Zentrum für endokrine Chirurgie

Zentrum für endokrine Chirurgie

Die operative Behandlung von gut- und bösartigen Erkrankungen der Schilddrüse und der Nebenschilddrüse steht im Fokus unserer Arbeit.

Gut zu wissen

Die Schilddrüse dient vordergründig der Jodspeicherung und der Hormonbildung. Sie reguliert aber auch Körperfunktionen wie Wasserhaushalt und Körpertemperatur. 

Schilddrüsenoperationen sind nicht sehr gefährlich. Jede Operation ist jedoch mit Risiken verbunden. Diese bestehen zum einen in der Gefahr der Verletzung des Stimmbandnerven (Nervus recurrens-Parese) und zum anderen in der Mitentfernung der Nebenschilddrüsen. Um das Risiko einer Stimmbandnervenverletzung auf ein Mindestmaß zu reduzieren, führen wir bei jeder Operation ein Neuromonitoring durch. Damit können wir bei der Operation den sehr feinen Stimmbandnerv eindeutig identifizieren. Die Vermeidung der versehentlichen Mitentfernung der Nebenschilddrüsen erfordert ebenfalls eine sehr sorgfältige Operationstechnik und viel Erfahrung des Operateurs. 

Oft ist aufgrund der Diagnostik vor der OP nicht mit letzter Sicherheit festzustellen, ob es sich um einen gut- oder bösartigen Befund handelt. Gerade auch in diesen Fällen ist die OP angezeigt, um eine definitive Klärung der Situation herbeizuführen. Noch während der OP wird das Gewebe durch einen Pathologen im hauseigenen Schnellschnittlabor untersucht, ob ein gutartiger oder ein bösartiger Tumor vorliegt. So werden Nachoperationen vermieden. Ist durch die intraoperative Schnellschnittuntersuchung die Bösartigkeit des Befundes ausgeschlossen, kann meistens ein Teil der Schilddrüse erhalten bleiben. Nur bei völliger knotiger Durchsetzung des Organs ist auch  die Entfernung beider Schilddrüsenlappen notwendig. Selbst die Entfernung der ganzen Schilddrüse kann durch die regelmäßige Einnahme von Schilddrüsenhormontabletten problemlos kompensiert werden.

Liegt ein bösartiger Tumor vor, so wird die gesamte Schilddrüse entfernt. Das ist auch erforderlich zur Vorbereitung der in dieser Situation meistens notwendigen Radiojod-Behandlung. Dabei werden radioaktiv markierte Substanzen verabreicht, die sich im Schilddrüsengewebe oder davon abstammenden Zellen anreichern und dieses Gewebe hochselektiv zerstören. Damit können eventuell vorhandene Metastasen beseitigt werden, sodass die Aussicht auf Heilung groß ist. Das hängt jedoch auch von dem Tumortyp ab. Es gibt gefährlichere und weniger gefährliche Tumorarten - letztere sind deutlich häufiger.

Neben der Entfernung der ganzen Schilddrüse gehört zu der Radikaloperation oftmals auch die Entfernung der Lymphknoten in Schilddrüsen-Nähe. Das Ausmaß dieser so genannten Lymphadenektomie ist abhängig vom Tumortyp und gegebenenfalls schon nachgewiesenen Absiedlungen. So wird bei Tumoren mit vergleichsweise günstiger Prognose (Papilläres Karzinom, follikuläres Karzinom) immer eine sogenannte zentrale Lymphknotenentfernung um Schilddrüse, Kehlkopf und Luftröhre vorgenommen. Bei ungünstigeren Karzinom (Meduläres Karzinom) ist ebenso wie bei ausgedehntem zentralen Lymphknotenbefall auch eine laterale Lymphadenektomie erforderlich. Dabei werden die Lymphknoten in den seitlichen Halsregionen entfernt. Dazu sind Schnitterweiterungen über dem Halswendemuskel erforderlich. 

