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Wissen Coloproktologie

Tabuthema Hämorrhoiden

Was viele gar nicht wissen: Haemorrhoiden sind zunächst einmal keine Erkrankung, sondern ein wichtiges Element unseres Darms, das wir normalerweise gar nicht wahrnehmen. Unangenehm wird es erst, wenn sie sich verlagern.

Das Haemorrhoidalleiden basiert auf einer Erweiterung der Blutgefäße und dem Absinken des Schwellkörpers. Wissenschaftlich sind die Ursachen dieses Phänomens noch nicht gänzlich geklärt. Nachfolgend haben wir viele verschiedene Informationen rund um diese immer noch sehr schambehaftete Erkrankung zusammengestellt.

Verschiedene Faktoren, die wir zum Teil durch unser Verhalten beeinflussen können, werden als mögliche Ursachen vermutet:

  • Stuhlgangverhalten
    • Das willentliche Unterbrechen des Entleerungsreflexes durch Anspannung des äußeren Schließmuskels führt zu einer längeren Verweildauer von Stuhl im Enddarm. Dort wird dem Stuhl weiter Wasser entzogen, so dass es zu einer weiteren Verfestigung des Stuhls kommt.
    • Starkes Pressen beim Stuhlgang übt Druck auf den Schwellkörper aus und drückt diesen nach unten. Geschieht dieses Pressen, ohne dass der Entleerungsreflex ausgelöst ist, ist der Schwellkörper mit Blut gefüllt. Der ausgeübte Druck nach unten behindert dann den Abfluss des Blutes aus dem Schwellkörper.
    • Unsere Toiletten laden zum Sitzen ein. Das Sitzen ist allerdings nicht die günstigste Körperhaltung für den Stuhlgang. Die anatomisch ideale Position für den Stuhlgang ist das Hocken.
  • Druck auf den Schwellkörper mit begleitender Blutabflussbehinderung wird auch ausgeübt durch schwere körperliche Tätigkeit oder das Ausüben von Kraftsportarten durch Erhöhung des Bauchinnendrucks.
  • Die Schwangerschaft führt auch zu einer Druckerhöhung im Bauchraum und zur Abflussbehinderung des Blutes, sodass insbesondere kurz vor und während der Geburt Haemorrhoidalprobleme entstehen können.   
  • Auch genetische Veranlagungen zu einer Venenschwäche oder einer Bindegewebsschwäche mögen eine Rolle bei der Entstehung eines Haemorrhoidalleidens spielen.
  • Wann immer möglich, sollte die Toilette aufgesucht werden, wenn der Stuhldrang ausgelöst wird.
  • Wir sollten es vermeiden, den Entleerungsvorgang selbst zu initiieren, indem wir Dauersitzungen im stillen Örtchen abhalten oder durch starkes Pressen den Stuhlgang erzwingen wollen.
  • Eine abwechslungsreiche ballaststoffreiche Ernährung bei großzügigem Trinkverhalten begünstigt einen angenehmen Stuhlgang. Da Ballaststoffe von unserem Körper nicht verdaut werden können, füllt sich der Enddarm schneller als bei einer Ernährung mit wenig Ballaststoffen. Je schneller der Enddarm die Stuhlmenge angesammelt hat, die den Reflex zur Entleerung auslöst, desto geschmeidiger ist der Stuhl. Je länger der Stuhl im Enddarm verbleibt, desto mehr Flüssigkeit wird ihm entzogen und desto fester wird er.
  • Bewegung ist auch für einen unproblematischen Stuhlgang wichtig. Denn körperliche Bewegung fördert das Auslösen des Entleerungsreflexes.

Es ist nicht verwunderlich, dass das Haemorrhoidalleiden in Entwicklungsländern weniger verbreitet zu sein scheint als in Industrienationen. Dort essen die Menschen ballaststoffreich, bewegen sich viel und verrichten ihren Stuhlgang noch häufig in hockender Position.

