Besuchsverbot!

Um die Sicherheit unserer Patienten und Mitarbeiter auch weiterhin zu gewährleisten, besteht ab dem 26.10.2020 aufgrund der steigenden Corona-Infektionszahlen ein generelles Besuchsverbot.

Abteilung Anästhesie und Intensivmedizin

SOP Allgemeinanästhesie

SOP Allgemeinanästhesie

Im Folgenden beschreiben wir die notwendigen Schritte für das erfolgreiche Durchführen einer Allgemeinanästhesie.

1 Balancierte Anästhesie - Vorbereitungen

  • Konvektive Wärmezufuhr für jeden Patienten.
  • EKG-Monitoring
  • Nichtinvasive Blutdruckmessung
  • Pulsoxymetrie
  • Intravenöser Gefäßzugang (18 - 20 G Flexüle) nach Anlage des Monitorings
  • Indikationsgerechte perioperative Antibiotikagabe 30 min vor Schnitt
  • Relaxometrie bei geplanter Muskelrelaxation

Bei Patienten mit ausgeschaltetem Defibrillator ist das Monitoring unmittelbar bei Ankunft im Vorbereitungsraum anzuschließen.

Die Beingurte sind oberhalb der Kniegelenke anzulegen und zu schließen.

Kommunikationshilfen (Brille, Hörgerät, Zahnprothesen) sind zur Anästhesieeinleitung in den dafür vorgesehenen Tüten aufzubewahren.

1.1 Vor der Anästhesieeinleitung

Vor Beginn der Anästhesie wird in der Schleuse durch Anästhesiepflege/Anästhesiearzt entsprechend der Checkliste "PERI" die

  • Patientenidentität, Nüchternheit, Allergie
  • die Art und Lokalisation des Eingriffs etc.
  • Markierung der Seite

systematisch überprüft.

1.2 Überprüfen des Anästhesiezubehörs

Absprache mit Anästhesiepflegepersonal (4-Augen-Prinzip):

  • Ist der tägliche Systemtest des Beatmungsgeräts durchgeführt?
  • Ist der Beatmungsdruckaufbau im manuellen Modus bei geschlossenem System möglich?
  • Sind die Anästhesiemedikamente und Notfallmedikamente aufgezogen und beschriftet?
  • Ist das Intubationsset vorbereitet und funktionstüchtig?
  • Liegen Beatmungsmasken und Hilfsmittel zur Beatmung griffbereit?

1.2.1 Standardmedikamente zur Anästhesieinduktion

  • Opiat: Sufentanil 50 µg/10 ml (5 µg/ml)
  • Hypnotikum: Propofol 200 mg/20 ml (10 mg/ml)
  • Muskelrelaxans: Atracurium 50 mg/10 ml (5 mg/ml)

1.2.2 Alternative Medikamente zur Anästhesieinduktion

  • Opiat: Remifentanil 1 – 5 mg/50 ml via Perfusor (20 – 100 µg/ml)
  • Hypnotika: Midazolam 5 mg/5 ml (1 mg/ml), Sevofluran inhalativ
  • Sonderstellung (analgetische und anästhetische Potenz): (S)-Ketamin 25 mg/5 ml (5 mg/ml)
  • Muskelrelaxanzien: Mivacurium 20 mg/10 ml (2 mg/ml), Succinylcholin 100 mg/5 ml (20 mg/ml)

1.2.3 Aufgezogene Notfallmedikamente

  • Noradrenalin 50 µg/5 ml (10 µg/ml)
  • Noradrenalin-Perfusor 1 mg/50 ml = 0,02 mg/ml (20 µg/ml)
  • Atropin 0,5 mg/1 ml (0,5 mg/ml)

1.3 Durchführung der Anästhesie

Grundsätzlich:

Ziel während der Anästhesie ist, die Homöostase des Patienten - individuell angepasst - aufrecht zu erhalten. Zur Schmerztherapie wird möglichst eine Regionalanästhesie durchgeführt. Sollte die Regionalanästhesie nicht umsetzbar sein, so erfolgt die Lokalanästhesie des Wundrandes durch den Operateur mit Ropivacain 0,5%. Beachte dabei die Gesamtdosismenge.

