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Harninkontinenz - Raus aus dem Tabu

Harninkontinenz - Raus aus dem Tabu

Offiziell leiden rund 8 Millionen Deutsche an einer Blasenschwäche, der Harninkontinenz. Die Dunkelziffer ist hoch, denn noch immer ist eine schwache Blase ein Tabuthema. Als zertifizierte Beratungsstelle für Inkontinenz stehen wir Ihnen bei uns gerne zur Seite.

Anfang sind es nur ein paar Tröpfchen, später bestimmt die unkontrollierbare Blasenschwäche den gesamten Tagesablauf. In unserer Abteilung bieten wir Ihnen vielfältige Möglichkeiten, die unterschiedlichen Arten der Harninkontinenz zu therapieren.
Basierend auf Art, Ausmaß und Entstehung der Harninkontinenz werden unterschiedliche Klassifikationssysteme verwendet. Die grundlegende Differenzierung erfolgt nach den Krankheitszeichen:

Belastungs- oder Dranginkontinenz?

Die Harninkontinenz wird allgemein definiert durch den ungewollten und unkontrollierten Verlust von Urin. Dieser ungewollte Harnverlust kann durch eine Vielzahl von Ursachen bedingt sein. Daher lässt sich Inkontinenz in viele Untergruppen einteilen. Die häufigsten sind die Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz) und die Dranginkontinenz (Syndrom der überaktiven Blase). Im Folgenden finden Sie Details zu den verschiedenen Arten der Inkontinenz.

 

 

Für weitere Informationen

Wenn Sie Fragen zu bestimmten Abläufen in unserer Abteilung oder zu unserem Leistungsangebot haben, sprechen Sie uns jederzeit gerne an.

Kontakt

Sigrid Zuber

Chefarztsekretariat
Sigrid Zuber

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0203 546 34201

Verschiedene Arten der Inkontinenz

Körperliche Anstrengung oder Husten, Lachen oder Niesen führen zu einer Erhöhung des Druckes im Bauchraum – auch der Druck in der Blase nimmt dann zu. Diese Druckerhöhung wird zum einen passiv über die Bauchwand auf den Beckenboden übertragen, die Harnröhre zieht sich dort, wo sie zum Beckenboden durchtritt, zusammen. Zum anderen spannen wir in solchen Momenten unbewusst den Schließmuskelapperat an, um der Druckerhöhung in der Blase entgegenzuwirken. Auf diese Weise verhindert der Körper eigentlich, dass wir bei körperlicher Anstrengung Urin verlieren. Sind diese Mechanismen gestört, dann sprechen Mediziner von einer Belastungsinkontinenz. Bei der Frau ist dies häufig durch eine Schwäche des Beckenbodens bedingt, was dazu führt, dass sich der Blasenhals absenkt. Beim Mann tritt eine Belastungsinkontinenz am ehesten nach Operationen im Becken, z.B. an der Prostata auf.

Diagnostik

Ziel der Diagnostik ist es, eine Belastungsinkontinenz von anderen Inkontinenzformen abzugrenzen und den Schweregrad zu ermitteln, um dann mit dem Patienten ein individualisiertes Behandlungskonzept zu erarbeiten. Im Rahmen dieser Diagnostik sollte neben der körperlichen Untersuchung zumindest eine Uroflowmetrie (Messung des Harnstrahls) und Sonografie des Harntrakts erfolgen. Bei Frauen ist eine vaginale Untersuchung zur Abklärung einer möglichen Senkung der Beckenorgane notwendig. Oft können zusätzliche Untersuchungen wie eine Urodynamik (Messung der Druckverhältnisse in der Blase) oder Urethrozystoskopie (Harnröhren- und Blasenspiegelung) wertvolle Zusatzinformationen geben.

