Geboren im Jerichower Land

Das Wochenbett

Das Wochenbett

Das Wochenbett kann für die werdenden Eltern und das neugeborene Baby eine ganz besondere Zeit werden.

Das Wochenbett beschreibt die erste Zeit nach der Geburt eines Babys. In diesen Wochen sollen sich Mutter und Kind von den Strapazen der Geburt erholen und die Bindung aufgebauen und festigen. Diese Zeit dient der Heilung, Regeneration und Ankunft.

Das Wochenbett ist für viele Frauen eine besonders emotionale und überwältigende Zeit. Dies liegt zum einen an der völlig neuen Situation mit vielen Herausforderungen, zum anderen aber auch daran, dass die Hormone nach Schwangerschaft und Geburt plötzlich verrückt spielen. Heulattacken, Stimmungsschwankungen und Verstimmungen sind gar nichts ungewöhnliches in dieser Zeit, werden von vielen Frauen aber als sehr belastend wahrgenommen.

In den ersten Tagen nach der Geburt (meisten zwischen dem 3. und 10. Tag, fühlen sich viele Mütter möglicherweise niedergeschlagen und weinerlich oder sind leicht gereizt. Diese Stimmungsschwankungen sind auch bekannt als Baby Blues und treten sehr häufig auf. Keine Mutter sollte sich deswegen Vorwürfe machen. Der Grund für diese Stimmung sind die großen körperlichen und psychischen Anstrengungen von Schwangerschaft und Geburt. Dazu kommen die starken, hormonellen Veränderungen nach der Geburt. Oft helfen Ruhe, Fürsorge und Unterstützung durch den Partner und/oder andere nahestehende Menschen. Sollten diese Gefühle länger anhalten und einen Monat nach der Geburt immer noch vorhanden sind, können dies Anzeichen für eine Wochenbett-Depression sein. Zur Behandlung ist dann Hilfe von Fachkräften erforderlich.

Bei der Geburt wird, durch den Kopf des Kindes, das Gewebe zwischen Scheide und After sehr stark gedehnt. Dadurch kann es zu einem Dammriss kommen. Manchmal kann ein Dammschnitt notwendig werden, um den Scheideneingang zu erweitern und ein unkontrolliertes Reißen des Dammgewebes zu verhindern. Der Schnitt wird später in örtlicher Betäubung genäht und auch die Fäden müssen nicht gezogen werden, sondern lösen sich von alleine auf. Ein paar Tage nach der Geburt kontrolliert meist eine Hebamme oder eine Frauenärztin, ob die Naht gut heilt. Nach ungefähr 4 Tagen hält die Naht schon gut zusammen. Nach ungefähr 10 Tagen besteht eigentlich keine Gefahr mehr.

Durch die Naht ist das Sitzen und Gehen nach der Geburt oft erschwert. Hier können folgen Tipps zu Linderung verhelfen:

  • Kühlen: Durch das Kühlen wird eine eventuell auftretende Schwellung verringert. Außerdem wirkt die Kälte schmerzlindernd.
  • Spülen: Sehr angenehm ist es, wenn nach jedem Toilettengang der Scheidenbereich mit warmen Wasser abspült wird. Sitzbäder von fünf bis zehn Minuten sind auch sehr wohltuend. Danach den Bereich vorsichtig trocken tupfen.
  • Hygiene: Wechselt zusätzlich bei jedem Toilettengang die Binden. Diese sollten anfangs gut luftdurchlässig sein, also keine Plastikbeschichtung an der Unterseite enthalten.
  • Druckentlastung: So wenig wie möglich hinsetzen. Liegen oder auch mal zu stehen entlastet das Gewebe, es wird besser durchblutet und heilt somit besser. Sitzringe können helfen, den Druck auf das Gewebe und die Naht besser zu verteilen.  
  • Ernährung: Eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeit regen die Verdauung an und helfen einer Verstopfung vorzubeugen.

Während der Schwangerschaft vergrößert sich die Gebärmutter um das 20-fache und nimmt an Gewicht von ca. 50-60 Gramm auf 1.000-1.500 Gramm zu. Im Verlauf des Wochenbetts bildet sie sich annähernd auf ihre ursprüngliche Größe. Wichtig ist, die konstante Gebärmutterrückbildung. Das wird die Hebamme bei ihren Hausbesuchen regelmäßig kontrollieren. Die Rückbildung wird von mehreren Faktoren beeinflusst, wie zum Beispiel von der Kindsgröße, Fruchtwassermenge, Mehrlingen, Füllungszustand der Harnblase, Stillverhalten und dem Geburtsmodus.

Nachwehen entstehen, wenn sich die Gebärmutter nach der Geburt wieder zusammenzieht, um in ihren ursprünglichen Zustand zurückzukehren. Die Nachwehen können einige Tage anhalten. Gerade beim Stillen kann ein Zusammenziehen der Gebärmutter spürbar sein. Der Grund: Das Hormon Oxytocin beeinflusst nicht nur die Milchausschüttung, sondern fördert auch die Nachwehen. Stillen kann auf diese Weise zur Rückbildung beitragen. Frauen empfinden die Kontraktionen als unterschiedlich stark: von einem unauffälligen Ziehen bis hin zu richtig schmerzhaften Nachwehen. Mit der Schmerzintensivität von echten Wehen sind sie allerdings in den meisten Fällen kaum zu vergleichen. Gegen die Schmerzen kann zum Beispiel eine Wärmflasche helfen.