1.3.1 Anästhesieeinleitung

  • Vor Anästhesieeinleitung den Pupillenstatus dokumentieren und fragen, was es die Ursache einer eventuell bestehenden und sichtbaren Pupillendifferenz ist
  • Der Patient wird zunächst über eine dicht sitzende Maske (Kontrolle durch Kapnografie) mit 80% Sauerstoff so lang präoxygeniert, bis die endtidale O2-Konzentration > 80% ist.
  • Engmaschige Kontrolle des Blutdrucks bei Anästhesieeinleitung (Intervall der RR-Messung 2,5 – 5 min), maximal 30 % Reduktion des mittleren arteriellen Drucks (MAD) vom Ausgangs-MAD, minimaler Ziel-MAD 60 mmHg; Noradrenalin-Perfusor zum Einleiten bei erhöhtem patientenseitigen Risiko (ab Risikoscore 3) erwägen.
  • Injektion des Opioids (Sufentanil als Bolus, Remifentanil via Perfusor)
  • Injektion eines Hypnotikums (40 mg/10 s für herzgesunde, 20 mg/10 s für herzkranke Pat.) 1 – 2 min nach Opioidgabe

Atemwegshilfen

  • bei Platzieren einer Larynxmaske ist keine Maskenbeatmung und Muskelrelaxation erforderlich
  • bei endotrachealer Intubation:
    • Injektion des Muskelrelaxans unmittelbar nach Gabe des Hypnotikums, Kalibration des Relaxometers; Laryngoskopie erst, wenn keine motorische Antwort mehr auf die Nervenstimulation erfolgt
    • Laryngoskopie mit Macintosh-Spatel und endotracheale Intubation, dann Blocken des Tubuscuff, Cuff-Druck < 30 cm H2O
      • Männer: 7,5 - 8,5 mm ID Magilltubus
      • Frauen: 7,0 - 7,5 mm ID Magilltubus,

Kapnometrie/ Kapnographie:

  • wichtig ist der konstante CO2-Nachweis über mehrere Atemzüge nach Intubation
  • wenn Auskultation nach Intubation, dann auf Höhe Th 4 in der mittleren Axillarlinie beidseits
  • Fixation des endotrachealen Tubus, Dokumentation der Tubustiefe auf Höhe des Mundwinkels, Einbringen eines Beißschutzes
  • Wenn kein kompletter Lidschluss möglich oder Augen während der OP nicht einsehbar, dann Augenpflaster kleben und bei inkomplettem Lidschluss Augencreme applizieren, bei kürzeren Eingriffen nur befeuchtende Tropfen
  • spätestens nach Anästhesieeinleitung den Pupillenstatus dokumentieren
  • In der Rettungsstelle oder auf Station in die Ellenbeuge gelegte Flexülen sind nach der Anästhesieeinleitung zu entfernen u. neu zu platzieren (deutlich erhöhtes  Infektionsrisiko)

1.3.2 Aufrechterhalten der Anästhesie 

Die Narkose wird inhalativ mit Desfluran oder als totale intravenöse Anästhesie (TIVA) mit Propofol fortgeführt. Die TIVA ist indiziert bei einem Apfel-Score von 4 sowie bei speziellen Operationen (z.B. mit intraoperativen Neuromonitoring, Schilddrüsenoperationen). Die Dosierung der TIVA beträgt in der Regel 6 (- 8) mg/kg/h dosiert nach dem tatsächlichen Gewicht des Patienten.

  • Das Anfluten von Desfluran erfolgt langsam mit einem niedrigen Frischgasfluss von 0,5 l/min bei auf 18 Vol% geöffnetem Vapor.
  • Der Ziel MAC-Wert (minimal 0,8 – 1,0) soll zum Schnitt erreicht sein.
  • Das Fortführen der Anästhesie erfolgt mit einem Frischgasfluß von 0,3 - 0,5 l/min (Minimal Flow)
  • Die TIVA/volatile Anästhesie wird bei fehlender Regionalanästhesie oder längerer OP-Dauer mit einem Opioid (Sufentanil oder Remifentanil) supplementiert.
  • Sollte eine wiederholte Gabe von nicht-depolarisierenden Muskelrelaxanzien erforderlich sein, so erfolgt diese nur unter relaxometrischer Kontrolle (Repetitionsdosis ca. 25% der Induktionsdosis).

