Krankheitsbilder

Harnwegsinfekt, Inkontinenz und Co.

Die Bandbreite nephrologischer und urologischer Krankheitsbilder ist groß. Wir haben hier die Informationen zu den häufigsten Erkrankungen in kurzer Übersicht für Sie zusammengefasst.

Harnwegsinfekt, Inkontinenz und Co.

Unsere beiden Teams behandeln Kinder aller Altersgruppen, vom Säugling bis zum jungen Erwachsenen. Entsprechend breit gefächert sind Symptome und Behandlungsmöglichkeiten. Nachfolgend finden Sie eine kurze Begriffsklärung und die gängigste Therapieform der  häufigsten Erkrankung. Die finale Entscheidung beruht aber immer auf dem individuellen Zustand der PatientInnen.

Die Nieren spielen bei der Regulierung des Blutdrucks eine zentrale Rolle, darum ist eine Untersuchung der Organe beim Nachweis einer Hypertension im Kindes- oder Jugendalter sinnvoll. Im Vorfeld wird die Diagnose des erhöhten Blutdruckes in der Regel durch eine 24-Stunden-Messung gesichtert – bringen Sie diese Ergebnisse doch bitte mit in unsere Ambulanz.
Im Rahmen unserer Blutdruckabklärung erfolgt u.a. die Untersuchung des Urins sowie eine Ultraschalluntersuchung inklusive der Durchblutungsmessung.

Eins vorweg: Der alleinige Nachweis von etwas Blut im Urin ohne sonstige Krankheitszeichen ist häufig und in fast allen Fällen harmlos. Die Sorge etwa vor einem Tumor ist praktisch unbegründet und kann durch eine einfache Ultraschalluntersuchung entkräftet werden. Im Rahmen der Untersuchung zur Abklärung wird bei uns der Urin auf Blut- und Entzündungszellen sowie Eiweiß untersucht sowie die Nieren und die ableitenden Harnwege mit Hilfe eines Ultraschalls dargestellt.

Sollten Vorbefunde vorliegen, so bringen Sie diese doch bitte mit in unsere Ambulanz.

Eine erhöhte Ausscheidung von Eiweiß im Urin sollte auf alle Fälle kindernephrologisch abgeklärt werden, denn sie kann ein Symptom für eine schwerwiegendere Erkrankung  (etwa einer Nierenschädigung) sein. Dringlich ist eine Diagnostik bei zusätzlichen Symptomen wie Schwellungen der Augen und Beine, Fieber, blutigem Urin oder Bluthochdruck.

Zur Diagnosestellung werden eine körperliche Untersuchung, Urin- und Blutuntersuchungen sowie eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, bei Bedarf ergänzt durch eine Nierenbiopsie und feingewebliche Untersuchung.

Gar nicht mal selten ist die sogenannte „orthostatische Proteinurie“, die überwiegend bei Jugendlichen auftritt. Dabei handelt es sich um eine Eiweißausscheidung, die nicht in liegender Position (zB Schlaf) auftritt. Diagnostisch ist die Untersuchung des ersten Morgenurins wegweisend, in diesem wird - im Gegensatz zu Urinproben im Laufe des Tages – keine erhöhte Eiweißausscheidung gefunden.

Infektionen der Harnblase (= Cystitis) oder der oberen Harnwege (= Nierenbeckenentzündung) gehören zu den häufigsten Infektionen, die eine antibiotische Therapie oder sogar einen stationären Aufenthalt im Kindesalter bedingen. Nicht selten bestehen organische Probleme, die eine gesteigerte Neigung zu solchen Infektionen begründen. Dazu zählen:

  • Blasenentleerungsstörungen
  • Harntrakterweiterungen
  • Vesiko-ureteraler Reflux
  • Nierensteine
  • Vorhautverengung oder Schamlippenverklebungen
  • u.a.m.

Gerade bei wiederholten Infektionen sollte eine weiterführende Diagnostik erfolgen. Hier kommen unter anderem Urin- und Ultraschalluntersuchung zum Einsatz. Die Suche nach einem Reflux kann auch in unserer Ambulanz mit Kontrast-Ultraschall ohne Strahlenbelastung durchgeführt werden.

Je nach Ursache der Infektionsneigung können medikamentöse oder operative Behandlungen nötig werden. In fast allen Fällen lässt sich so der klinische Verlauf deutlich bessern.

Abflusstörungen des Urins entstehen durch angeborene Engstellen, entweder am Abgang des Harnleiters aus dem Nierenbecken (= Ureterabgangsstenose) oder am Eintritt des Harnleiters in die Blase (= Uretermündungsstenose mit Megaureter).  Harntransportstörungen sind vielfältig, deshalb muss ein individueller Therapieplan für jeden Patienten erstellt werden. Sie können zu Funktionsstörungen der Nieren oder Infektionen des gestauten Urins führen. Ziel der Behandlung ist das Abwenden möglicher Nierenschäden. Ob dabei eine abwartende oder eine operative Therapie erfolgen sollte, kann häufig schon mit einem qualifizierten Ultraschall direkt in unserer Sprechstunde festgelegt werden. Ergänzt wird die Diagnostik teils durch Kontrast- und Funktionsprüfungen.

