Nach fast 60 Jahren – gastroentereologische Bypass-Methode heilt 79-Jährigen Oschersleber
Pressemitteilung
Dr. med. Bert Hanke, Direktor des Zentrums für Innere Medizin schafft in Mitteldeutschland neue Anlaufstelle für PatientInnen

Nach fast 60 Jahren – gastroentereologische Bypass-Methode heilt 79-Jährigen Oschersleber

Oschersleben

Hans-Dieter Kullmann hat Jahrzehnte eine unsichtbare Last mit sich herumgetragen: Beschwerdefrei Essen war für ihn nicht möglich. Zuletzt war es so schlimm, dass er nur noch erbrach. Erst die Feststellung und anschließende seltene Behandlungsmethode der Krankheit in der Bördeklinik gab dem Oschersleber eine neue Lebensqualität. Dr. med. Bert Hanke, Direktor des Zentrums für Innere Medizin informiert gemeinsam mit dem leitender Oberarzt Daniel Ensberg, Leiter des Departements für Gastroenterologie und Oberarzt Thomas Lalla in der Helios Bördeklinik über die neue Behandlungsmethode.

Hans-Dieter Kullmann macht den Eindruck eines rüstigen Rentners, der noch mitten im Leben steht. Das der 79-Jähre fast seit 60 Jahre Probleme beim Essen hat, ist kaum zu Glauben. „Seit 1964 habe ich Probleme bei den Mahlzeiten. Seit ich von der Armee zurück bin, lag vielleicht an dem guten Essen“, fügt er mit einem schelmischen Grinsen hinzu. „Ich hatte als junger Mann schon immer Beschwerden beim Essen. Zwischenzeitlich waren die Symptome einmal besser, aber seit 2008 habe ich mich teilweise nur übergeben“, berichtet der Rentner. Und weiter: „Stellen Sie sich vor, Sie sind zu einer Feier eingeladen oder im Restaurant und trauen sich nicht zu essen. Das ist unangenehm und schränkt ein. Von der Lebensqualität ganz zu schweigen“, erklärt der 79-Jährige.

Den hohen Leidendruck hielt der gebürtige Oschersleber bis zu jenem Silvester 2020 aus: „Ich musste mich ins Krankenhaus Not einweisen lassen, weil es nicht mehr ging. Es folgte die Diagnose gutartige Duodenalstenose - eine seltene, meist angeborene Verlegung mit Einengung des Zwölffingerdarmes, sie kann aber auch als erworbene Erkrankung auftreten. „Der Magenausgang ist bei diesem Krankheitsbild verengt. Die Betroffenen leiden unter Gewichtsverlust, Aufstoßen, Blähungen, unangenehmen Völlegefühl und Erbrechen“, erklärt Dr. med. Bert Hanke, Direktor des Zentrums für Innere Medizin der Bördeklinik.

Der Magenausgang ist bei diesem Krankheitsbild verengt. Die Betroffenen leiden unter Gewichtsverlust, Aufstoßen, Blähungen, unangenehmen Völlegefühl und Erbrechen“, erklärt Dr. med. Bert Hanke, Direktor des Zentrums für Innere Medizin der Bördeklinik.

Wie kann die Stenose behandelt werden?

„Nach der Diagnose wurde mir ein Stent im Magenausgang eingesetzt“, berichtet Hans-Dieter Kullmann. Doch bereits vier Monate nach der Operation entstand wieder eine Stenose bei dem gebürtigem Oscherslebener. Für die behandelnden Ärzte hieß es jetzt, die richtige Behandlungsmethode zu wählen.

„Um die Magenstenose zu behandeln, gibt es drei verschiedene Möglichkeiten.“, erläutert der Leiter des Departements für GastroenterologieDaniel Ensberg. Bei der ersten Behandlungsmethode wird ein selbstexpandierbarer Metallstent eingesetzt, dies ist bei Herrn Kullmann zuerst geschehen. Eine weitere Methode ist das endoskopische Einsetzen eines medizinischen Ballons in die Verengung des Darms. Mit hohem Druck wird die Stenose ausgedehnt, bis die Muskelfasern reißen. Auch diese Ballon-Dilatation muss mehrfach wiederholt werden, um zu einem dauerhaften Erfolg zu führen, so Daniel Ensberg. In einer dritten Behandlungsmethode wird die chirurgische Gastroenteroanastomose, also die Verbindung von Magen zu Dünndarm mit gleichzeitiger Umgehung des Zwölffingerdarmes vorgenommen.