1.3.3 Beatmung während der Anästhesie

  • Primär wird der Modus IPPV angewandt, um Schwankungen des Tidalvolumens durch operative Manipulationen oder Lagewechsel zu vermeiden.
  • Das Beatmungsvolumen richtet sich nach dem Idealgewicht des Patienten. 
  • Der PEEP beträgt bei Larnyxmaske standardmäßig 3 - 5 cmH20
  • Der PEEP beträgt bei endotrachealer Intubation standardmäßig 5 - 8 cmH20.
  • Individuelle PEEP-Anpassung insbesondere bei endotracheal intubierten adipösen Patienten an Hand der möglichst geringen Druckdifferenz zwischen Spitzendruck und PEEP bei gleichbleibenden Tidalvolumen.
  • Nach Anschluss des endotrachealen Tubus an das Beatmungsgerät im Saal erfolgt beim  hämodynamisch stabilen, normovolämen Patienten ein Rekrutierungsmanöver. Dazu wird ein inspiratorischer Spitzendruck von 40 mbar für 7 Sekunden gehalten.
  • Der Ziel-CO2-Wert beträgt endtidal 34 - 40 mmHg. Bei vorliegender arterieller Blutgasanalyse (BGA) wird die Beatmung entsprechend der BGA angepasst (Ziel: Normoventilation bis ggf. moderate Hyperkapnie). Ein individuelles Anpassen des Ziel-CO2-Wertes erfolgt u.a. bei erhöhtem intrakraniellem Druck und bei lungen-kranken Patienten.
  • Der inspiratorische Sauerstoffanteil sollte bei 40 % liegen; ist eine größere Apnoetoleranz erwünscht (z.B. OP in Bauchlage oder Anästhesie mit Larynxmaske), kann der inspiratorische Sauerstoffanteil bis auf 80 % erhöht werden.
  • Das Verhältnis Inspiration (I) zu Exspiration (E) wird an Hand der Flow-Messung eingestellt: Ziel ist ein endexspiratorischer Nullfluß. In der Regel beträgt das I:E-Verhältnis 1:1 bis 1:2, Ausnahmen sind möglich.

1.3.4 Anästhesieausleitung

  • Voraussetzungen für die Ausleitung der Anästhesie sind u.a.
    • Kreislaufstabilität,
    • Normothermie,
    • eine TOF-Ratio > 90 %
  • Liegt bei dem Patienten ein schwieriger Atemweg vor, den der zuständige Anästhesist nicht selbständig kontrolliert hat, so ist zur Ausleitung der zuständige Fach-/Oberarzt zu informieren.
  • Der Tubus wird unter positivem Atemwegsdruck in der Ausatmung entblockt und entfernt. Der inspiratorische Sauerstoffgehalt beträgt maximal 80%. Kein routinemäßiges Absaugen über den Tubus am OP-Ende.
  • Die Beatmungsmaske mit Filter bleibt nach der Extubation beim Patienten und wird erst nach der Umbettung im Aufwachraum verworfen.
  • Bei Patienten mit rückenmarksnaher Regionalanästhesie wird der Noradrenalinperfusor frühestens im Aufwachraum nach wiederholter Blutdruckmessung dekonnektiert.

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2 Umgang mit Larynxmasken

Standardmäßig erfolgt der Einsatz einer Larynxmaske der 1. Generation, d.h. einer Larynxmaske ohne Kanal für einen Magenschlauch. Grundvoraussetzung zur Anwendung ist die Nüchternheit des Patienten. Der inspiratorische Spitzendruck darf bei Larynxmasken der 1. Generation 20 cmH2O nicht übersteigen.

