Wissen

Tumoroperation ohne Vollnarkose

Tumoroperation ohne Vollnarkose

Vielen Menschen, denen ein operativer Eingriff bevorsteht, bereitet vor allem der Gedanke an die Vollnarkose Unbehagen. Die moderne Anästhesie bietet heute jedoch auch ganz andere Möglichkeiten, wie etwa die sogenannte Regionalanästhesie, mit deren Hilfe nur bestimmte Körperbereiche betäubt werden. Gepaart mit schonenden Operationsverfahren macht sie es möglich, dass die Ärzte unserer Klinik für Urologie ihren Patienten auch bei komplexen beckenchirurgischen Eingriffen die Vollnarkose ersparen können.

Wer Angst vor einer Vollnarkose hat, dem mag die Vorstellung einer Operation ohne eine solche zuerst vielleicht auch nicht geheuer sein. Doch nicht bei jedem Eingriff muss der ganze Körper schlummern. Manchmal reicht es, nur bestimmt Bereiche zu betäuben und so den Kreislauf zu schonen. Die Periduralanästhesie (PDA) etwa ist eine sanfte Form der Regionalanästhesie, die das Schmerzempfinden an den betroffenen Stellen auch ohne Vollnarkose ausschaltet. Dazu wird ein betäubendes Lokalanästhetikum über eine sehr feine Nadel in eine Gewebeschicht in der Nähe des Rückenmarks injiziert. Es bewirkt, dass der Patient in der unteren Körperhälfte nichts mehr spürt. Bekannt ist das Verfahren bisher aus der Geburtshilfe. Dort ist diese Form der Anästhesie längst ein wichtiges Hilfsmittel, um Frauen eine schmerzarme Geburt zu ermöglichen. Doch mittlerweile gibt es auch andere Einsatzgebiete: „Mit Hilfe der PDA ist es uns problemlos möglich,  Eingriffe behutsam vorzunehmen, ohne dass der Patient künstlich beatmet werden muss“, erläutert Priv.-Doz. Dr. Frank vom Dorp, Chefarzt der Urologie an der Helios Marien Klinik. Seine Fachabteilung hat sich auf das Konzept der schonenden Operation in Kombination mit der Regionalanästhesie spezialisiert. „Wir wenden dieses Verfahren an, wenn etwa die Prostata oder die Harnblase aufgrund einer Erkrankung entfernt werden muss. Auch die Neuanlage einer Harnableitung ist mit Betäubung durch eine PDA möglich."

 

Der Patient entscheidet
Die Wahl, welche Betäubungsart Anwendung findet, liegt letztlich aber immer beim Patienten selbst. Dazu ist vorab eine umfassende, individuelle Aufklärung nötig. Dr. Martina Müller, leitende Anästhesistin der Marien Klinik, betont dabei ausdrücklich, dass die Patienten während des Eingriffs unter Regionalanästhesie genauso engmaschig überwacht werden wie unter Vollnarkose. Die Befürchtung, dass man währenddessen wahrnehmen kann, wie der Operateur seiner Arbeit nachgeht, kann sie schnell entkräften: „An erster Stelle steht der Komfort des Patienten. Ihm wird ein leichtes Schlafmittel verabreicht, damit er vom Eingriff nichts mitbekommt. Wir sind zudem darum bemüht, vorab ein gutes Vertrauensverhältnis zu den Patienten aufzubauen, so dass sie sich während der ganzen Zeit im OP gut aufgehoben fühlen“, sagt die Medizinerin.
Auch nach dem Eingriff sprechen die Vorteile für die Regionalanästhesie: Die Aufwachphase entfällt, der Patient ist schneller wieder ansprechbar und kann Besuch empfangen. Über den Zugang für das Lokalanästhetikum kann gleichzeitig ein Katheter –  ein nur wenige Millimeter dünner Schlauch –  gelegt werden. Dieser versorgt den Patienten auch nach dem Eingriff noch mit Schmerzmitteln. So ist eine schnelle Mobilisation nach der OP möglich, was auch das Risiko einer Thrombose reduziert.

Für weitere Informationen

Wenn Sie Fragen zu bestimmten Abläufen in unserer Abteilung oder zu unserem Leistungsangebot haben, sprechen Sie uns jederzeit gerne an.

Kontakt

Sigrid Zuber

Chefarztsekretariat
Sigrid Zuber

E-Mail

Telefon

0203 546 34201