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Isolierung auf der Transplanstation

Isolierung auf der Transplanstation

Die Isolation, auch Umkehrisolation oder Aplasie genannt, schützt immungeschwächte Patienten vor der normalen Umgebung sowie vor körpereigenen Keimen. Hier erklären wir die Vorgänge und wichtige Maßnahmen für Betroffene und deren Angehörige.

Von einer Aplasie oder Umkehrisolation sind überwiegend Patienten mit hämatologischen Krankheitsbildern betroffen, etwa wenn bei der Leukämietherapie für eine Stammzelltransplantation das Immunsystem durch eine Hochdosischemotherapie heruntergefahren wird. Während dieser Zeit sind unsere Patienten auf einer speziell dafür ausgerichteten Station untergebracht, der Transplantstation. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Zum Verständnis, welche Maßnahmen in der Umkehrisolation wichtig sind und warum sie auch Schutzisolation heißt, möchten wir Ihnen zunächst einige häufig vorkommende Vokabeln und Fakten näher erklären. Danach folgen Infos zu Körperpflege, Ernährung und Aufenthalt.

Fachbegriffe in der Therapie

Chemotherapie

  • Die Chemotherapie (abgekürzt CHT) oder Hochdosis-Chemotherapie ist eine der wichtigen Säulen in der Krebsbehandlung. Die Medikamente (Zytostatika) greifen dabei in den Vermehrungszyklus der Krebszellen ein und drängen ihn zurück. Doch die Mittel zerstören dabei nicht nur die bösartigen Zellen, sondern auch gesunde wie etwa die Blutzellen. Deshalb und durch die hämatologische Erkrankung selbst kommt es zu einer Verminderung der roten und weißen Blutzellen und der Blutplättchen.
  • Erythrozyten (Rote Blutkörperchen)
    • Die Erythrozyten machen den größten Anteil der Zellen im Blut aus. Sie transportieren den Sauerstoff im Körper.
  • Leukozyten (Weiße Blutkörperchen)
    • Leukozyten spielen im Körper eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern. Sie werden in der Thymusdrüse und dem Knochenmark gebildet und gelangen durch den Blut- und den Lymphstrom in alle Regionen des Körpers.
  • Neutrophile Granulozyten
    • Neutrophile Granulozyten gehören zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und sind für die unspezifische Abwehr von Pilz- oder Bakterieninfektionen verantwortlich.
  • Thrombozyten (Blutplättchen)
  • Die Thrombozyten spielen eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung. Sie heften sich bei Verletzung an das umliegende Gewebe, bilden eine Barriere und verhindern so weiteren Blutverlust
  • CRP (C-reaktives Protein)
    • Das C-reaktive Protein wird in der Leber gebildet. Dabei handelt es sich um einen Bestandteil des körpereigenen Abwehrsystems gegen Krankheitserreger. Liegt eine Entzündung infolge einer Infektion vor, produziert der Körper CRP.

Körperpflege

Um die Keime auf der Haut zu reduzieren, ist eine gründliche und regelmäßige Körperpflege unbedingt notwendig. Denn 80 Prozent der Infektionserreger bei Patienten mit einer verringerten Anzahl von Blutkörperchen (neutropenisch) stammen aus der körpereigenen endogenen Flora, davon entstehen 50 Prozent während des stationären Aufenthaltes. Endogen beschreibt Prozesse die im Körper selbst und nicht durch äußere Einflüsse entstehen.

Das bedeutet:
  • Falls möglich, tägliches Duschen/Waschen, achten Sie vor allem auf den Intimbereich (Sie bekommen von uns Einmalwaschlappen) mit anschließender Hautpflege
  • Täglicher Wäschewechsel der eigenen Kleidung (Unterwäsche)
  • Wechsel der restlichen Kleidung alle 2 Tage, bei Verschmutzung täglich
  • Wäsche muss bei mindestens 60 Grad gewaschen werden´
  • Gründliches Abtrocknen der Hautfalten und Zwischenräume (z.B. zwischen den Zehen oder unter der Brust)
  • Täglicher Bettwäschewechsel (durch uns)
  • Täglicher Wechsel der Handtücher alle 24 Std. (durch uns)
Spezielle Hinweise zur Mundpflege Hier haben wir wichtige Informationen rund um das Thema Mundpflege unter Isolation zusammengestellt. Zum Download der Datei einfach klicken.

Ernährung / Keimarme Kost

Nicht nur über Verletzungen auf der Haut, sondern auch über die Ernährung können Keime aufgenommen werden. Deshalb erhalten Sie ab dem ersten Tag der Isolation sogenannte keimarme Kost. Unser Team berät Sie gern, auch darüber, was Ihre Besucher Ihnen mitbringen dürfen. In der Patientenküche befinden sich Kühlschränke, die Ihnen die Möglichkeit geben, Ihre mitgebrachten und gekennzeichneten Lebensmittel zu lagern.

Das bedeutet:
  • Nur pasteurisierte Milchprodukte
  • Kein frisches Obst – Ausnahme Bananen und Äpfel (gründlich abgewaschen und geschält), Dosenobst ist erlaubt
  • Kein frisches Gemüse
  • Mitgebrachtes Fast-Food sollte vermieden werden, da die Gefahr unhygienischer Herstellung etwa in altem Fritteusenfett besteht
  • Roher Schinken als Belag verboten
  • Nur hart gekochte Eier, um Salmonellen zu vermeiden

     

Aufenthalt / Zimmer

Während Ihres stationären Aufenthaltes ist Ihr Patientenzimmer ihr vorübergehendes Zuhause. Sie haben zudem die Möglichkeit, persönliche Dinge zur Gestaltung des Zimmers mitzubringen, etwa Fotos von Ihren Liebsten. Im Vergleich zu normalen Patientenzimmern sind auch nur wenige zusätzliche Maßnahmen und Vorgaben notwendig, um eine weitgehende keimarme Umgebung zu gewährleisten. In der Umkehrisolation sollten Sie sich hauptsächlich in Ihren Patientenzimmer aufhalten, da wir Sie dort am besten vor Keimen schützen können.

Das bedeutet:
  • Nur leicht zu desinfizierende Gegenstände mitbringen
  • Keine Blumen und Topfpflanzen mitbringen (lassen), da sich im Wasser oder der Blumenerde Keime gut vermehren können
  • Fenster dürfen nicht geöffnet werden
  • Das Patientenzimmer wird von der Reinigung jeden Morgen gründlich geputzt. Badezimmer und Toilette sogar zweimal täglich.
  • Flächendesinfektion zweimal täglich (Stühle, Tische, etc.)
  • Leerung der Abfalleimer zweimal täglich
  • Luftfilteranlagen sind in jedem Zimmer vorhanden
  • Türen müssen geschlossen sein

WICHTIG: Schutz beim Verlassen der Station

Stehen aber Untersuchungen in anderen Bereichen der Klinik an, sind folgende Maßnahmen erforderlich:

  • Mund – und Nasenschutz anlegen
  • Grüne Einmalschutzkittel tragen, befinden sich vor den Patientenzimmern
  • Händedesinfektion beim Verlassen und Betreten der Station sowie nach Kontakt mit anderen Personen oder Gegenständen