Nach der Geburt sind Bauch und Beckenboden noch geschwächt. Mit Rückbildungsgymnastik findet der Körper wieder zurück zur alten Form. In den ersten Wochen nach der Geburt nach der Geburt braucht der Körper noch Schonung und Ruhe. Dennoch können Frauen bereits in den Tagen nach der Geburt beginnen, die Tiefenmuskulatur im Bauch und Beckenboden durch leichte Übungen anzuregen. Durch sanfte Bewegung, speziellen Atemübungen und leichtem Anspannen des Beckenbodens wird die Muskulatur wieder aktiviert. Hier können Hebammen und Physiotherapeuten hilfreiche Tipps geben. Frühestens sechs bis acht Wochen nach der Geburt, wenn mögliche Verletzungen an Damm oder Scheide abgeheilt sind, kann man mit einem sogenannten Rückbildungskurs beginnen. Bei Frauen mit Kaiserschnitt muss die ­Wunde gut verheilt sein, die Naht darf nicht mehr schmerzen. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen (10 Stunden), wenn der Kurs spätestens vier Monate nach der Geburt begonnen und spätestens neun Monate nach der Geburt beendet wird.

Bewegung tut nicht nur in der Schwangerschaft gut. Aber der Körper braucht zunächst einmal Zeit, um sich von der Geburt zu erholen. Die Bauch- und Beckenbodenmuskulatur ist noch gedehnt und die Bänder und das Gewebe sind noch weich und nicht so belastbar wie vor der Schwangerschaft.
Erst wenn der Rückbildungskurs abgeschlossen ist und Ärzte oder Hebammen grünes Licht geben, kann langsam mit dem Training begonnen werden. Hier sollten die Mütter zunächst mit Walken, Schwimmen oder Radfahren beginnen. Wer ins Fitnessstudio geht, lässt sich am besten dort beraten, welche Übungsauswahl sinnvoll ist. Wer sein Kind mit einem Kaiserschnitt bekommen hat, sollte sich zunächst erholen. Schließlich ist ein Kaiserschnitt eine richtige Operation, und die unterschiedlichen Narben-schichten müssen langsam zuwachsen. Wer stillt, sollte möglichst vor dem Sport zu stillen, denn mit vollen Brüsten Sport zu treiben, kann unangenehm sein. Außerdem sollten die Brüste durch einen geeigneten Sport-BH gut gestützt werden.

Kurz nach der Geburt fühlen sich viele Mütter plötzlich traurig, niedergeschlagen und ängstlich (Baby-Blues). Bessert sich die Stimmung nach ein paar Tagen nicht wieder auf, kann das ein Anzeichen für eine Wochenbett-Depression sein. Oft kommen zwiespältige Gefühle dem Kind gegenüber oder übersteigerte Ängste hinzu, eine schlechte Mutter zu sein und dem Kind nicht gerecht werden zu können.

Die häufigsten Symptome einer Wochenbett-Depression können sein:

•    anhaltende Niedergeschlagenheit
•    Energiemangel
•    Reizbarkeit
•    Angstattacken
•    Selbstzweifel
•    Schlafstörungen

Wochenbett-Depressionen kommen häufiger vor als viele denken und betreffen etwa 10 bis 15 Prozent der Mütter. Die Behandlung hängt von ihrem Schweregrad ab. Meist helfen schon Anteilnahme und Zuwendung sowie tatkräftige praktische Unterstützung und Entlastung im neuen Alltag. Eine anhaltende oder schwere Depression dagegen ist eine ernste Erkrankung und muss ärztlich behandelt werden. Deshalb sollten Mütter mit einer länger anhaltenden Niedergeschlagenheit Rat und Hilfe suchen. Vor allem in der Zeit der Wochenbettbetreuung kann die Hebamme eine wichtige Ansprechpartnerin sein. Erfahrene Hebammen kennen die Schwierigkeiten, die bei Frauen nach der Geburt auftreten können. Auch Haus-, Frauen- oder Kinderärztinnen und -ärzte können weiterhelfen.

Neun Monate lang sind Mutter und Kind über Nabelschnur und Plazenta miteinander verbunden. Nach der Geburt des Kindes zieht sich die Gebärmutter zusammen. Dadurch löst sich die Plazenta von der Gebärmutterwand ab und es entsteht eine Wundfläche, die abheilen muss. Die Wundheilung geht mit Blutungen einher, dem sogenannten Wochenfluss (Lochien). Auch Frauen mit einem Kaiserschnitt haben den Wochenfluss, denn auch bei ihnen löst sich die Plazenta von der Gebärmutterwand und hinterlässt eine Wunde. Wie lange die unterschiedlichen Phasen des Wochenflusses dauern ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Es ist ein Heilungsprozess, dem man Zeit geben sollte. Bei stillenden Frauen versiegt er etwas schneller.In dieser Phase ist das Infektionsrisiko für Frauen besonders hoch. Deshalb sollte während des Wochenflusses auf ein ausgedehntes Vollbad verzichtet werden und auch Sex sollte nur unter Benutzung eines Kondoms stattfinden.

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