Krankheitsbild und Therapie

Welche Beschwerden deuten auf eine Beckenbodenschwäche?

  • Druckgefühl
  • Vorfallgefühl
  • Blasenschwäche (häufiger und plötzlicher Harndrang, Inkontinenz bei Belastungen
  • Blasenentleerungsstörungen
  • Störungen der Darmfunktion (Gase oder Stuhl zu halten)

 

Welche Formen von Harninkontinenz gibt es bei Frauen?

Belastungsinkontinenz

Urinverlust bei Druckanstieg im Bauchraum (häufig nach Schwangerschaften/ Geburten, nach den Wechseljahren infolge Gewebealterung, in der Folge von chronischem Husten oder schwerer körperlicher Arbeit)

Dranginkontinenz (überaktive Blase)

Urinverlust bei plötzlichem, nicht unterdrückbarem Harndrang, auch bei geringer Blasenfüllung. In 80% der Fälle findet sich keine medizinische Ursache. Die Dranginkontinenz kommt z.B. auch vor bei längerfristig schlecht eingestelltem Diabetes, bei M-Parkinson und anderen neurologischen Erkrankungen sowie nach Schlaganfällen)

Mischformen

In 40% der Fälle von Inkontinenz finden sich Mischformen aus Belastungs- und Dranginkontinenz. Hier ist die Behandlung nicht ganz einfach und richtet sich danach, welche Beschwerden im Vordergrund stehen.

Seltene Formen der Harninkontinenz

sind die neurogene Inkontinenz, die z.B. erstes Zeichen einer MS sein kann

 

Wie können Sie als Betroffene selbst im Vorfeld eine Einschätzung der Harninkontinenz vornehmen?

Durch Aufschreiben, wann Sie etwas trinken und wann Sie Wasser lassen. Das geschieht in einem sog. Miktionstagebuch, dort wird auch notiert, ob und wann Harndrang auftritt und wann wieviel Urin verloren geht. Wenn Sie Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin noch mehr Informationen mitbringen wollen, messen Sie einfach mit einem Messbecher die Menge des entleerten Urins. Und bringen Sie möglichst einen Morgenurin zur Untersuchung mit, damit eine Blasenentzündung ausgeschlossen werden kann.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Das hängt von den Beschwerden und deren Ursache ab. Um die bestmögliche Behandlung für Sie zu finden, sind Untersuchungen nötig, die u.U. von Ärzten verschiedener Disziplinen durchgeführt werden müssen.

Da Beckenbodenfunktionsstörungen bei der Frau oft mit Lageveränderungen der weiblichen Geschlechtsorgane verbunden sind, ist immer auch eine (uro-)gynäkologische Untersuchung nötig, bei der die Lage von Gebärmutter und Scheide beurteilt werden. Abhängig von der Art der Blasenbeschwerden kann eine Blasenspiegelung oder eine Blasendruckmessung erforderlich sein.

Abhängig davon, ob es sich um eine Belastungs- oder Dranginkontinenz handelt, differiert die Behandlung erheblich. Die "eigenmächtig" agierende Blase wird medikamentös behandelt, der schwache Schließmuskel wird durch Physiotherapie, Pessare oder operativ behandelt. Dabei hängt die Art der Operation davon ab, ob zusätzliche Lageveränderungen von Scheide und Gebärmutter bestehen. Ist dies nicht der Fall, gilt heute als das Verfahren der Wahl bei der Belastungsinkontinenz die Einlage eines ca 5mm breiten Bandes aus Polypropylen unter die Harnröhre.

Die Erfahrung des urogynäkologisch tätigen Arztes/Ärztin ist gefragt für die für Sie richtige Entscheidung. Unter Umständen zieht er/sie andere Disziplinen wie den Urologen oder Neurologen hinzu, wenn z.B. Beschwerdebild und Untersuchungsergebnisse nicht stimmig sind.

 

Was passiert bei Darmstörungen?

Eine Schwäche des Darmschließmuskels liegt vor, wenn Winde oder flüssiger Stuhl mit und ohne Dranggefühl nicht gehalten werden können oder wenn nach dem Stuhlgang ein Nachschmieren beobachtet wird.

Der Schließmechanismus des Darmes besteht aus dem inneren Schließmuskel, der nicht willkürlich zu steuern ist, den Hämorrhoiden, einem Gefäßpolster nahe dem Darmausgang, und dem willkürlich gesteuerten äußeren Schließmuskel, der bei Geburten ggtl. zerreißt. Diese Verletzung ist mit einem erhöhten Risiko einer späteren Schließmuskelschwäche verbunden und bedarf daher einer besonders sorgfältigen chirurgischen Versorgung.