Bewegungsstörungen

Eine Vielzahl neurologischer Erkrankungen kann zu Bewegungsstörungen mit Über- oder Unterbeweglichkeit führen.

Eine Vielzahl neurologischer Erkrankungen kann zu Bewegungsstörungen mit Über- oder Unterbeweglichkeit führen. Bewegungsstörungen mit Unterbeweglichkeit sind hierbei deutlich häufiger zu finden. Zu dieser Gruppe zählen vor allem die Parkinsonsyndrome. Durch geeignete Diagnostik und Therapie können die Erkrankungen heute bereits im Frühstadium erkannt und gezielt behandelt werden. Im Einzelfall (zum Beispiel Normaldruckhydrozephalus, Infektion oder Intoxikation) ist eine direkte kausale Therapie möglich, wodurch ein Fortschreiten der Symptome effektiv verhindert werden kann. Durch den Einsatz moderner Medikamente in unterschiedlichsten Darreichungsformen können heute aber auch bei Erkrankungen, deren Ursache nicht direkt beseitigt werden kann, Prognose und Verlauf erheblich verbessert werden. Ausschlaggebend ist, dass Diagnostik und Therapie von einem geschulten Neurologen durchgeführt werden.

Neben der ausführlichen klinischen Untersuchung gehört zur Grunddiagnostik die Durchführung eines Computer- oder Magnetresonanztomogramms des Schädels, eines Elektroencephalogramms (EEG) sowie im Einzelfall auch die Durchführung einer Nervenwasseruntersuchung.


Parkinsonsche Erkrankung (idiopathisches Parkinsonsyndrom)

Der Morbus Parkinson gehört zu den häufigsten Bewegungsstörungen. Bei der Erkrankung kommt es unter anderem zu einem fortschreitenden Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im sogenannten Mittelhirn, dessen Ursache bis heute nicht vollständig geklärt ist. Nach Untergang von circa 50 bis 70 Prozent dieser Zellen kommt es zu ersten motorischen Symptomen, die in der Regel einseitig beginnen. Die motorischen Leitsymptome sind Muskelsteifigkeit (Rigor), Zittern (Tremor) und verminderte Beweglichkeit (Hypokinese).


Da die Symptome nicht immer gleichwertig ausgeprägt sind, unterscheidet man klinisch zwischen dem „akinetischen“ Typ, dem „Tremordominanztyp“ und dem „Äquivalenztyp“. Dies hat auch große Bedeutung für die Therapie, da nicht alle Symptome gleich gut auf die unten angeführten Medikamente ansprechen. Am häufigsten festzustellen ist eine zunächst einseitige Steifigkeit der Muskulatur mit Zittern der Hand vor allem in Ruhe. Häufig findet sich auch eine nach vorne gebeugte Haltung mit oft langjährig vorbestehenden Rücken-/Schulterschmerzen. Ein deutlich herabgesetztes Riechvermögen und eine Schlafstörung mit lebhaften Träumen, die motorisch „ausagiert“ werden, können ebenso lange Jahre vorausgehen. Im Verlauf kommt es nach durchschnittlich fünf bis sieben Jahren zur Ausprägung einer zunehmenden Gangstörung mit kleinschrittigem Gang, vermehrten Wendeschritten, Standunsicherheit und erhöhter Fallneigung. Daneben können zahlreiche vegetative Begleiterscheinungen auftreten (Darmträgheit sowie Blutdruckschwankungen mit Blutdruckabfall im Stehen). Auch depressive Verstimmungen und Schmerzen können im Verlauf die Lebensqualität stark beeinträchtigen, sofern sie nicht erkannt und gezielt mitbehandelt werden.


Die Therapie sollte immer auf jeden einzelnen Patienten individuell zugeschnitten werden. Sie richtet sich unter anderm nach den Symptomen, dem Erkrankungsalter, Begleiterkrankungen und eventuell vorhandener Begleitmedikation. Beim idiopathischen Parkinsonsyndrom sprechen die Symptome am besten auf das Medikament L-Dopa an. Dieser Nervenbotenstoff kann direkt ergänzt werden und führt in der Regel prompt zu einer Verbesserung der Beschwerden. Insbesondere bei jüngeren Patienten kann alternativ die Gabe von so genannten Dopa-Agonisten oder von Medikamenten, die die Verfügbarkeit des körpereigenen Dopamins erhöhen, erwogen werden. In mittleren oder Spätstadien werden meist Kombinationen aus verschiedenen Medikamenten verwendet. Weiterhin können verschiedene andere therapeutische Optionen wie zum Beispiel Medikamentenpumpen oder die Implantation eines Hirnschrittmachers (tiefe Hirnstimulation) zum Einsatz kommen. Begleitend ist in jedem Erkrankungsstadium eine intensive Krankengymnastik und gegebenfalls Ergotherapie von besonderer Bedeutung. Ergänzend können ferner im Verlauf eine logopädische und neuropsychologische Betreuung sehr wertvoll sein.


Um die Therapie bestmöglich planen und optimieren zu können, wird für geeignete Patienten in unserer Abteilung auch die sogenannte Parkinsonkomplextherapie angeboten.

Flyer zum Download Weitere Informationen zur Parkinsonkomplextherapie erhalten Sie hier.