Therapie

Die Therapie der Belastungsinkontinenz richtet sich nach deren Schweregrad. Bei leichteren Formen können Maßnahmen zur Kräftigung des Beckenbodens wie Beckenbodengymnastik oder Elektrostimulation bereits eine deutliche Besserung erzielen. Daneben existieren auch medikamentöse Therapieoptionen zur Kräftigung des Schließmuskels. Da die Ursachen in anatomischen Veränderungen liegen, wie dem Absinken der Blase bei Beckenbodenschwäche oder der Verletzung des Schließmuskels, ist häufig eine operative Korrektur der Ursache notwendig.

Das Spektrum der operativen Therapie reicht von minimalinvasiven Eingriffen wie der Unterspritzung des Schließmuskels mit Gel-Implantaten oder der Anbringung von künstlichen Bändern zur Unterstützung der Harnröhre bis hin zur Rekonstruktion der Lage von Beckenboden und Harnblase oder der Implantation eines künstlichen Schließmuskels.

Gehäufter Harndrang, der sich nicht unterdrücken lässt und mit Harnverlust einhergeht, wird als Dranginkontinenz bezeichnet. Anders als bei der Belastungsinkontinenz liegen hier die Ursachen nicht in der Positionierung der Blase zum Beckenboden oder am Schließmuskel, sondern in der Blase oder deren Nervenversorgung.

Diagnose

Eine Drangsymptomatik kann auch durch andere Erkrankungen (z.B. Harnwegsinfekte, Blasentumore, Steine, Prostatavergrößerung, Neurologische Erkrankungen) bedingt sein, weswegen eine sorgfältige Untersuchung zum Ausschluss solcher Erkrankungen notwendig ist. Wichtiger Grundbaustein in der Diagnostik und Therapieüberwachung bei der Dranginkontinenz ist ein Blasentagebuch, in dem die Häufigkeiten und Mengen beim Wasserlassen dokumentiert werden. Ist der Blasenmuskel instabil, lässt sich dies mittels einer Urodynamik (Blasendruckmessung) beweisen.

Therapie

Bereits die Umstellung der Lebensgewohnheiten (Gewichtsreduktion bei Übergewicht, ausgewogene und ballaststoffreiche Ernährung, Optimierung des Trinkverhaltens, Verzicht auf Zigaretten) kann helfen, die Dranginkontinenz zu lindern.

Zudem steht eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung, die beruhigend auf die Blasenmuskulatur wirken. Dies können zum einen Tabletten oder Medikamentenpflaster sein, aber auch Wirkstoffe wie das Botulinum Toxin, das im Rahmen eines endoskopischen Eingriffs direkt in die Blasenmuskulatur gespritzt wird. Zudem besteht die Möglichkeit, Neuromodulatoren zu implantieren, die die Reizverarbeitung der Blase auf Höhe des Rückenmarks beeinflussen.


Neben der Belastungs- und Drankinkontinenz gibt es noch weitere Formen der Harninkontinenz sowie Mischformen.

  • Überlaufinkontinenz: Hier liegt eine Blasenentleerungsstörung vor. Ist die Speicherkapazität der Blase überschritten, kommt es zum „Überlaufen“ von Urin.
  • Reflexinkontinenz: Bei dieser Form ist eine Schädigung der für die Blasenkontrolle zuständigen Abschnitte des zentralen Nervensystems Ursache der Inkontinenz.
  • Extraurethrale Inkontinenz: Ein Harnverlust über andere Wege als durch die Harnröhre, z.B. durch Fisteln zwischen Blase und Scheide, kann nach Operationen, Bestrahlungen oder Entzündungen entstehen.
  • Enuresis nocturna: Das nächtliche Einnässen bei Kindern sollte ab dem 5. Lebensjahr nicht mehr vorkommen. Auch wenn es sich hier streng genommen nicht um eine Inkontinenz, sondern um eine Entwicklungsverzögerung handelt, ist hier eine Behandlung des Kindes oftmals nötig, um Störungen des Selbstwertgefühls zu vermeiden.

Wir sind eine Zertifizierte Beratungsstelle für Kontinenz-Patienten.