Dr. Hanke zeigt seinem Patienten den Stent

Bei ihrem Patienten Hanse-Dieter Kullmann entschlossen sich die Ärzte der Bördeklinik für den dritten Behandlungsweg. Das Besondere dabei, war die Umsetzung der Behandlungsmethode. Dr. Hanke und der Departementsleiter Daniel Ensberg entschieden sich gemeinsam mit dem chirurgischen Team gegen einen größeren chirurgischen Eingriff. „Wir wollten unserem 79-Patienten aufgrund seiner Vorerkrankungen keiner weiteren OP aussetzen“, erklärt Dr. Thomas Lalla, Oberarzt der Chirurgie. Und weiter: „Auf Vorschlag von Dr. Hanke entschlossen wir uns für eine minimalinvasive endoskopische und nicht chirurgische Gastroendoanastemose bei unserem Patienten von unserem Kollegen vorzunehmen“.

Was passiert bei der Behandlungsmethode „Gastroenteroanastomose“?

Ende 2021 konnte der ein gastroenterologischer Bypass bei dem ehemaligen Maurer gesetzt werden. Zunächst ist über den Mund eine kleine Sonde in den Magen des Patienten gelegt worden und hat diesem mit Kontrastmittel gefüllt. „So dass wir ‚durch die Wände` schauen konnten und anschließend den ca. kugelschreiberbreiten Stent, als neue Verbindung zum Dünndarm einsetzten“, erklärt Dr. Hanke. Und weiter: „Ohne einen großen chirurgischen Eingriff konnte bei Herrn Kullmann ein Hot Axios Stent eingesetzt werden. Dieses röhrenförmige kleine Drahtgeflecht dient als neue Verbindung zwischen dem Magen und Dünndarm“, erklärt der Gastroentereologe. Für den Patienten hat der minimale Eingriff viele Vorteile: Der Schnitt in der Schleimhaut verwächst binnen weniger Stunden und der Patient kann in der Regel nach wenigen Tagen entlassen werden. „Am angenehmsten ist für Herrn Kullmann sicher gewesen, dass er am nächsten Tag schon wieder Essen konnte – ohne sich zu übergeben“, so Daniel Ensberg. „Was das Verhältnis von Risiko und Nutzen angeht, ist der gastroenterologischer Bypass mit Abstand die beste Behandlungsmöglichkeit“, weiß Dr. med. Bert Hanke.

Hans-Dieter Kullmann wurde nach zwei Tagen aus der Bördeklinik entlassen. Bei der Nachsorgeuntersuchung der Operation berichtet der ehemalige Maurer: „Bis auf ein paar Blähungen ab und zu, bin ich beschwerdefrei. Ich kann essen und trinken – eine drastische Verbesserung zu vorher.“  Das der Eingriff in der Nähe seines Wohnortes vorgenommen werden konnte, war für den Patienten erleichternd. Daniel Ensberg berichtet, dass Patienten früher nach Hamburg oder Berlin überwiesen werden mussten. „Seit 2019 haben wir mit Dr. med. Bert Hanke einen Experten im Haus, der das Verfahren kennt und die notwendigen Lehrgänge absolviert hat. Dadurch könne man Betroffene jetzt direkt in Neindorf behandeln“. „Darüber war ich froh“, so der 79-Jährige abschließend.

In Deutschland nehmen ca. 10 Zentren der inneren Medizin die Gastroendoanastemose vor. Eine spezielle Zertifizierung sowie Lehrgänge sind notwendig, damit dieses Verfahren zum Einsatz kommen kann.

Pressekontakt:

Rebecca Jahn

Referentin PR/Marketing Helios Bördeklinik

Telefon

03949 935 230

Die Helios Bördeklinik in Neindorf verfügt in fünf Fach- und zwei Belegabteilungen über 184 Betten. Rund 270 Mitarbeiter versorgen jährlich rund 10.000 stationäre Patienten.

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 120.000 Mitarbeitenden. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien und Lateinamerika und die Eugin-Gruppe mit einem globalen Netzwerk von Reproduktionskliniken. Rund 20 Millionen Patient:innen entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2020 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 9,8 Milliarden Euro.

In Deutschland verfügt Helios über 89 Kliniken, rund 130 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und sechs Präventionszentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,2 Millionen Patient:innen behandelt, davon 4,1 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland 73.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2020 einen Umsatz von 6,3 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 53 Kliniken, davon sechs in Lateinamerika, 70 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 15 Millionen Patient:innen behandelt, davon 14,1 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 40.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2020 einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro.

Das Netzwerk der Eugin-Gruppe umfasst 33 Kliniken und 38 weitere Standorte in zehn Ländern auf drei Kontinenten. Mit rund 1.500 Beschäftigten bietet das Unternehmen ein breites Spektrum modernster Dienstleistungen auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin an. Helios gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius.