Krankheitsbild der Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis)

Steißbeinfisteln entstehen dadurch, dass sich Haare in die Haut zwischen den Gesäßseiten einbohren und so zu entzündeten Gängen (Fisteln) führen.
Dies führt dann im Steißbereich zu Abszessen und Eiterbildung sowie Schmerzen im Afterbereich. Die Folge des Sinus pilonidalis sind dann chronische, eitrige Entzündungen im Steißbereich.
Die Krankheit schreitet fort und ist oft sehr schmerzhaft und von alleine nicht zu beheben.
In einem ersten Schritt können Salbenpräparate und spezielle Sitzbäder die Beschwerden einer akuten Entzündung abschwächen.
Dennoch ist eine operative Behandlung unumgänglich.

Operationsverfahren

Hierbei handelt es sich um eine minimalinvasive Behandlung des Sinus pilonidalis mit sehr guten Heilungserfolgen.
Diese kleinstmögliche operative Behandlung beim Sinus pilonidalis wurde 1980 von dem Amerikaner John Bascom beschrieben. Er konnte in Studien nachweisen, dass die in der Gesäßfalte liegenden Fisteln über eine Strecke von wenigen Millimetern mit Haut ausgekleidet sind. Daher können sich diese kleinen Fisteln (Pits) nicht spontan verschließen. Sie bleiben offen und die Entzündung wird weiter durch zusätzlich unter die Haut gelangenden Haare und Bakterien aufrechterhalten.
Im Gegensatz zum kompletten Ausschneiden und Offenlassen des kompletten Sinus pilonidalis mit langwieriger offener Wundbehandlung werden daher bei der Pit Picking Operation nur die stets offenen von Haut ausgekleideten Fistelgänge (Pits) äußerst sparsam ausgeschnitten. Es entstehen dann 2-3 mm große Wunden in der Gesäßfalte. Seitlich der Gesäßfalte wird ein 1 bis 1,5 cm langer Entlastungsschnitt mit Verbindung zu dem entzündeten Hohlraum unter der Haut mit den gepickten Fistelstellen gesetzt. Über den Entlastungsschnitt kann sich dann alles Entzündliche entleeren. So werden die kleinen Wunden nach Picken der Fistelgänge in der Gesäßfalte geschützt und können durch Vernarbung abheilen und sich verschließen.  In der Folge verklebt dann auch der ehemals entzündete Hohlraum unter der Haut und heilt komplett ab.
Der Verband kann 1-2 Tage nach der Operation abgenommen werden. Danach erfolgt die offene Wundbehandlung und es werden in die Gesäßfalte nur noch Einlagen wie Kompressen oder Binden eingelegt. Die Wunde soll dann durch Duschen oder Baden so wie frische Kleidung sauber gehalten werden.
In der Regel trocknet die Wunde innerhalb von 2 bis 3 Wochen komplett aus und die Einlage ist dann ebenfalls trocken. Dies kann aber im Einzelfall auch 6-8 Wochen dauern.
In Relation zu der geringen Belastung des Eingriffes hat die Pit Picking Operation eine Rückfallquote von nur 10-20 Prozent im Gegensatz zu 10-30 Prozent beim kompletten Ausschneiden und Offenlassen der Wunde.
Bei einem Rückfall kann die Pit Picking Operation beliebig oft wiederholt werden, wenn dies sinnvoll erscheint. Bei schweren Fällen wird eine plastische Operation nach Karydakis durchgeführt. Ein früher und oftmals noch heute verbreitetes Ausschneiden und Offenlassen des kompletten Sinus pilonidalis mit langwieriger offener Wundbehandlung wird daher bei uns nicht mehr durchgeführt.

Der griechische Chirurg G. Karydakis führte Ende der 1960er Jahre eine neue Operationsmethode für die Steißbeinfistel ein, bei der die Wunde seitlich der Gesäßfalte liegt. Die Fisteln werden hierbei hauptsächlich auf einer Seite ausgeschnitten. Dann wird die Haut mobilsiert und zur Gegenseite gezogen. Somit liegt die Wunde mit der Naht ca. 1-2 cm seitlich der Mittellinie und kann gut verheilen.
Karydakis hat das Wissen über die Steißbeinfistel bis heute nachhaltig verändert. Er erkannte, warum die alten Operationsmethoden mit Ausschneiden und Offenlassen der Wunde oder Naht in der Gesäßfalte zu schlechten Ergebnissen mit zum Teil über Jahre nicht abheilenden Wunden und Rückfallraten von 10 bis 30 Prozent führen. Da sich Wunden in der Gesäßfalte (Mittellinie) in einem feuchten, verschmutzten, bakterienbesiedelten und sauerstoffarmen Milieu befinden, können diese dort nur schlecht abheilen. Durch plastisches Verschieben der Wunde seitlich der Gesäßfalte werden gute Heilungsbedingungen ermöglicht.
Die Operation der Steißbeinfistel nach Karydakis hat eine Rückfallquote von nur ungefähr 1%. Es existieren noch weitere abgewandelte plastische Operation der Steißbeinfistel (Cleft Lift Operation nach Bascom oder die Limberg’sche Operation), die letztendlich auf dem Prinzip der Operation nach Karydakis beruhen.  Auch sie haben daher nur niedrige Rückfallquoten.