Geboren im Jerichower Land

Ablauf der Geburt

Ablauf der Geburt

Jede Geburt ist einzigartig und wir bemühen uns diesen Augenblick dennoch so individuell wie möglich zu gestalten.

Werdende Eltern stehen einige Tage vor dem errechneten Geburtstermin zwischen Vorfreude und gespannter Erwartung. Vorwehen oder Übungswehen treten in den letzten Wochen der Schwangerschaft auf. Weitere „Vorboten“, welche die die bevorstehende Geburt ankündigen, sind u.a. ein Tiefersinken des Bauches, das Köpfchen des Kindes drückt verstärkt auf die Harnblase und den Darm, der Abgang des Schleimpfropfes, der den Muttermund verschlossen hat oder auch allgemeine Unruhe.

Am Ende der Schwangerschaft ist das Kind von etwa einem Liter Fruchtwasser umgeben. Wenn die Fruchtblase reißt, geht Fruchtwasser tröpfchenweise oder auch als großer Schwall ab. Jetzt wird es Zeit die Hebamme oder die Klinik zu benachrichtigen. Nach dem Blasensprung setzen in den nächsten Stunden regelmäßige Wehen ein. Bleiben diese aus, ist ärztliche Beobachtung erforderlich, um auszuschließen, dass Keime in die Gebärmutter aufsteigen.

Regelmäßige Wehen signalisieren den eigentlichen Geburtsbeginn und führen dazu, dass sich der Muttermund nach und nach öffnet und den Weg für das Baby freimacht. Zu Beginn sind die Wehen kurz und schwach und haben lange Pausen dazwischen, mit der Zeit werden sie stärker. Sobald die Wehen in regelmäßigen Abständen von ca. zehn Minuten kommen, sollten werdende Eltern die Klinik oder das Geburtshaus aufsuchen oder auch gemeinsam mit der Hebamme die geplante Hausgeburt vorbereiten.


Eine Geburt dauert mehrere Stunden und wird üblicherweise in vier Phasen eingeteilt: die Eröffnungsphase, die Übergangsphase, die Austreibungsphase und die Nachgeburtsphase. Nach der Ankunft in der Klinik / Geburtshaus wird zunächst festgestellt, wie weit die Geburt fortgeschritten ist. Die Hebamme ertastet die Lage des Kindes und prüft durch die innere Untersuchung, wie weit sich der Muttermund schon gedehnt hat. Die Herztöne des Kindes und die Wehentätigkeit werden mit dem CTG geprüft.

Die Eröffnungsphase ist die längste Phase der Geburt und dauert so lange, bis der Muttermund vollständig eröffnet ist. Gegen Ende der Eröffnungsphase kommen die Wehen alle zwei bis drei Minuten und dauern etwa eine Minute an. Das Köpfchen des Kindes tritt allmählich in den Beckenring ein. Es drückt von innen auf den Muttermund, der sich langsam bis auf etwa zehn Zentimeter öffnet. Ist die Fruchtblase noch nicht gesprungen, geschieht dies während der Eröffnungsphase. Nach Abgang des Fruchtwassers drückt nun das Köpfchen des Kindes direkt auf den Muttermund. Die Wehen steigen kräftig an und der Geburtsverlauf wird beschleunigt.
Während der Eröffnungsphasen werden Hebamme und Schwangere gemeinsam sehen, wie die eintretende Erschöpfung und Schmerzen bewältigt werden können. Hier können Entspannungs- und Atemübungen helfen, ein warmes Bad, Rückenmassage oder auch Akupunktur. Auch schmerzlindernde Medikamente oder eine regionale Betäubung (PDA) können unterstützend eingesetzt werden.

Die Übergangsphase ist kurz und schmerzhaft und führt zur vollständigen Öffnung des Muttermundes. Die eigentliche Geburt steht jetzt kurz bevor. Schwangere spüren, wie Wehen plötzlich unregelmäßig werden, schnell aufeinander folgen und schwer zu veratmen sind. Die Erholungspausen dazwischen sind kurz. Hier braucht es viel Zuspruch und Einfühlungsvermögen der Hebamme, da viele Frauen an ihre Grenzen kommen.

Sobald der Muttermund vollständig geöffnet ist, beginnt die Austreibungsphase.Sie ist von starken Wehen geprägt. Mit jeder Wehe wird der Kopf des Kindes weiter durch das Becken geschoben und dreht sich dabei. Je nach Befinden wählt jede Frau während der Austreibung die Position, die sie am einfachsten und der Entspannung dienend empfindet (Badewanne, Hocker, Bett). Nach einigen Presswehen bleibt das Köpfchen bereits in der Wehenpause von außen sichtbar. Hebammen unterstützen den Damm von außen, um den Druck des Kinderköpfchens etwas abzubremsen. Mit den nächsten Presswehen wird zuerst der Hinterkopf, dann die Stirn und dann das ganze Gesicht geboren. Nach einer kurzen Verschnaufpause folgen mit der nächsten Wehe schließlich die Schultern und der Körper des Kindes.

