stillmythen beleuchten- für einen entspannten und möglichst druckfeien Stillstart.

 

Ist Stillen einfach? 
Zumindest am Anfang stimmt das nicht, denn Stillen erfordert Übung. Der Satz „Stillen ist das natürlichste der Welt“ baut dabei vorab leider oft Druck auf, denn auch wenn die Natur alle Zutaten bereitstellt, beide – Mutter und Kind – müssen erst mit etwas Geduld lernen, wie es funktioniert. Gerade zu Beginn kann es Schwierigkeiten beim Anlegen, mit dem Milcheinschuss oder durch gereizte Brustwarzen geben. Wer Fragen hat, sollte sich nicht scheuen, seine Hebamme oder sogar eine Stillberaterin hinzuziehen. Das kann für einen sehr viel entspannteren Start in die Stillbeziehung sorgen. 

Tut Stillen weh?
Grundsätzlich nicht, aber zu Beginn kann es zu einer leichten Reizung der Brustwarzen oder einem Druck in der Brust kommen, einfach weil es eine ungewohnte Belastung ist. Treten aber richtige Schmerzen auf oder wird die Brustwarze wund oder sogar blutig, besteht Handlungsbedarf. Oftmals ist eine falsche Anlegetechnik die Ursache und das Baby saugt sozusagen zu weit oben. Denn eigentlich sollte das Kinn des Kindes in die Brust vertieft und die Nase frei sein, damit die Brustwarze optimal und tief im Mund des Babys liegt, siehe Abbildung. Schmerzt die Brust selbst, kann ein Milchstau oder ein Soor (eine Pilzinfektion) verantwortlich sein.

Man kann die Brustwarzen schon vor der Geburt „trainieren“:
Diesen Rat hat vermutlich jede Schwangere schon einmal gehört, aber die Brust lässt sich nicht vorab fürs Stillen trainieren. Methoden wie häufiges Abrubbeln oder Massieren mit rauen Handtüchern oder ähnliches sind sogar eher kontroproduktiv, weil kleinere Verletztungen entstehen können. Die beste Vorbereitung ist eine gesunde Oberfäche, also am besten lässt man die Brustwarzen in Ruhe und benutzt nur hautfreundliche Seife und Bekleidung.

Lebensmittel/Sport beeinflussen die Muttermilch (Zitrusfrüchte, blähende Speisen, etc.):
Ein hartnäckiger Mythos, aber Muttermilch wird aus Blut gebildet und somit haben Lebensmittel so gut wie keinen Einfluss auf die Zusammensetzung der Muttermilch. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist natürlich trotzdem sinnvoll, damit auch die Mutter bei Kräften bleibt. Sollte tatsächlich der Verdacht aufkommen, dass das Kind auf ein bestimmtes Lebensmittel reagiert, kann es versuchsweise zwei Wochen weggelassen werden.

Warum Stillen nach Bedarf? 
Weil die Bedürfnisse von Babys individuell verschieden sind und sich auch das Hungergefühl nicht nach einem Zeitplan richtet. Die Mutter kann einfach auf ihr Bauchgefühl hören und das Kind immer dann stillen, wenn es danach verlangt. Auch eine, zehn oder dreißig Minuten nach der letzten Mahlzeit. Dazu kommt, dass feste Stillzeiten oder limitiertes Trinken dazu führen kann, dass die Brust nicht richtig entleert wird und ein Milchstau droht (s.u.).

Das Baby muss immer an beiden Seiten trinken:
Nein, es gibt Kinder, die trinken gerne an beiden Seiten, manche bevorzugen eine Seite. Der Körper regelt die Milchmenge über die Nachfrage selbst. Wechselt das Baby allerdings von beiden auf eine Brust, kann es in der verschmähten Seite zu kleinen Milchknötchen kommen. Um einem solchen Milchstau vorzubeugen, am besten sanft Milch ausstreichen, bis die Knoten deutlich weicher werden.

Was tun bei Milchstau und Brustentzündung?
Wie schon beschrieben regelt der Körper die Milchproduktion je nach Nachfrage sehr gut selbst. Aber bei Umstellungen, persönlichem Stress oder wenn das Baby mal krank ist, länger schläft oder weniger Hunger hat, kann es unter Umständen zu einem Milchstau kommen. Verursacher sind Milchgänge, die aufgrund der überschüssigen Milchmenge langsam verhärten. Die Brust rötet und erwärmt sich und es sind kleine schmerzhafte „Milchknoten“ fühlbar. Daraus wiederum kann ich eine handfeste Brustentzündung entwickeln, die zusätzlich unter anderem mit Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen einhergeht. 
Erste Gegenmaßnahmen:

  • So oft wie möglich stillen, um den Milchabfluss anzuregen, dabei gern unterschiedliche Positionen ausprobieren, damit möglichst viele Milchgänge geleert werden. Währenddessen kann es helfen, kleine Knötchen sanft zu massieren.
  • Die Brust vor dem Stillen wärmen, nach dem Stillen kühlen
  • Spätestens, wenn sich die Symptome nach 24 Stunden nicht bessern oder tatsächlich eine Entzündung entsteht, ist ein Arztbesuch notwendig. Ggfls. muss auch mit Antibiotika behandelt werden.
  • Übrigens ist Abstillen bei Milchstau oder Brustentzündung nicht notwendig.

Keine Medikamente/Narkosen in der Stillzeit:
Es gibt mittlerweile bei vielen Arzneimitteln und auch Narkotika stillfreundliche Alternativen oder Dosierungen und auch die Studienlage zu gängigen Medikamenten hat sich deutlich verbessert. Einen guten Überblick zur Einnahme in Schwangerschaft und Stillzeit bietet Embryotox.de von der Berliner Charité.