Was macht die Neuroradiologie eigentlich genau?

Was macht die Neuroradiologie eigentlich genau?

Die Neuroradiologie beschäftigt sich mit der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks und der dazugehörigen Gefäße. Doch wie läuft eine Behandlung im Notfall in unserem Klinikum eigentlich genau ab? Anhand einer Patientengeschichte erfahren Sie mehr darüber, wie die hochqualifizierte Rund-um-die-Uhr-Betreuung von Schlaganfallpatienten in unserer Fachabteilung funktioniert.

  1. Notaufnahme und CT

    Herr Meier fährt mit seiner Frau im Auto zum Einkaufen. Plötzlich verliert er die Kontrolle über sein Fahrzeug und fährt, zum Glück mit geringer Geschwindigkeit, an einen Ampelmast. Seine Frau bemerkt gleich, dass etwas nicht stimmt. Ihr Mann kann den linken Arm nicht mehr bewegen, sein linker Mundwinkel hängt herab. Seine Sprache ist schwer verständlich. Geistesgegenwärtig ruft Sie sofort die 112 an. Nur neun Minuten später trifft der Rettungswagen ein.

    Herr Meier wird mit dem Rettungswagen in die Notaufnahme des Helios Klinikums München West gebracht. Dort wird er von einem Neurologen untersucht. Die Verdachtsdiagnose: Schlaganfall. Um zu unterscheiden, ob es sich um einen blutigen oder einen nicht-blutigen Schlaganfall handelt, wird unverzüglich eine Computertomographie (CT) durchgeführt.

    Dort stellt sich heraus, dass Herr Meiereinen nicht-blutigen Schlaganfall hat. Die rechte mittlere Gehirnarterie ist durch ein Blutgerinnsel verschlossen.

  2. Katheterlabor

    Herr Meier hat einen akuten, sogenannten „ischämischen“ Schlaganfall. Die Ursache ist ein plötzlich aufgetretener Verschluss der rechten mittleren Hirnarterie durch ein Blutgerinnsel. Jetzt muss schnell gehandelt werden, damit Herr Meier die besten Chancen für eine Genesung bekommt. Das verschlossene Blutgefäß im Kopf muss so schnell wie möglich wieder eröffnet werden, damit das Gehirn durchblutet und dadurch wieder mit Sauerstoff versorgt wird. Je länger der Verschluss besteht desto geringer sind die Chancen auf eine Besserung der Symptome.

    Herr Meier bekommt ein Medikament, dass den Verschluss auflösen soll. Da dieses Medikament bei größeren Verschlüssen meist nicht ausreichend wirksam ist, wird Herr Meier unverzüglich in das Katheterlabor gebracht. Dort wird er von Anästhesisten in einen künstlichen Schlaf versetzt(Intubationsnarkose). Sodann entfernen Neuroradiologen mit einer hochentwickelten Mikrokathetertechnik, speziellen Stents und Absaugkathetern das Blutgerinnsel aus dem verschlossenen Gehirngefäß und stellen so die normale Durchblutung des Gehirns wieder her. Herr Meier wacht aus der Narkose auf. Es geht ihm schon besser. Er wird auf die Schlaganfallspezialeinheit, die sogenannte „Stroke-Unit“ gebracht.

  3. Stroke Unit und MRT

    Herr Meier wird nun auf die Schlaganfall-Spezialstation (Stroke Unit) gebracht. Hier wird er von hochspezialisierten Ärzten und Pflegekräften weiterversorgt. In sehr regelmäßigen Abständen wird sein klinischer Zustand beurteilt und sein Blutdruck überwacht, um bei Änderungen sofort reagieren zu können. Wenn es um das Gehirn geht, können Minuten entscheidend sein. Auch wird nach den Ursachen für das Blutgerinnsel gesucht, um weitere Schlaganfälle verhindern zu können.

    Herr Meier kann innerhalb von Stunden seine linke Seite wieder völlig normal bewegen. Die Schwierigkeiten beim Sprechen sind verschwunden. Am nächsten Tag wird noch ein MRT des Gehirns gemacht. Es sind dort nur minimale Zeichen der durchgemachten Durchblutungsstörung nachzuweisen - ein voller Erfolg der Behandlung! Dies war nur möglich, da alle beteiligten Helfer, angefangen bei Frau Meier, geistesgegenwärtig und schnell gehandelt haben. 

    Drei Tage nach dem Schlaganfall kann Herr Meier schon wieder nach Hause entlassen werden.