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Stillen

Stillen

Stillen ist die natürlichste Form, ein Baby zu ernähren, aber auch das muss erst geübt werden. Und der Anfang ist oft ganz schön schwer! Lassen Sie sich nicht entmutigen von den ersten Schwierigkeiten.

Stillen: Gut für das Kind, gut für die Mutter

Muttermilch ist die beste Nahrung für Säuglinge. Wenn du dein Kind stillst, hat das viele Vorteile:

  • Muttermilch ist gut verdaulich und enthält genau das, was Babys brauchen. Sie ist reich an Abwehrstoffen und schützt das Kleine vor Infektionen und Allergien.
  • Der Haut- und Körperkontakt beim Stillen fördert die Entwicklung eures Babys.
  • Säuglinge, die ausschließlich gestillt werden, bekommen seltener Übergewicht.
  • Stillen ist praktisch, denn du hast die Milch immer dabei und sie hat die richtige Temperatur.
  • Stillen kostet nichts.
  • Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter und hilft beim Abnehmen.

Wenn das Stillen nicht möglich ist, zum Beispiel wegen berufstätigkeit oder weil eine Stillmahlzeit ersetzen soll, kann das Abpumpen von Muttermilch eine gute Möglichkeit sein, um das Baby zu füttern. Auch hilft das Abpumpen bei Babys, die krank oder zu früh geboren sind und dadurch oft zu schwach, um an der Brust zu trinken.

Durch das Ausstreichen der Brust oder mithilfe einer Milchpumpe kann die Milch für das Baby gewonnen werden. Milchpumpen gibt es in verschiedenen Varianten, wobei man sich daran orientieren kann, wie oft und welche Menge an Milch benötigt wird. Manchmal reicht eine einfache Handpumpe aus, bei größeren Mengen sollte man auf eine elektrische Milchpumpe setzen. Diese erhält man in Apotheken, bei der Hebamme oder auch in Sanitätshäusern, wobei die Kosten durch die Krankenkasse bei einer ärztlichen Verordnung übernommen werden.

Bis es so richtig mit dem Abpumpen klappt, bedarf es ein wenig Übung. Schmerzen sollten dabei aber nicht empfunden werden. Ein kleiner Trick kann sein, dass das Baby nah bei der Mama liegt oder die Brust vor dem Abpumpen mit einem angewärmten Tuch zu erwärmen. Ist die Mama entspannt, fließt die Milch ebenfalls leichter. Beim Umgang mit Muttermilch ist Hygiene oberstes Gebot. Neben dem Händewaschen vor dem Abpumpen müssen regelmäßig auch Pumpe und Babyflaschen desinfiziert, ausgekocht oder mit einem Dampfsterilisator keimfrei gehalten werden.

Sind die Brustwarzen wund oder liegt ein Milchstau vor, kann es nötig sein, dass die Brust ausgestrichen oder Milch abgepumpt werden muss.
Beim sog. Ausstreichen der Brust sind keine Hilfsmittel notwendig und die Brustwarzen werden geschont. Es bedarf etwas Zeit und Übung, eine kurze Anleitung hilft dabei.
Das Brustgewebe sollte durch feuchte Wärme (Wickel) und eine sanfte Massage vorbereitet und gelockert werden.

Wenn von einer Mastitis gesprochen wird, handelt es sich um eine schmerzhafte Schwellung der Brust. Oft geht dies einher mit Verhärtungen, Rötungen, Fieber und Überwärme. Ursache dafür ist meist eine bakterielle Entzündung der Brustdrüse. Die Muttermilch fließt nicht richtig ab und es wird für das Baby immer schwieriger genügend Milch zu trinken. Das Stillen soll nicht eingestellt werden, da die Milch der entzündeten Brust im Allgemeinen nicht gefährlich ist für das Baby. Ohne ärztlichen Rat oder die Begleitung der Hebamme sollte eine Brustentzündung nicht behandelt werden. Sollten sich die Beschwerden bis 48 Stunden nicht deutlich bessern, muss unter Umständen ein Antibiotikum verabreicht werden. Hier werden ausschließlich Medikamente verwendet, die auch mit dem Stillen vereinbar sind.