Die ProSeal Larynxmaske (Larynxmaske der 2. Generation) erlaubt erhöhte Beatmungsdrücke (25 - 30 cmH20) und erweitert damit das Einsatzspektrum der Larynxmaske. Nach fachärztlicher Indikation kann die ProSeal Larynxmaske bei Patienten mit Adipositas (BMI bis 35), bei laparoskopischen Eingriffen, bei (v.a. kurzen) Operationen in Bauchlage einer endotrachealen Intubation vorgezogen werden.

  • Obligate Tests bei der Anwendung einer Pro Seal Larynxmaske:
    • positiver "Suprasternal Notch Test"
    • negativer "Bubbletest"
    • problemlose Anlage der Magensonde möglich
    • Oropharyngealer Leckagedruck > 25 - 30 cmH20
    • bestandener Maximaler-Minuten-Ventilationstest
  • Beide Larynxmasken (1. und 2. Generation) werden mit Cuffdruckmesser geblockt, hierbei beträgt der Cuffdruck maximal 60 cmH20.
  • Ein kontinuierliches Cuffdruckmonitoring ist bei Eingriffen mit zu erwartenden Änderungen des Atemwegsspitzendrucks / Cuffdruckes (z.B. in HNO) indiziert.
  • Achtung! Gefahr von Undichtheiten beim kontinuierlichen Messen (in Abhängigkeit vom verwendeten Cuffdruckmesser) ⇒ ggf. nachblocken.
Tabelle 1: Orientierende Größenauswahl von Larynxmasken
Nach dem KörpergewichtNach dem GeschlechtNach der Körpergröße
50 - 70 kg Größe 4Frauen Größe 4< 175 cm Größe 4
70 - 100 kg Größe 5Männer Größe 5> 175 cm Größe 5

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3 PONV-Prophylaxe und -therapie

3.1 PONV-Prophylaxe

Zum Einschätzen des PONV-Risikos und zur Prophylaxe bestimmen wir bei jedem Patienten mit Allgemeinanästhesie den APFEL-Score. Er wird auf dem Anästhesieprotokoll bzw. auf dem Prämedikationsbogen dokumentiert.

Tabelle 2: Mono-/Kombinationstherapie zur antiemetischen Prophylaxe bei Erwachsenen
Apfel-ScoreMaßnahme
0 - 14 mg Dexamethason iv. zur Einleitung oder TIVA(ein Antiemetikum)
2 - 34 mg Dexamethason iv. zur Einleitung
1 mg Granisetron iv. zur Ausleitung oder TIVA  
(zwei Antiemetika)
44 mg Dexamethason iv. zur Einleitung
Allgemeinanästhesie (TIVA)
1 mg Granisetron zur Ausleitung
(drei Antiemetika)

Nota bene:

Die TIVA wird wie der Einsatz eines Antiemetikums bewertet.
Eine erneute Gabe von Medikamenten aus der gleichen Wirkstoffgruppe zur PONV-Prophylaxe/-Therapie erfolgt erst wieder nach 6 h, Granisetron nach 8 h.

3.2 PONV-Therapie

  • wenn kein Granisetron zur Prophylaxe erhalten ⇒ 1 mg Granisetron intravenös geben
  • wenn Granisetron zur Prophylaxe oder Therapie erhalten ⇒ Dimenhydrinat 62 mg intravenös geben
  • wenn weiter PONV ⇒ Propofol in subanästhetischer Dosierung (in der Regel 20 mg-weise nach Wirkung)
  • wenn weiter PONV ⇒ Haloperidol 1,0 mg intravenös geben  nach fachärztlicher Indikation

Eine erneute Gabe von Medikamenten aus der gleichen Wirkstoffgruppe zur Prophylaxe/Therapie der PONV erfolgt erst wieder nach 6 h, Granisetron alle 8 h.

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4 Neuromuskuläres Monitoring

  • Unmittelbar nach der Gabe des Muskelrelaxans erfolgt die Kalibration. Der N. ulnaris wird mit 50 mA stimuliert, die Reizantwort (TOF) des M. adductor pollicis wird mit dem Akzelerometer gemessen. Die endotracheale Intubation erfolgt, sobald auf die Nervenstimulation keine motorische Antwort mehr erfolgt.
  • Die Erholung von einer neuromuskulären Blockade kann nur durch quantitatives neuromuskuläres Monitoring sicher erfasst werden. Hierzu muss der Patient eine TOF-Ratio ≥ 0,9 aufweisen. Der Zeitpunkt der neuromuskulären Erholung ist auf dem Anästhesieprotokoll zu notieren.
    • TOF-Ratio ≥ 0,9: kein Antagonisieren
    • TOF-Ratio > 0,7 < 0,9: Abwarten oder Neostigmin 10 µg/kg
    • TOF-Ratio > 0,5, < 0,7: Neostigmin 20 µg/kg
    • TOF-Ratio < 0,5, mindestens TOF 2 von 4 Schlägen sichtbar, 40 µg/kg.
    • Danach mit DBS: zwei starke Kontraktionen entsprechen TOF-Ratio > 0,5, < 0,7: Neostigmin 20 µg/kg
  • Neostigmin wird mit 0,5 mg Atropin kombiniert.
  • Achtung: Neostigmingabe bei Patienten mit Asthma bronchiale, COPD, bradykarden Herzrhythmusstörungen und AV-Überleitungsstörungen nur nach fachärztlicher Rücksprache.
  • Nach der Neostigmingabe ist das quantitative neuromuskuläre Monitoring weiterzuführen, bis die TOF-Ratio > 0,9 ist.
  • Um auch bei nicht kalibrierter, punktueller Messung Restblockaden zuverlässig ausschliessen zu können, ist eine TOF-Ratio von 1,0 empfohlen.
  • Sollte kein neuromuskuläres Monitoring verfügbar sein, so wird das Muskelrelaxans vor der Extubation antagonisiert, wenn seit der letztmaligen Gabe von Atracurium weniger als 45 min vergangen sind.
  • Sollte nur ein qualitatives Neuromonitoring möglich sein, so sind die Zeitpunkte zu notieren, an denen zunächst die motorische Antwort auf die TOF-Stimulation taktil gleich ist (entspricht etwa einer TOF-Ratio von 40 %) und im Verlauf die motorische Antwort auf die Double Burst Stimulation taktil identisch ist (dies entspricht etwa einer TOF-Ratio von 70 %). 15 min nach der taktil identischen Antwort auf die Double Burst Stimulation ist eine Extubation ohne Antagonisierung vertretbar.

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5 Indikation zur Anlage ...

5.1 ... eines Harnblasenkatheters

  • lange OP-Dauer (> 3 - 4 h)
  • Überwachung der Diurese und/oder Beurteilung des Urins
  • operativ bedingt, z.B. nach Hüft-TEP und PLIF bei Frauen, laparoskopische Sigma-/Rektum-Op

5.2 ... einer Magensonde

  • Operationen am Magen
  • zum Entlasten des Magens vor Ileus-Einleitung
  • Entlastung insufflierter Luft nach ösophagealer Intubation oder schwieriger Maskenbeatmung
  • HWS-Operationen: zum leichteren Identifizieren des Ösophagus für den Operateur
  • Mehretagige LWS-OP, PLIF, TLIF

5.3 ... einer Temperatursonde

Jeder Patient erhält bei einer Anästhesiedauer > 1 h ein kontinuierliches Temperaturmonitoring.

  • Messorte
    • 1. Wahl: sublingual
    • 2. Wahl: nasopharyngeal
    • 3. Wahl: rektal
  • Grundsätzliches zum Wärmemanagement
    • Gerät braucht Vorlaufzeit, deshalb werden 43°C zu Beginn empfohlen. Temperatur nach Wunsch des wachen Patienten.
    • Die aktive Wärmezufuhr im Vorbereitungsraum ist Standard.
    • Durch Abdecken der Körperbereiche außerhalb des Operationsfeldes inkl. Kopf wird der Wärmeverlust reduziert.
    • Die Zielkerntemperatur sollte mindestens 36,5 °C betragen.
       

