Sport und Darmkrebs

Warum körperliche Fitness bei Darmkrebs so wichtig ist

Warum körperliche Fitness bei Darmkrebs so wichtig ist

Regelmäßige Bewegung ist wichtig für die Gesundheit. Dr. med. Konstanze Berlinger, Oberärztin der Gastroenterologie, und Dr. med. Markus Friedel, Oberarzt der Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Onkologischen Chirurgie, erklären, warum die richtige Bewegung für Darmkrebspatienten wichtig ist und welche Sportart nach einer Darmkrebsoperation geeignet ist.

„Neben einer gesunden Ernährung, ausreichend regelmäßigem Schlaf und dem nur mäßigen Konsum von Alkohol oder Nikotin gehört regelmäßige körperliche Bewegung zu einem gesunden Lebensstil.“

Dr. med. Konstanze Berlinger, Oberärztin der Gastroenterologie am Helios Amper-Klinikum Dachau
Expertin am Helios Amper-Klinikum Dachau: Dr. Konstanze Berlinger. (© Helios)

Denn Sport bringt ganz allgemein Körper und Geist in Schwung:

  • Herz- und Kreislauferkrankungen wird vorgebeugt
  • die Muskulatur wird gestärkt
  • das Körpergewicht reguliert
  • die Tiefenatmung wird verbessert
  • das Immunsystem wird aktiviert

Warum beugt ein gesunder, aktiver Lebensstil Darmkrebs vor?

Laut wissenschaftlichen Studien senkt Sport das Darmkrebs-Risiko. (© iStock/Jacob Ammentorp Lund)

Ein gesunder Lebensstil hat Einfluss auf die Entstehung von Darmpolypen und kann Krebs verhindern. Darmkrebs entsteht in den meisten Fällen aus Darmpolypen. Wissenschaftliche Studien konnten zeigen, dass Darmpolypen in Zusammenhang mit dem Lebenswandel stehen.

Personen, die sich regelmäßig sportlich betätigen, haben in Querschnittsuntersuchungen und prospektiven Kohortenstudien weniger Kolonpolypen (Adenome) und ein um bis zu 30 Prozent geringeres Darmkrebsrisiko. Bereits 30 bis 60 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Tag gehen mit einem geringeren Darmkrebsrisiko einher.

Außerdem findet sich eine Korrelation zwischen dem Auftreten von Kolonpolypen (Adenomen) und kolorektalen Karzinomen und einem höheren BMI als auch einer Zunahme des Bauchumfangs. Dieser Effekt ist ab einem BMI von > 25 kg/m2 nachweisbar und nimmt linear mit dem BMI zu. Bei Männern ist er stärker als bei Frauen ausgeprägt. Bei übergewichtigen Personen sowie insbesondere bei stammbetonter Adipositas war das Risiko für ein Kolonkarzinom bis zu zweifach erhöht. Noch ist unklar, ob die Risikoerhöhung durch das Übergewicht, veränderte Hormonspiegel, die erhöhte Kalorienaufnahme oder durch die fehlende körperliche Aktivität verursacht wird.

Sollte eine Darmkrebs-Behandlung notwendig sein, ist ebenfalls ein körperlich fitter, aktiver Mensch im Vorteil. Je gesünder eine Patientin oder ein Patient in eine Operation hineingeht, umso schneller wird sie oder er sich hinterher erholen.

Welche Sportart hilft gegen Darmkrebs?

Auch ein Spaziergang tut dem Körper gut. (© iStock/greenleaf)

„Die eine Darmkrebs-Sportart gibt es nicht – auch um das Darmkrebs-Risiko zu senken ist jede Art von Sport geeignet“, erklärt Dr. med. Konstanze Berlinger. Wichtig, erläutert es der Experte, sei vielmehr, dass eine Patientin oder ein Patient sich regelmäßig bewegt.

Um körperlich fit zu werden oder zu bleiben, sollte am besten jede Woche zwei bis drei Mal Sport betrieben werden – bereits 30 bis 60 Minuten genügen. Wer seine Fitness steigern möchte, fängt mit kleineren Einheiten an, die sukzessive gesteigert werden.

„Schon ein zügiger Spaziergang hilft“, erklärt die Oberärztin für Gastroenterologie „und Laufen, Joggen, Schwimmen oder Radfahren lassen sich erfahrungsgemäß am besten in den Alltag integrieren.“

 

Sport nach der Darmkrebs-OP

Dr. Markus Friedel ist Oberarzt der Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Onkologischen Chirurgie am Helios Amper-Klinikum Dachau. (© Helios)

Heutzutage werden Patientinnen und Patienten bereits wenige Stunden nach einer Darmkrebs-Operation wieder auf die eigenen Beine gestellt. Ziel ist, die eigene Aktivität und die körperlichen Fähigkeiten von Tag zu Tag zu steigern. Dieses Ziel sollte auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus beibehalten werden.