Für stillende Mütter ist es wichtig, regelmäßig zu essen und auch neben der Versorgung des Babys auf die eigene Ernährung zu achten. Abwechslungsreiche, ausgewogene Mahlzeiten mit nähstoffreichen Lebensmitteln mit viel Vitaminen und Mineralstoffen sollten stillende Mütter zu sich nehmen. Gerade in den ersten Monaten nach der Geburt wird ein zusätzlicher Kalorienbedarf von 500 Kalorien täglich benötigt. Wenn Sie langsam etwas abnehmen ist der Kalorienbedarf genau richtig. Von Diäten während der Stillzeit wird unbedingt abgeraten. Viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, mageres Fleisch, Seefisch und Milchprodukte sollten täglich auf dem Speiseplan stehen, da sie viele Vitamine, Eiweiß und Mineralstoffe liefern. Auch Trinken ist für stillende Mütter wichtig. Sie sollten reichlich und regelmäßig trinken und pro Tag ca. zwei Liter Flüssigkeit mit Mineralwasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees zu sich nehmen.

Innerhalb von zwei bis fünf Tagen nach der Geburt werden die Brüste größer, spannen und werden druckempfindlich. Die Milch „schießt ein“ und ersetzt die sogenannte Vormilch (Kolostrum), welche bis dahin das Baby beim Stillen ernährt. Die „Übergangsmilch“ ist eine Zwischenstufe zwischen der Vormilch und der Muttermilch, welche bis zum 15. Tag nach der Geburt gebildet wird. Manche Frauen klagen über allgemeines Unwohlsein und haben Hitze- und Spannungsgefühle in der Brust. Wird das Baby nach seinem Bedarf gestillt, gewöhnt sich die Brust schnell an die Milchproduktion.
Etwas Linderung können wie beim Milchstau feucht-warme Umschläge oder das Herausstreichen von etwas Milch mit der Hand schaffen.

Ein sog. Milchstau kann entstehen, wenn die Milchgänge durch das Baby beim Trinken nicht vollständig entleert werden. Die Brust schmerzt und fühlt sich prall und gespannt an. Ursachen dafür sind bspw. zu enge Still-BHs, Fettklümpchen der Milch oder zu wenig Ruhe beim Stillen neben einer ungünstigen Stillposition.
Lässt sich der Milchstau durch ausgiebiges Stillen und Anlegen des Babys nicht auflösen, kann Ausstreichen der Brust unterstützen. Auch kann im Notfall eine Handmilchpumpe zum Einsatz kommen. Die Bereiche der Brust, die verhärtet sind, können durch feucht-warme Umschläge vor und nach dem Stillen sowie auch zwischen den Stillmahlzeiten Linderung schaffen. Hebammen und Stillberaterinnen geben stillenden Müttern Tipps und Anleitungen, um bei einem Milchstau zu helfen.

Der kleine Erdenbürger bestimmt von Beginn an, wann und wie lange gestillt wird. Denn so kann sich die Milchbildung nach den Bedürfnissen des Babys einstellen und es wird die ausreichende Menge an Milch produziert. Hat ein Baby Hunger macht es sich durch nickende Suchbewegungen mit dem Kopf oder Sauggeräuschen mit den Lippen bemerkbar. Weinende Babys zeigen bereits deutlich, dass sie Hunger haben.
Wie lange dann die Stillmahlzeit dauert, hängt vom Baby ab, denn jedes Kind ist verschieden. Nächtliche Pausen gibt es in ersten Lebenswochen noch nicht. Zwischen den Mahlzeiten sollten nicht länger als vier Stunden liegen. Bei Bedarf kann das Baby auch sanft geweckt werden und zum Stillen angelegt werden.

Während der Stillzeit sollen Mütter am besten ganz auf Alkohol verzichten, da dieser in die Muttermilch übergeht und somit in den Körper des Kindes. Bis heute ist nicht eindeutig nachgewiesen, welche Mengen das Baby schädigen können. Nachgewiesen ist, dass Alkohol Auswirkungen auf die Milchbildung hat und weniger Milch gebildet wird. Wer dennoch in der Stillzeit ausnahmsweise nicht auf das Gläschen Wein verzichten möchte, sollte das Baby möglichst vorher stillen, so dass genügend Zeit zwischen den Stillmahlzeiten verbleibt.

Müssen während der Stillzeit Medikamente eingenommen werden, ist dies oft unbedenklich für das Baby, da nur sehr geringe Mengen in die Muttermilch übergehen. Vor jeder Anwendung sollte dennoch der Arzt befragt werden. Gerade bei längerer Einnahme oder chronischen Erkrankungen sollte eine ärztliche Begleitung während der Stillzeit erfolgen. Die Einnahme der Medikamente soll vorzugsweise zeitversetzt zwischen den Stillmahlzeiten erfolgen. Bei Bedarf kann vorher auch Milch abgepumpt werden, um diese vorübergehend mit der Flasche zu geben.

Mütter (und auch Väter) sollten während der Stillzeit nicht rauchen. Zahlreiche Giftstoffe gehen in die Muttermilch über, auf die das Baby empfindlich reagiert. Oft sind die Folge häufige Atemwegserkrankungen und Erbrechen. Wer nicht auf das Rauchen verzichten kann, sollte darauf achten, dass in der Nähe des Kindes und auch während der Stillmahlzeit nicht geraucht wird. Auch bereits das Passivrauchen birgt Gefahren.  

Übung und Geduld sind das A und O beim Stillen von Zwillingen. Es ist schon eine kleine Herausforderung Zwillinge zu ernähren. Man kann beide Babys gemeinsam stillen oder auch hintereinander. Entweder es spart Zeit oder die „Zweisamkeit“, wenn einzeln gestillt wird, steht im Vordergrund. Je nach individuellem Trinkverhalten der Babys kann auch eine Zwiemilch-Ernährung unterstützen. D.h., dass jedes Baby abwechselnd gestillt und mit der Flasche gefüttert wird. Unterstützung und Ratschläge finden stillende Mütter bei der Hebamme oder im Gespräch mit anderen Zwillingseltern.

Die Vormilch (medizinische Bezeichnung: Kolostrum) ist ein Vorstadium der reifen Muttermilch. In den ersten Tagen nach der Geburt wird die gelblich, dickflüssige Milch gebildet. Sie ist besonders nährstoffreich sowie fett- und eiweißhaltig und reich an Abwehrstoffen, die wichtig für den Aufbau des Immunsystems sind. Die Vormilch ist leicht verdaulich und regt den ersten Stuhlgang des Babys nach der Geburt an.

Gerade in der Anfangszeit ist es nicht ungewöhnlich, dass die Brustwarzen beim Stillen empfindlich sind. Es dauert daher auch einige Tage, bis sich die Brüste an die neue Belastung gewöhnt haben. Sobald die richtige Stillposition gefunden ist, bedarf es ein wenig Übung. Wunde und schmerzende Brustwarzen sind ein Zeichen dafür, dass das Baby nicht richtig saugen kann, das es nicht richtig angelegt ist. Einige Tipps können dabei helfen, wunde Brustwarzen zu vermeiden. Eine bequeme Sitz- oder Liegeposition, der Körper des Babys der Mutter zugewandt und eine ruhige und entspannte Umgebung lassen die Milch gut fließen. Sind die Brustwarzen sehr wund, können ein wenig Muttermilch, welche an der Luft trocknet oder hochreines Wollfett aus der Apotheke Linderung schaffen. Auch eine vorübergehende Stillpause ersetzt durch Abpumpen kann die entzündeten Brustwarzen schnell zum Abheilen bringen.

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