Die Knochen-Erna
Pressemitteilung

Die Knochen-Erna

Oschersleben

Die Helios Bördeklinik feiert in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Anlass genug, einmal zurückzublicken. In unserer vierteiligen Reihe laden wir zum Streifzug durch die Geschichte ein. Diesmal stellen wir die wohl bekannteste Krankengymnastin vor: Knochen-Erna.

Knappe 160 Zentimeter war Erna groß, aber niemand – weder Ärzte noch Schwestern oder Patienten – hätten sich je getraut, ihr zu widersprechen. Erna war Krankengymnastin in der Neindorfer Klinik, als diese noch im Schloss einquartiert war. „Erna muss kurz nach dem Aufbau des Lazaretts in Neindorf hier angefangen haben“, erinnert sich Runa Fichtner. Sie ist heute Leitung der Physiotherapie der Helios Bördeklinik und hat noch bei Erna gelernt. „Ich bin der Stamm und das sind meine Senker“, so stellte Erna sich und ihre Schüler in einer tiefen dominanten Stimme gern vor. Trotz geringer Körpergröße war Erna groß an Wissen und Wesen. „Sie war eine absolute Respektsperson“, betont auch Irina Meyer, ebenfalls Physiotherapeutin in Neindorf und damalige Schülerin von Erna.

Erna in ihren Räumlichkeiten im Schlosskeller bei der Therapie am Patienten

Vermutlich als Kriegsschwester kam Erna nach Ende des zweiten Weltkriegs nach Neindorf. „Eine richtige Ausbildung in der Krankengymnastik hatte sich sie nicht“, meinen beide. Ihren Namen „Knochen-Erna“ bekam sie, weil sie anfänglich auf der Knochenbruchstation arbeitete. Später war sie für alle Patienten im Schloss zuständig. Ihre Räumlichkeiten mit Sprossenwand und Kurzwellen-Gerät befanden sich im Schlosskeller. „So wie heute“, lacht Runa Fichtner, „die Physiotherapie ist immer im Keller.“ Erna hat sich ihr Wissen selbst angeeignet, viel hat sie aus Erfahrung gemacht und wusste, was hilft. „Das war natürlich komisch für uns“, sagt Irina Meyer. „Wir lernten vieles in unserem Fachschulstudium Physiotherapie und Erna zeigte uns dann manchmal auch sehr alte Techniken. Aber niemand traute sich, ihr zu sagen, dass man das mittlerweile anders macht.“ Erna liebte und lebte ihren Beruf. Einmal fuhr sie am Wochenende in eine Außenstation der Klinik, um bei an Tuberkulose erkrankten Kindern eine Vibrationsmassage durchzuführen.


Die Vibrationsmassage ist eine alte Technik und auch die Schüler von Erna mussten diese lernen. „Dazu füllte Erna eine Schüssel mit Wasser, legte einen Schwamm hinein und befahl uns, auf dem Schwamm mit der Hand zu vibrieren, ohne das Wasser aus der Schale schwappt“, erinnert sich Runa Fichtner. Die resolute Krankengymnastin brachte jeden aus dem Patientenbett. Heute gilt die sogenannte Frühmobilisation als Standard, zu Ernas Zeiten kannte man das noch nicht. „Sie hat erkannt, dass es Patienten hilft, schnell wieder selbstständig und mobil zu werden und deswegen hat sie nach Rücksprache mit dem Arzt jeden aus dem Bett getrieben“, lacht Irina Meyer.

Krankengymnastin Erna am Therapiegerät für die Kurzwelle

Im Gegensatz zu heute machte Erna Physiotherapie ohne wesentliche Hilfsmittel. „Sie hatte enorm viel Kraft und damit hat sie im wahrsten Sinn vieles gestemmt“, erinnert sich Fichtner. „Geht nicht, gibt’s nicht“, war ihr Motto. Wenn sie bei den Patienten war, mussten (außer ihren Schülern) alle das Zimmer verlassen. Sie lies sich nicht reinreden und es hätte sich wohl auch niemand erlaubt, ihr ein Widerwort zu geben. Bis sie 60 Jahre alt war, im Jahr 1984, arbeitete Knochen-Erna im Schloss. „Eigentlich wollte sie sogar noch länger machen“, sagt Meyer. Doch dazu kam es nicht. Nur ein halbes Jahr nach ihrem Renteneintritt starb Erna – in der Klinik, in der sie jahrzehntelang arbeitete. „Das war ein sehr trauriger Tag. Aber wir werden Erna nie vergessen.“ Und so hinterlässt die wohl resoluteste Krankengymnastin in Neindorf ein großes Erbe und viele Geschichten, die noch heute erzählt werden.

Irina Meyer, links, und Runa Fichtner, rechts, am Kurzwellengerät wie früher auch Knochen-Erna

Großer Tag der offenen Tür zum Jubiläum

Am 24. August feiert die Helios Bördeklinik ihr 125-jähriges Jubiläum von 10 Uhr bis 14 Uhr mit einem großen Tag der offenen Tür. Ein buntes Programm wartet auf Kinder und Erwachsene mit Führungen durch den OP und die Funktionsbereiche sowie Ultraschall-Demonstrationen. Kinder und Jugendliche können das Mediziner-Abzeichen mit Kuscheltierröntgen, Gummibärchen-OP und vielen anderen spannenden Aktionen erhalten. Ein großes Kinderfest mit Hüpfburgen, Clowns, Kinderschminken und Co. ist speziell für die Kleinen gedacht und freut sich auf zahlreiche Besucher. Für das leibliche Wohl sorgen Food Trucks mit kalten und heißen Leckereien. Der Eintritt ist kostenfrei, eine Anmeldung nicht erforderlich.