Ventile und Coils: Schonend auftmen

Ventile und Coils: Schonend auftmen

Der Einsatz moderner Verfahren, wie Ventile und Coils, am Helios Klinikum Duisburg optimiert die Versorgung von Patienten mit chronischer Atemnot und verbessert die Lebensqualität.

Ob unter Wasser, nach einem Sprint oder während eines Hustenanfalls – jeder weiß, wie es sich anfühlt, wenn die Luft knapp wird. Für Patienten mit einer schweren chronisch-obstrukiven Lungenerkrankung (COPD) oder einem Emphysem gehört das ständige Ringen um Luft allerdings zum Alltag. Die moderne Medizin hält für Betroffene aber mittlerweile zahlreiche kleine Helfer bereit. Am HELIOS Klinikum Duisburg etwa kommen winzige Ventile oder elastischen Spiralen (medizinisch Coils) zum Einsatz, die Betroffenen ein großes Stück Lebensqualität zurückgeben können. Für wen welches Verfahren wirklich Vorteile bringt, können die Lungenexperten zudem seit kurzem durch eine neuartige Messung im Vorfeld noch schneller ermitteln.

Unsere Lunge ist eine Art Tauschbörse. Millionen kleine, weit verzweigte Bläschen, die sogenannten Alveolen, sorgen täglich dafür, dass mit der Atmung einströmender Sauerstoff ins Blut gelangt. Gleichzeitig filtern sie das im Körper verbrauchte Kohlenstoffdioxid heraus. Bei vielen Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen ist dieser Prozess allerdings empfindlich gestört. Ihnen stehen im Laufe der Zeit immer weniger funktionierende Bläschen zur Verfügung. Der Druck wird größer, viele Alveolen reißen und verbinden sich zu ausgedehnten Blasen, in denen die Luft quasi ‚hängenbleibt’, sogenannte Emphysemblasen. Dadurch verringert sich die Gesamtfläche der Lunge, weniger Sauerstoff wird in das Blut abgegeben und die Elastizität des Lungengewebes nimmt ab. Eine weitere Folge: Die kranken Bläschen behindern die gesunden bei der Sauerstoffaufnahme. Den Patienten fällt das Luftholen mit der Zeit immer schwerer, die körperliche Ausdauer nimmt rapide ab.

Ärzte setzen daher zur Linderung der Symptome vermehrt Ventile in bestimmte Bronchienzweige ein. Diese haben eine Größe von gerade einmal 4 bis 5 Millimetern. Sie lassen die eingeschlossene Luft entweichen und verhindern, dass neue hinein gelangt. Damit wird der erkrankte Bereich vom Luftkreislauf abgeschnitten und der Rest der Lunge ist leistungsfähiger. Noch vor kurzem kam es häufiger vor, dass die Patienten oftmals keine sofortige Besserung erfuhren, weil die Ventile nicht exakt platziert werden konnten. Mit einem neuen Messverfahren können wir nun genau feststellen, an welcher Stelle die Ventile unseren Patienten nutzen. Möglich macht das die sogenannte katheterbasierte Luftstrommessung. Dabei wird ein kleiner Ballon per Bronchoskop in die Luftwege vorgeschoben, der den Belüftungszustand in den Bronchien misst. Eine simple, aber effektive Methode, um zu bestimmen, in welchem Stadium sich die Lunge des Patienten befindet. Sind die Patienten für das Verfahren geeignet, ist die Erfolgsquote hoch. Die Luftzufuhr kann sich erheblich verbessern und die Betroffenen gewinnen damit ein großes Stück Lebensqualität zurück. Ist das Gewebe allerdings noch nicht genug oder schon zu schwer geschädigt, müssen die Ärzte auf Alternativverfahren zurückgreifen. Für letzteres kommen dann oftmals elastische Spiralen aus dünnen Drähten, sogenannte „Coils“, in Frage. Auch sie werden schonend eingesetzt und sorgen dafür, dass sich das erkrankte Lungenareal quasi zusammengefaltet und so die Überblähung reduziert. Das schafft Raum für die noch gesunden Teile des Organs. Kleinere Bronchien kollabieren dann beim Ausatmen nicht mehr, der Wiederstand verringert sich, das Atmen fällt leichter. Das Verfahren selbst dauert nur rund eine halbe Stunde, behandelt wird ein Lungenlappen, ein paar Wochen später folgt dann der zweite. Das alles ist wenig zeitaufwendig und keine große Belastung für den Körper. Richtig eingesetzt bewahren die Spiralen den Patienten auch oftmals vor einer schweren Operation. Vor allem Patienten mit zusätzlichen Erkrankungen – etwa des Herz-Kreislaufsystems – profitieren deshalb davon.