Epilepsie - wenn das Gehirn plötzlich aussetzt
Pressemitteilung

Epilepsie - wenn das Gehirn plötzlich aussetzt

Burg

  • Internationaler Epilepsietag am 13. Februar
  • HELIOS Klinik Jerichower Land bietet umfassende Versorgung bei neurologischen Erkrankungen

Die Diagnose „Epilepsie“ bedeutet für viele Betroffene einen tiefen Ein-schnitt in ihr Leben. Zum internationalen Epilepsietag am 13. Februar beantwortet Dr. Falk Wiedemann, Facharzt für Neurologie in der HELIOS Klinik Jerichower Land, die wichtigsten Fragen zum Thema.

 

Der Begriff „Epilepsie“ beschreibt keine einzelne Krankheit, sondern die Folge einer Vielzahl von Hirnerkrankungen. Gemeinsames Merkmal ist eine erhöhte Neigung zu Anfällen, bei denen Nervenzellen im Gehirn gleichzeitig große Mengen elektrischer Signale senden. Epilepsien haben sehr vielfältige Erscheinungsformen, die von leichten Wahrnehmungsstörungen oder einem Kribbeln an Armen und Beinen bis hin zur Bewusstlosigkeit, Stürzen, Krampfen und Zucken der Gliedmaßen reichen können. Einzige Vorboten eines epileptischen Anfalls können eine kurze Unaufmerksamkeit von fünf bis zehn Sekunden Dauer oder ein kurzes Zucken der Augenlider oder eines Armes sein.

 

Epilepsien sind manchmal auf konkrete Ursachen zurückzuführen. „Das können Missbildungen im Gehirn, eine genetische Veränderung, eine Narbe nach einer Hirnverletzung, ein Schlaganfall, eine Hirnhautentzündung oder ein Hirntumor sein“, so der Neurologe. Aber nicht immer lässt sich die Ursache genau klären, wenn sich keine fassbare oder vermutete Grundkrankheit diagnostizieren lässt.

 

Meist bleibt die Erkrankung bis zum ersten Anfall unentdeckt. Wer bereits einen epileptischen Anfall erlitten hat, sollte unbedingt zum Haus- oder Facharzt gehen und sich gründlich untersuchen lassen. „Ist die Vorgeschichte des Betroffenen geklärt, werden üblicherweise die Hirnaktivität und Reaktion auf verschiedene Reize gemessen und Aufnahmen des Gehirns per Magnetresonanztomographie oder Computertomographie angefertigt“, so der Neurologe weiter. Nur so können die Mediziner eine Ursache für den epileptischen Anfall ermitteln. „In einigen Fällen muss sogar das Nervenwasser, der Liquor, untersucht werden, um Entzündungen des Gehirns auszuschließen“, sagt Dr. Wiedemann. Nur so können andere Ursachen wie ein Hirntumor ausgeschlossen werden.

 

Hinter dem epileptischen Anfall steckt eine vorübergehende anfallsartige Funktionsstörung von Nervenzellen im Gehirn. Prinzipiell kann eine große Anzahl starker Reize im Gehirn eines jedes Menschen einen epileptischen Anfall auslösen. „Bei einem sonst gesunden Menschen ist die Aktivität der erregbaren Nervenzellen aber so gering, dass dazu bei Erwachsenen sehr starke Reize notwendig sind. Das können beispielsweise Schlafmangel, Vergiftungen, Alkohol- oder Drogenentzug oder auch unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamenten sein“, erklärt Neurologe Dr. Wiedemann. Hohes Fieber führt vor allem bei Kindern leicht zu Fieberkrämpfen.

Je nachdem, wo die betroffenen Nervenzellen im Gehirn liegen oder wie viele Nervenzellen an diesem Geschehen beteiligt sind, zuckt in der Folge zum Beispiel nur eine Hand oder es verkrampfen sich nahezu alle Muskeln gleichzeitig. Daher unterscheiden Mediziner zwischen drei wesentlichen Anfallsarten:

  • Fokale Anfälle: Sie beginnen an einer konkreten Stelle im Gehirn und können bei vollem Bewusstsein des Betroffenen ablaufen. Typische Merkmale sind Zuckungen der Gliedmaßen, wiederkehrende starke Missempfindungen oder Sprachausfälle. Eine spezielle Form sind die sogenannten komplex-fokalen Anfälle, bei denen für Minuten bis Stunden eine Wesensänderung mit bizarrem Verhalten auftritt, an die sich der Betroffene nicht erinnern kann. 
  • Sekundär-generalisierte Anfälle: Sie beginnen ebenfalls lokal, breiten sich dann allerdings auf as ganze Gehirn aus. Das löst immer Bewusstlosigkeit mit längerer anschließender Desorientiertheit aus.  
  • Generalisierte Anfälle: Diese zeigen sich oft in Form von Bewusstseinspausen, in denen die Betroffenen für mehrere Sekunden bis Mi-nuten geistig abwesend sind und sich später an diesen Aussetzer nicht mehr erinnern können. Dazu zählen auch die sogenannten Grand mal-Anfälle mit Bewusstlosigkeit und Verkrampfungen des ganzen Körpers.