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6 Rapid Sequence Induction

Das Ziel der RSI ist das rasche Erreichen einer tiefen Anästhesie bei aspirationsgefährdeten Patienten, um den Atemweg durch tracheale Intubation zu sichern

6.1 Unterschiede zur Einleitung bei nüchternen Patienten

  • Es ist ein Fach- bzw. Oberarzt hinzuzurufen.
  • Das Standardmuskelrelaxans ist Succinylcholin.
  • Primär keine Maskenbeatmung; wenn notwendig, dann druckbegrenzt (pmax 15 cmH2O).
  • Falls keine Magensonde liegen sollte, wird vor der Anästhesieeinleitung eine Magensonde gelegt, wenn erwartet oder in der Bilddiagnostik nachgewiesen ist, dass der Magen mit dünnflüssigem Inhalt gefüllt ist (z. B. Dünndarmileus). Der Magenschlauch wird vor der Intubation wieder entfernt.

6.2 Ablauf

  • Fach- bzw. Oberarzt informieren
  • Videolaryngoskop obligat (d-Blade; immer mit gebogener Magill-Zange!)
  • Tubus mit Führungsstab (mit Gleitmittel) schienen und anatomisch gerecht formen, Blockerspritze anschliessen
  • Absaugsystem mit großlumigem Absaugschlauch vorbereiten und zur Medikamentengabe den Sog anstellen.
  • Lagerung des Patienten kopfhoch (Antitrendelenburg)
  • Ziel = optimale Intubationsbedingungen
  • Oberkörperhochlagerung (mindestens zwei Stufen)
  • Magensonde
  • Über die liegende Magensonde (oder die bei Anhalt für dünnflüssigem Mageninhalt vor der Anästhesie platzierte Magensonde) den Inhalt absaugen.
  • Sonde vor Anästhesieeinleitung entfernen.
  • Präoxygenieren
  • Frischgasfluss 8 - 10 l/min
  • FiO2 1,0
  • dichter Maskenschluss
  • Ziel: FeO2 > 80 %

6.3 Anästhesieeinleitung

  • Ziel ist das schnelle Erreichen einer tiefe Anästhesie
  • Kreislauffunktion bei Bedarf mit Noradrenalin stabilisieren. Bei instabilen Patienten vor der Einleitung Anlage einer arteriellen Druckmessung erwägen.
  • dazu Anästhetika in rascher Folge und hoch dosiert verabreichen
  • Anästhetika
    • Sufentanil; alternativ beim instabilen Patienten S-Ketamin 0,5 - 1,0 mg/kg KG + Volumen + Noradrenalinperfusor vor Begnn der Einleitung
    • Propofol
    • Succinylcholin 1 - 1,5 mg/kg KG; alternativ Atracurium (1,2 mg/kg KG) bei Kontraindikationen gegen Succinylcholin (immobilisierte oder gelähmte Patienten, Hyperkaliämie)
  • Achtung: Atracurium zur Operation erst verabreichen, wenn das Abklingen der Succinylcholinwirkung mittels TOF objektiviert wurde.
  • Intubation
    • Wichtig: Vorbereitungen für einen unerwartet schwierigen Atemweg sind getroffen.
    • Erst in tiefer Anästhesie und bei vollständiger Muskelrelaxation wird zügig intubiert, in der Regel 45 s nach Gabe von Succinylcholin.
  • Entfernen des Führungsstabes aus dem Tubus, wenn die Tubusspitze die Glottisebene gerade passiert hat.
  • Blocken des Cuffs sofort nach Tubusplatzieren in der Trachea.
  • Maskenbeatmung nur bei drohender Hypoxie druckbegrenzt (pmax 15 cmH2O)
  • Anlage einer Larynxmaske zur überbrückenden Ventilation bei misslungener Intubation möglich

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7 Fiberoptische nasale Wachintubation

