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Er war die „Stunde Null“
Pressemitteilung

Er war die „Stunde Null“

Oschersleben

Die Helios Bördeklinik feiert in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Anlass genug, zurückzublicken. In unserer vierteiligen Reihe laden wir zum Streifzug durch die Geschichte ein. Die 101-jährige Ingeborg von Knorre, Frau des wohl einflussreichsten Neindorfer Arztes Dr. Georg von Knorre, erzählt hier aus ihrem Leben rund um die Klinik.

Der 2. Juni 1918 war ein Sonntag. Im lettischen Riga wird Ingeborg von Knorre geboren. Zwei Weltkriege zwingen sie zur Flucht, erst nach Polen, später nach Westdeutschland. Auf ihren Wegen nach Deutschland lernt sie Georg von Knorre kennen. Ebenfalls in Riga geboren, ist der studierte Mediziner über verschiedene Stationen nach Neindorf gekommen. „Nach dem zweiten Weltkrieg war seine bisherige Stelle in Magdeburg besetzt und man riet ihm, in Halberstadt zu fragen. Also machte er sich zu Fuß auf in den Harz, doch dort wurde kein Internist benötigt“, erzählt die mittlerweile 101-jährige. Durch einen Tipp kam er nach Neindorf. Im dortigen Schloss hatte man behelfsmäßig einen Klinikbetrieb aufgebaut, nachdem der eigentliche Klinikbau in Oschersleben den Bomben zum Opfer gefallen war. Im Landkreis sprach man von der „Stunde Null“, denn mit Dr. von Knorre war endlich wieder ein Arzt vor Ort – der Krieg hatte den Großteil vertrieben. Er sollte die Geschichte der Bördeklinik entscheidend prägen.

Dr. Georg von Knorre

1948 heiratete Ingeborg von Knorre ihren Mann und kam aus Westdeutschland nach Neindorf. Dort wohnte ihr Mann noch im Seitenflügel des Schlosses in einem Zimmer. Die Familie von Asseburg, die ihr Schloss dem Klinikbetrieb zur Verfügung gestellt hatte, war hier noch häuslich eingerichtet. Auch zwei Chirurgen wohnten dort. Doch der Internist hatte vorgesorgt und zwei Zimmer im Rentamt organisiert, die er mit seiner Frau bezog. Bis in die siebziger Jahre wohnten sie dort mit ihren beiden Kindern. Dr. Georg von Knorre fand seine Passion in der Neindorfer Klinik und den Patienten des Landkreises. „Er war leidenschaftlicher Arzt, ging früh aus dem Haus und kam, sofern es Kaffee gab, nachmittags für eine halbe Stunde rüber. Dann ging er wieder in die Klinik, bis die Kinder ins Bett mussten“, erinnert sich Ingeborg von Knorre. Sein direkter Wohnort auf dem Gelände brachte auch dem Personal Vorteile. „Wollten junge Ärzte oder Schwestern spät abends oder nachts einen Rat zu einem Patienten, schauten sie aus dem Schloss herüber. War es hell im Zimmer, hieß es ‚Es brennt noch Licht im Kreml‘, und man konnte ihn dann anrufen."

Das Rentamt, ältestes Gebäude auf dem Gelände und Wohnsitz zahlreicher Ärzte und Ärztlicher Direktoren

Der Verdienst von Dr. Georg von Knorre in fast 30 Jahren ist enorm. „Die Ärzte in der Klinik kamen und gingen, er hat sie alle ausgebildet, einige sind heute Professoren in großen deutschen Kliniken“, schildert seine Frau. Er führte die schriftliche Patientenakte in der Klinik ein, stärkte das Leistungsspektrum und engagierte sich später auch in der Poliklinik Oschersleben, wo er die Abteilung für Lungenkrankheiten und Tuberkulose einführte. Noch lange bevor es strukturierte Betreuungsprogramme gab, etablierte Dr. von Knorre eine Diabetikerfürsorge und half damit weit über 100.000 Betroffenen im Landkreis. Damit ist er einer der Vorreiter heutiger Versorgungsmodelle. Die Arbeit in der Poliklinik lag ihm sehr am Herzen. „Da hielt ihn auch ein Schneesturm in den sechziger Jahren nicht auf. Er schnallte sich seine Skier an und fuhr mit ihnen die Straße von Neindorf nach Oschersleben“, lacht Ingeborg von Knorre. Als er einmal eine Patientin nach Ende der regulären Sprechzeit behandelte, antwortete er einer Sprechstundenhilfe auf die Frage, warum er das denn machen würde, „stellen Sie sich vor, es wäre ihre Mutter gewesen.“ Zudem forschte von Knorre zu Bluterkrankheiten und begeisterte sich für Genetik.

Dr. von Knorre bei einer seiner Sprechstunden in der Poliklinik

Privat fand er sein Glück in seiner Frau und den beiden Kindern. „Er liebte die Gartenarbeit und das Spazierengehen. Außerdem beschäftigte er sich mit der Familiengeschichte der von Knorres und erstellte ein Familienarchiv, dass bis 1700 zurückreicht“, erklärt sie und zeigt auf einen schmuckvoll verzierten Schrank in ihrem Wohnzimmer, in dem die Aufzeichnungen lagern. Mit 75 Jahren verstarb Dr. Georg von Knorre 1981 – spricht man jedoch mit seiner Frau, sind er und sein Lebenswerk noch immer präsent. Über 50 wissenschaftliche Veröffentlichungen zählen dazu, zudem ist er Gründungsmitglied im Fachausschuss für Diabetes beim Ministerium für Gesundheitswesen – vor allem aber die Klinik in Neindorf, denn er hat wie kein anderer hier gelebt und gewirkt. Noch heute spricht man über sein herzliches Wesen, und dass er auf Betriebsfeiern mit jedem tanzte, von der Schwester bis zur Reinigungskraft. Was er Patienten heute raten würde? „Bewegung und am Nachmittag nicht so viel Naschen“, lacht Ingeborg von Knorre.

Ingeborg von Knorre (101) vor dem Schrank mit dem Familienarchiv

Großer Tag der offenen Tür zum Jubiläum

Am 24. August feiert die Helios Bördeklinik ihr 125-jähriges Jubiläum von 10 Uhr bis 14 Uhr mit einem großen Tag der offenen Tür. Ein buntes Programm wartet auf Kinder und Erwachsene mit Führungen durch den OP und die Funktionsbereiche sowie Ultraschall-Demonstrationen. Kinder und Jugendliche können das Mediziner-Abzeichen mit Kuscheltierröntgen, Gummibärchen-OP und vielen anderen spannenden Aktionen erhalten. Ein großes Kinderfest mit Hüpfburgen, Clowns, Kinderschminken und Co. ist speziell für die Kleinen gedacht und freut sich auf zahlreiche Besucher. Für das leibliche Wohl sorgen Food Trucks mit kalten und heißen Leckereien. Der Eintritt ist kostenfrei, eine Anmeldung nicht erforderlich.