  • Hämorrhoiden 1. Grades: Meist bestehen bei diesem Stadium keine längerfristigen Beschwerden. Wenn überhaupt, bemerken die Patienten hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier. Außerhalb des Körpers ist nichts zu sehen.
  • Hämorrhoiden 2. Grades: Patienten bemerken neben den oben beschriebenen Blutungen auch ein Nässen, Brennen oder Jucken im Bereich des Afters. Haemorrhoiden 2. Grades treten durch den ausgeübten Druck beim Stuhlgang aus dem Körper heraus und ziehen sich wieder in den Körper zurück, wenn der Druck nachgelassen hat. Die Patienten bemerken manchmal eine kurzzeitige  „Schwellung“ bei der Reinigung.
  • Hämorrhoiden 3. Grades: Die Haemorrhoidenknoten haben eine Größe erreicht, dass sie sich nach dem Stuhlgang nicht immer von selbst in den Körper zurückziehen. Betroffene Patienten können die Knötchen jedoch mit dem Finger wieder in den Körper zurückdrücken. Neben den oben beschriebenen Beeinträchtigungen leiden Betroffene an analen Schmerzen und an einer Einschränkung ihrer Stuhlhaltefähigkeit. Das heißt, es kommt zu dem sogenannten Stuhlnachschmieren, die Unterhose kann verschmutzt sein. Hinzu kommt bei manchen Patienten ein Fremdkörpergefühl oder der Eindruck einer unvollständigen Darmentleerung.
  • Hämorrhoiden 4. Grades: Die ausgetretenen Haemorrhoidalknoten lassen sich nicht mehr in den Körper zurückführen. Sie befinden sich dauerhaft außerhalb des Körpers vor dem After. Wenn sich auch die Schleimhaut des Analkanals heraus stülpt, spricht man von einem Anal- und/oder Schleimhautvorfall.

Die Behandlung von Haemorrhoidalbeschwerden richtet sich nach den Beschwerden und dem Grad des Haemorrhoidalvorfalls.  

  • Bei Haemorrhoiden 1. Grades sollte die Lebensweise dahingehend angepasst werden, dass für eine abwechslungs- und ballaststoffreiche Ernährung, eine großzügige Trinkmenge und ausreichend Bewegung gesorgt wird. Dem Stuhldranggefühl sollte mit einem Toilettengang nachgekommen und Pressen beim Stuhlgang vermieden werden. Ziel eines solchen Verhaltens ist es, dem Schwellkörper die Chance zur Erholung zu geben oder ein Fortschreiten des Haemorrhoidalleidens zu verhindern. Zur raschen Linderung von begleitenden Beschwerden, wie zum Beispiel ein Juckreiz, können zeitweilig Salben und Zäpfchen genutzt werden.  
  • Bei Haemorrhoiden 2. Grades ist häufig eine Verödungsbehandlung (Sklerosierung) oder die Anlage von Gummibandligaturen sinnvoll.
    • Sklerosierung: Die Haemorrhoidalknoten werden durch das Einspritzen eines Medikaments (Äthoxysklerol) zum Schrumpfen gebracht.
    • Gummibandligatur: Ein enges Gummiband schnürt dem Haemorrhoidalknoten an der Basis die Durchblutung ab. Gummiband und Knoten fallen nach ein paar Tagen von selbst ab. Wenn diese Behandlungsmaßnahmen nicht den gewünschten Erfolg haben, ist eine Laserbehandlung der Haemorrhoiden möglich. Diese minimalinvasive Therapie zählt allerdings schon zu den operativen Methoden.  
  • Haemorrhoiden 3. und 4. Grades erfordern als Behandlung in der Regel operative Eingriffe. Welche Operationstechnik geeignet erscheint, hängt von dem individuellen Befund ab. Wir bieten alle anerkannten Operationsverfahren an und setzen diese individuell angepasst an die jeweilige Situation ein.

Wenn Sie Fragen zu bestimmten Abläufen in unserer Abteilung oder zu speziellen Themen haben, sprechen Sie uns jederzeit an.

Claudia Mücke

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Claudia Mücke

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