Manche Anfälle wirken vor allem auf Anwesende dramatisch. „Ein einzelner Anfall ist nicht gefährlich für das Gehirn und hört üblicherweise nach ein bis zwei Minuten von selbst wieder auf. Es besteht aber ein hohes Verletzungsrisiko“, stellt Dr. Wiedemann klar. Sehr selten kommt es zu einem Herz-Kreislaufversagen.

 

„Nicht jede Epilepsie wird als große Belastung empfunden. Manche Patienten fühlen sich im Alltag kaum beeinträchtigt, erleiden nur selten Anfälle oder solche, die nicht besonders stören. Andere dagegen haben mit zahlreichen oder heftigen Anfällen zu kämpfen. Ob eine Therapie nötig ist, und wie lange sie fortgeführt werden muss, ist deshalb immer auch eine individuelle Entscheidung, die wir gemeinsam mit dem Patienten treffen“, erklärt Dr. Wiedemann. Die Therapie richtet sich unter anderem nach der Art der Anfälle. Neben einer medikamentösen Behandlung sind auch eine Operation oder eine gezielte Stimulation von Nerven möglich. „Heilbar ist Epilepsie derzeit noch nicht. Patienten können durch ausreichend Schlaf, geringen oder keinen Alkoholkonsum und die Behandlung psychischer Probleme zu einem ‚normalen’ Alltag trotz Erkrankung beitragen“, so der Neurologe weiter.

 

Beim Auftreten eines epileptischen Anfalls geht es vor allem darum, anfalls-bedingte Verletzungen zu vermeiden. Gefahr droht unter anderem beim Hinfallen durch dabei entstehende Verletzungen oder durch falsche „Hilfeleistung“.  „In der Notfallsituation kann ein Laie aber nicht entscheiden, ab wann ein generalisierter Anfall bedrohlich wird. Daher raten wir unerfahrenen Ersthelfern oder Angehörigen, bei  jedem generalisierten Anfall den Rettungsdienst zu rufen, da niemand weiß, wie lange der Anfall andauern wird. Wenn ein Grand mal- Anfall länger als 3 Minuten dauert, kann er gefährlich werden. Der Betroffene muss dann unbedingt ins Krankenhaus gebracht werden“, sagt Dr. Wiedemann abschließend.

 

Tipps für die Erste Hilfe

  • Ruhe bewahren!
  • Die Dauer des Anfalls registrieren.
  • Den Betroffenen liegend aus einer Gefährdungssituation bringen und vor Verletzungen schützen.
  • Beengende Kleidungsstücke (Schal, Halstücher etc.) sollten gelockert bzw. geöffnet und ggf. die Brille abgenommen werden.
  • Den Kopf möglichst auf eine weiche, aber flache Unterlage betten.
  • Den Betroffenen nach dem Anfall in die stabile Seitenlage bringen, vor
  • Unterkühlung schützen und betreuen, bis er wieder ganz wach ist.
  • Keinesfalls sollte man Gegenstände in den Mund stecken, um Zungenbisse zu vermeiden - dabei können den Betreffenden schwere Verletzungen (bis hin zu Kieferbrüchen) zugefügt werden.
  • Zuckende Gliedmaßen festhalten - Knochenbrüche könnten die Folge sein.
  • Versuchen, den Mund zu öffnen, um zu „beatmen“.

 

In der HELIOS Klink Jerichower Land werden seit dem vergangenem Jahr Patienten mit neurologischen Erkrankungen in der Klinik für Innere Medizin betreut.

Klinikkontakt:
HELIOS Klinik Jerichower Land
Klinik für Innere Medizin
Dr. med. Falk Wiedemann, Facharzt für Neurologie
August-Bebel-Straße 55a
39288 Burg
Tel.: (03921) 96-13 35

 

Die HELIOS Klinik Jerichower Land, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Magdeburg, mit eigener Krankenpflegeschule im HELIOS Bildungszentrum Jerichower Land verfügt in acht Fachabteilungen und einer Belegabteilung über 241 Betten. Rund 340 Mitarbeiter versorgen jährlich über 11.000 stationäre Patienten.


Zur HELIOS Kliniken Gruppe gehören 112 eigene Akut- und Rehabilitationskliniken inklusive sieben Maximalversorger in Berlin-Buch, Duisburg, Erfurt, Krefeld, Schwerin, Wuppertal und Wiesbaden, 72 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), fünf Rehazentren, 18 Präventionszentren und 14 Pflegeeinrichtungen. HELIOS ist damit einer der größten Anbieter von stationärer und ambulanter Patientenversorgung in Deutschland und bietet Qualitätsmedizin innerhalb des gesamten Versorgungsspektrums. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

 

HELIOS versorgt jährlich mehr als 4,7 Millionen Patienten, davon rund 1,3 Millionen stationär. Die Klinikgruppe verfügt insgesamt über rund 35.000 Betten und beschäftigt rund 71.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2015 erwirtschaftete HELIOS einen Umsatz von rund 5,6 Milliarden Euro. Die HELIOS Kliniken gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius und sind Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“.

 

Fotocredit: HELIOS Kliniken

 

Pressekontakt:
Katja Boese
Referentin PR/Marketing
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