„Ein Sporttagebuch oder ein Schrittzähler können eine gute Unterstützung sein, um die eigene Fitness zu dokumentieren“, so Dr. med. Markus Friedel „Denn so sind auch kleine Fortschritte sichtbar, was zusätzlich motiviert.“

Wichtig ist, dass sich Betroffene vorsichtig an die alte Leistungsfähigkeit herantasten und sich von anfänglicher körperlicher Schwäche nicht demotivieren lassen. Dieser Prozess kann durchaus einige Wochen oder gar Monate dauern.

Nach einer Bauchoperation sollte man zunächst mit starker körperlicher Belastung, insbesondere gezieltem Bauchmuskeltraining vorsichtig sein. Jede Bauchoperation stellt ein grundsätzliches Risiko eines Narbenbruches dar, abhängig davon, ob die Operation in Schlüssellochtechnik oder mit einem größeren Bauchschnitt durchgeführt wurde. Wann und mit welchem Sport wieder begonnen werden kann, wird ihnen detailliert ihr behandelnder Arzt mitteilen. Gegen Spazierengehen, Walken und Fahrradfahren spricht nach Entlassung aus dem Krankenhaus unabhängig von der Operationstechnik nichts.

Schneller Fit nach einer Darm-OP mit dem ERAS-Programm

Mobil werden mit dem ERAS-Programm: Frisch operierte Personen sollen sich möglichst viel bewegen. (© iStock/Stigur Mar Karlsson/ Heimsmyndir)

Das ERAS-Programm wurde entwickelt, damit Patientinnen und Patienten in ihrem körperlichen Gleichgewicht durch eine Operation möglichst wenig beeinträchtigt werden. ERAS steht für Enhanced Recovery After Surgery und ist ein interdisziplinäres Konzept, um speziell nach einer Darm-Operation wieder zügig auf die Beine zu kommen. Durch die zielgerichtete, aktive Mithilfe der Patientin und des Patienten wird die Heilung nachweisbar positiv beeinflusst.

Das ERAS-Programm baut auf den aktiven Patienten und hat sich zum Ziel gesetzt, Darm-Patientinnen und -Patienten von Anfang an möglichst eng in alle Behandlungsschritte einzubinden, um ihnen langfristig möglichst viel Selbstständigkeit zu erhalten. Eine am Helios Amper-Zentrum Dachau entwickelte Broschüre unterstützt den Patienten praxisorientiert und individuell bei jedem Schritt seiner Genesung.

Auch im ERAS-Programm hat Bewegung einen hohen Stellenwert: Bereits dem Frisch-Operierten wird empfohlen, sich möglichst viel zu bewegen, um die eigene Mobilität zu erhalten und die Heilung zu fördern – auch damit die Darmaktivität wieder Fahrt aufnehmen kann.

Eine individuelle Schmerztherapie und beispielsweise eine optimierte Nachsorge sind weitere wichtige Punkte des ERAS-Programms, das vor allem die individuell optimale Genesung zum Ziel hat.
 

Spezielle Sportkurse für Krebspatientinnen und Krebspatienten?

Viele Krankenhäuser und Physiotherapeuten haben Sportkurse für Krebspatienten in ihrem Programm. Informationen hierzu erhält der Patient meist schon in der Klinik.

Sport in der Gruppe gibt zusätzliche Motivation zur körperlichen Aktivität und auch der soziale Aspekt wirkt unterstützend. Doch auch Radfahren, Schwimmen, Wandern oder Laufen sind allen Darmkrebspatienten zu empfehlen.

Sport mit Stoma?

Nur positive Effekte: Sport hebt die Stimmung, verbessert die Leistungsfähigkeit und reduziert die Schmerzwahrnehmung. (© iStock/Ridofranz)

„Auch Stoma-Träger sollten sich körperlich fit halten“, empfiehlt Dr. Friedel.

Hierbei gelten dieselben Grundsätze wie bei Patienten ohne künstlichen Darmausgang, obwohl das Risiko für einen Narbenbruch etwas erhöht ist. Insbesondere stellt auch Schwimmen für Stomaträger keine Beeinträchtigung dar, da das Stoma in diesem Fall mit speziellen Beuteln oder einer Stomakappe unauffällig versorgt werden kann. „Jeder Patient sollte mit seinem behandelnden Arzt und Stomatherapeuten besprechen, was es zu beachten gilt, dann steht auch bei Stoma-Trägern der körperlichen Aktivität nichts im Wege.“

Sport und Psyche

Regelmäßige sportliche Betätigung wirkt sich nachweislich positiv auf die Psyche aus, denn der Körper schüttet während des Sports Opioide und Endorphine aus, die im Volksmund auch Glückshormone genannt werden.

Körperliche Ertüchtigung hat deshalb für Darmkrebspatientinnen und Darmkrebspatienten nur positive Effekte: Bewegung hebt die Stimmung, verbessert die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit und hemmt gleichzeitig die Schmerzwahrnehmung.

Titelbild: © iStock/BartekSzewczyk