7.1 Vorbereiten des Patienten

  • Erklären des Vorgehens im Rahmen der Anästhesievisite, der Vergleich mit einer Magenspiegelung kann für den Patienten hilfreich sein.
  • Unmittelbar präoperativ im Einleitungsraum:
    • abschwellende Nasentropfen in beide Nasenlöcher
    • Lidocain-Spray an Rachenhinterwand und in beide Nasenlöcher
    • übliche Vorbereitung mit venösem Zugang und Monitoring
    • bequeme Lagerung

7.2 Vorbereiten des Instrumentariums

  • Bronchoskop + Lichtquelle, am besten mit Kamera und Videoturm
  • Bronchoskop prüfen und fokussieren, Weißabgleich, Zacke auf 12:00 Uhr, Absaugung prüfen
  • Woodbridge-Tubus Größe 7,5 Ch oder 7,0 Ch, NICHT kleiner!
  • Ggf. Fußbank für Anästhesisten
  • Wenn nasale Intubation mit Tubus 7,0 Ch nicht möglich ist sowie bei Kindern, muss für einen Tubus < 7 Ch ein Tracheoskop verwendet werden.

7.3 Vorbereiten der Medikamente

7.3.1 Sedierung

Oberstes Ziel ist das Erhalten der Spontanatmung sowie eines kommunikationsfähigen Patienten mit Dämpfung des Husten- und Würgereflexes.

Möglichkeit 1:

  • Remifentanil 1 mg/50 ml (20 µg/ml) mit einer Laufrate von 30 % des idealen Körpergewichts
  • frühzeitig anlaufen lassen, da sich erst nach 10 min der Medikamentenwirkspiegel dem Zielspiegel zum Tolerieren der Maßnahmen annähert
  • Monitoring und klinische Überwachung von Beginn an nötig

Möglichkeit 2:

  • 5 µg (-weise) Sufentanil i.v.
  • Intervall 3 - 5 min bis erwünschte Sedierungstiefe erreicht ist

7.3.2 Lokalanästhesie

4 x 10 ml - Spritzen mit je 1 - 2 ml Lidocain 1% + 9 ml Luft

7.3.3 Notfallmedikamente

  • Atropin
  • Noradrenalin

7.4 Vorgehen bei fiberoptischer Wachintubation

  • Auswahl des Nasenloches zur Intubation und Applikation abschwellender Tropfen
  • Hilfsperson zum Überwachen der Vitalfunktionen
  • Präoxygenieren über dicht sitzende Maske
  • wenn Sedierungstiefe erreicht, Sauerstoff-Insufflation über gegenseitiges Nasenloch mit 8 l/min oder via Bonchoskop
  • ggf. Raumlicht abdunkeln
  • Tubus über das Bronchoskop führen, Einführen des Bronchoskopes über unteren Nasengang bis in den Oropharynx
  • Aufsuchen des Kehlkopfes, dabei Schleimhautkontakte vermeiden
  • Patient zum tiefen, gleichmäßigen Atmen anhalten, Sprechen erleichtert das Erkennen der Stimmritze
  • evtl. Esmarch-Handgriff durch Hilfsperson
  • Lokalanästhesie von Pharynx, Epiglottis, Stimmbändern und Trachea mit jeweils 1 - 2 ml Lidocain 1 % über den Arbeitskanal des Bronchoskopes, dabei das Saugen unterbrechen, Einwirkzeit 1 min abwarten!
  • Instilla-Gel ins Nasenloch und an den Tubus
  • wenn Trachea sicher mit dem Bronchoskop intubiert wurde, Tubus einführen, Passage der Stimmritze mit leicht drehender Bewegung
  • Lagekontrolle mittels Bronchoskop, erst danach Anästhesieinduktion
  • Beachte: Nach Lokalanästhesie zur fiberoptischen Intubation darf der Patient 2 h nicht essen oder trinken (Aspirationsgefahr).

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Stand, Kontakt, Haftung

Stand: 22.01.2019

Kontakt

Dr. med. Christian Icke

Chefarzt Anästhesie und Intensivmedizin
Dr. med. Christian Icke

E-Mail

Telefon

(036459) 5 2880