Sämtliche operativen Verfahren wie Nierenbeckenplastik, Harnleiterneueinpflanzungen oder passagere Ableitungen werden in unserer Abteilung mit hoher Expertise durchgeführt. Wir helfen auch bei komplizierten Fällen oder als Zweimeinungszentrum.

Sind nach der Geburt ein oder sogar beide Hoden nach der Geburt nicht im Hodensack tastbar, wird dieses Phänomen als Hodenhochstand (Kryptorchismus) bezeichnet. Die Hoden befinden sich dann meist im Leistenkanal oder im Bauchraum und werden nicht ausreichend gekühlt. Hier ist eine operative Therapie ab dem 1. Geburtstag notwendig. Es handelt es sich um kleinen Eingriff, der in den meisten Fällen tagesstationär durchgeführt werden kann. 

Unter einer Hypospadie versteht man die fehlerhafte Anlage der Harnröhre mit unterschiedlich weit an die Penisunterseite verlagerter Harnröhrenmündung. HIer ist eine Operation notwendig. Das genaue Vorgehen dabei ist variabel, richtet sich nach dem vorliegenden Befund und wird im Vorfeld in einem Gespräch mit der Familie erläutert. Der stationäre Aufenthalt dauert ca. 4 bis 7 Tage.

Inkontinenz ist definiert als der ungewollte Urinabgang tags und/oder nachts bei einem Kind nach dem 5. Lebensjahr. Teilweise bestehen weitere Symptome wie Harnwegsinfektionen oder Verstopfung. Zur genauen Diagnostik der Blasenproblematik ist dringend ein Miktionsprotokoll (Tagebuch über Toilettengänge) über 2 Tage zu führen, das bereits zur ersten ambulanten Vorstellung vorliegen sollte.
Zum Ausschluss einer schwerwiegenden organischen Inkontinenz werden körperliche Untersuchung, Ultraschall und Uroflowmetrie eingesetzt, in speziellen Fällen kann auch weitere Bildgebung (MRT) oder eine Blasenfunktionsmessung erfolgen.

Je nach Einordnung der Blasenkontrollstörung wird dann ein therapeutischer Plan erstellt, der uro-therapeutische oder medikamentöse Maßnahmen umfassen kann.

Nierensteine im Kindesalter sind seltener als bei Erwachsenen, dafür bei den Betroffenen aber oft viel hartnäckiger. Beschwerden sind v.a. kolikartige Schmerzen etwa in der Flanke oder in die Leiste ausstrahlend. Meistens können auch Blutbeimengungen im Urin nachgewiesen werden. Im Ultraschall sind Nierensteine gut zu diagnostizieren, Röntgenuntersuchungen sind in der Regel nicht notwendig. Manchmal können die Steine vom Patienten selbst ausgeschieden werden - wenn nicht, stehen verschiedene interventionelle oder operative Techniken zur Verfügung.

Zur weiteren Diagnostik sollte eine Stein- und Urinanalyse erfolgen, je nach Ergebnis lassen sich dann weitere Maßnahmen zur Vermeidung kommender Steine planen

Unter einem vesiko-ureteralen Reflux versteht man das Zurückfließen (Reflux = Rückfluss) von Urin aus der Harnblase zur Niere. Das häufigste Problem bei VUR sind wiederkehrende Harnwegsinfektionen. Die Diagnose kann mit Röntgenkontrast aber auch mit strahlungsfreier Ultraschalluntersuchung gestellt werden. Beides ist in unserer Klinik möglich.
Da viele Refluxe eine spontane Heilungsrate aufweisen, kann häufig einfach abgewartet werden. Dabei gelingt es mit einer niedrig-dosierten Antibiotikaprophylaxe weitere Infektionen zu verhindern. Sollte die spontane Heilung jedoch ausbleiben und das Kind weiterhin symptomatisch sein, ist eine weitergehende Therapie zu planen. In vielen Fällen kann der Reflux durch eine nicht-operative Behandlung wie eine Deflux-Unterspritzung im Rahmen einer Blasenspiegelung geheilt werden. Einige Patienten benötigen jedoch eine offene, zum Glück aber kleine Operation. Welches Verfahren bei Ihrem Kind zum Einsatz kommt, wird an die persönlichen Befunde angepasst

Eine krankhaft verengte Vorhaut oder Symptome wie mehrfache Infektionen können eine Korrektur-Operation erfordern. Je nach Ausgangsbefund und familiärer Präferenz stehen radikale oder vorhauterhaltende Operationsmethoden zur Verfügung. Der Eingriff kann in den meisten Fällen tagesstationär durchgeführt werden.

Darüber hinaus gibt es natürlich noch zahlreiche weitere Krankheitsbilder, die wir behandeln. In unseren Sprechstunden und auf der Station erfolgen Diagnostik und Therapie sämtlicher nephro- und urologischer Erkrankungen mit Ausnahme der Dialyse und Transplantation. Sollte eines dieser Verfahren notwendig sein, arbeiten wir eng mit den entsprechenden Stellen, etwa umliegenden Uni-Kliniken zusammen.