Die Nachgeburtsphase: Bereits kurz nach der Geburt des Kindes zieht sich die Gebärmutter durch die Nachgeburtswehen stark zusammen. Der Mutterkuchen löst sich von der Gebärmutterwand. Durch einige weitere kräftige Wehen werden nun der Mutterkuchen und die Eihäute, die die Fruchtblase gebildet haben, aus der Gebärmutter gedrückt. Die Hebamme entnimmt den Mutterkuchen dann vorsichtig an der Nabelschnur.

Natürlich gilt neben der Mutter auch dem Kind die größte Aufmerksamkeit unter der Geburt. Die moderne Geburtsüberwachung ermöglicht es, die kindlichen Herzschläge und die Wehenfrequenz mittels Wehenschreiber (CTG) aufzuzeichnen und die Herztöne des Kindes sind unter der Geburt mit dem CTG zu überwachen.

Ist das Kind geboren, werden zuerst Augen, Mund und Nase von Blut und Schleim gereinigt. Die Nabelschnur wird meist gern vom frischgebackene Vater durchtrennt. Falls eine Nabelschnurblutspende gewünscht ist, wird Blut aus der Nabelschnurvene entnommen. Der Zustand des Neugeborenen wird nach dem sog. APGAR-Schema beurteilt. Atmung, Puls, Grundtonus (die Muskelspannung), Aussehen (die Hautfarbe) und Reflexe werden mit je maximal zwei Punkten bewertet. Der APGAR-Test wird im Kreißsaal dreimal gemacht: eine, fünf und zehn Minuten nach der Geburt.


Zum Abschluss der Untersuchungen bekommt das Neugeborene in der Klinik ein Namensbändchen, um Verwechslungen zu verhindern.

Im Gegensatz zu ausgereiften Blutzellen im Knochenmark und in den Blutbahnen sind Stammzellen im Nabelschnurblut in ihrer Funktion noch nicht festgelegt. So können sie sich zu wichtigen Bestandteilen des Blutes weiterentwickeln. Diese Blutstammzellen sind in der Lage, die Blutbildung und das Immunsystem eines Menschen zu erneuern. Sie können dazu beitragen, Krankheiten zu heilen, etwa Leukämien, verschiedene andere Erkrankungen des blutbildenden Systems, angeborene Immundefekte und einige Stoffwechsel-Erkrankungen.

Da bei der Geburt Beckenboden und Scheide gedehnt und belastet werden, kommt es nicht selten zu Blutergüssen, Abschürfungen oder kleinen Rissen. Diese heilen meist schnell und komplikationslos ab. Es kann aber auch zu größeren, teilweise nicht sichtbaren Verletzungen kommen.

Kleine Einrisse oder Abschürfungen in der Scheide sind nicht selten. Größere Risse müssen genäht werden. Da das Gewebe der Scheide sehr gut und schnell heilt, verursachen Scheidenrisse kaum Beschwerden. Rissverletzungen der kleinen Venuslippen sind meist so oberflächlich, dass sie nicht genäht werden müssen. Beim Wasserlassen kann es brennen, wenn der Urin über die Wundflächen läuft. Um diese Beschwerden zu lindern, kann man während des Urinlassens Wasser über den Intimbereich laufen lassen.

Ein Dammriss ist die häufigste Verletzung durch die Geburt. Dabei reißt das Gewebe zwischen dem hinteren Rand des Scheidenausgangs in Richtung Darmausgang ein. Wird der Dammriss gut versorgt, heilt er in der Regel in den ersten vier bis sechs Wochen nach der Geburt gut ab.

Unter der geburt weitet sich das Becken der Schwangeren. Eine Überbeanspruchung der Schambeinfuge (sog. Symphyse) - eine Symphysen-Lockerung - bildet sich in der Regel nach der Geburt von selbst zurück. In Einzelfällen wird ein fester Beckengürtel verordnet. Ein Riss der Symphyse (Symphysen-Sprengung) ist dagegen äußerst selten.

Leider kann eine Geburt aber auch zu einer langfristigen Beckenboden-Schwäche führen. Diese ist gekennzeichnet durch unfreiwilligen Urinabgang (Harninkontinenz), mangelnder Kontrolle über den Abgang von Blähungen oder Stuhlgang (Stuhlinkontinenz) und/oder einer Senkung von Organen wie etwa einer Blasen- oder Gebärmuttersenkung. Die erste und wichtigste Behandlung einer Beckenbodenschwäche besteht in der Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur. Durch gezieltes Training lässt sich der Beckenboden nachhaltig stärken, er wird gekräftigt und die Senkung von Organen und/oder die Inkontinenz bessern sich.

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