In geeigneten Fällen können Schilddrüsenoperationen auch minimal-invasiv durchgeführt werden. Dabei wird das zu entfernende Drüsengewebe über einen sehr kleinen Schnitt unter endoskopischer Vergrößerung mit Hilfe eines Spezialgerätes zur Blutgefäßversiegelung herausgeschnitten. Wir wenden dieses Verfahren bei kleineren Befunden an, können damit aber auch ganze Lappenentfernungen vornehmen. Da verständlicherweise bei den Präperationen unter einem sehr kleinen Schnitt die Hautränder durch Hakenzug vermehrt unter Spannung geraten, ist das Risiko einer störenden Narbenbildung bei derartigem Vorgehen eventuell höher als bei den klassischen Schnitten.

 

Wird die Schilddrüse - oder ein großer Teil des Organs - bei einer Operation entfernt, ist im Anschluss meist eine medikamentöse Weiterbehandlung notwendig. Dies wird in enger Absprache mit den behandelnden Nuklearmedizinern in aller Regel von den niedergelassenen Kollegen durchgeführt bzw. organisiert.

Als Nebenschilddrüse werden kleine, etwa linsengroße Drüsenkörper bezeichnet, die normalerweise in direkter Nachbarschaft der Schilddrüse gelegen sind. Üblicherweise besitzt ein Mensch vier derartige Drüsenkörper. Sie produzieren Parathormon, das für die Regulation des Kalziumspiegels im Blut verantwortlich ist. Während die Unterfunktion der Nebenschilddrüsen sehr selten ist, kommt es gelegentlich zur Überfunktion mit vermehrter Parathormonproduktion. Das bewirkt einen Abfall des Blutkalziumspiegels was sich in Kribbelparaesthesien und schlimmstenfalls auch Muskelkrämpfen äußern kann. Außerdem kann diese Erkrankung zur Ausbildung von Nierensteinen, Magengeschwüren und Depressionen führen.

Ursächlich ist meistens die Vergrößerung eines einzigen Drüsenkörpers, es können aber auch alle vier Nebenschilddrüsen überfunktionieren. Läßt sich mittels der verschiedenen Untersuchungen (Ultraschall, Szintigraphie, Computertomographie) eine einzige Drüse als vergrößert identifizieren, kann diese minimalinvasiv über einen kleinen Schnitt direkt über dem Organ entfernt werden. Wenn das nicht der Fall ist oder gar alle Nebenschilddrüsen überfunktionieren (sogenannter sekundärer Hyperparathyreoidismus) müssen auch alle Drüsenkörper intraoperativ angesehen werden. In diesen Fällen werden mindestens drei Drüsenkörper entfernt und ein Teil des vierten Drüsenkörpers in die Muskulatur des Unterarmes transplantiert. Sollte es dann nochmals zu einer Überfunktion kommen, könnte das transplantierte Gewebe an leicht zugänglicher Stelle entfernt werden. Vor, während und nach der Nebenschilddrüsen-Operation erfolgen Blutabnahmen zur Hormonbestimmung, um den Operationserfolg zu überprüfen.

Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET-Untersuchung) gewinnt bei der differentialdiagnostischen Abgrenzung zwischen bösartigen und gutartigen Knoten zunehmend an Bedeutung. So werden von uns viele Patienten mit einem auffälligen PET-Befund operiert, die sich allein auf Grund der üblichen Diagnostik möglicherweise noch nicht einer Operation unterzogen hätten. Bei vielen dieser Patienten liegt dann auch ein bösartiger Tumor vor, der aber noch so klein ist, dass durch die frühe Operation eine sichere Heilung möglich ist.

So erreichen Sie uns

Für weitere Infos und Terminabsprachen sind wir gerne für Sie da. 

Dr. med. Hans Busch

Leiter Zentrum für endokrine Chirurgie, Koordinator Darmkrebszentrum, Oberarzt
Dr. med. Hans Busch

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