Samir über seinen Werdegang

Eigentlich wollte Samir D. Medizin zu studieren. Weil er in Berlin aber keinen Studienplatz bekam, machte er erst ein Pflege-Praktikum und daraufhin die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Und heute? Heute ist er angekommen!

Wie findest du die Arbeit hier im Klinikum, Samir?
Ich arbeite gern im Emil, weil ich hier während meiner Ausbildung tolle Teams kennengelernt habe. Zudem mag ich unsere Pflegedirektorin. Die ist einfach klasse. Darüber hinaus finde ich, dass die Kommunikation und die interdisziplinäre Arbeit mit allen Arbeitsgruppen klappt sehr gut, und dass die Hierarchien sehr flach sind. Das gefällt mir.

Wann war dir klar, den richtigen Beruf gewählt zu haben?
Das wurde mir unter anderem an der Zustimmung klar, die ich von vielen Patienten bekommen habe. Wenn jemand zufrieden mit dir ist, dann weißt du doch, dass du deine Aufgaben richtig und mit Leidenschaft machst.

Aber natürlich weiß ich das nicht nur durch die Patienten. In der Ausbildung habe ich auch gelernt, wie wertvoll dieser Beruf ist. In meinem Freundeskreis haben viele gesagt „Oh, Krankenpfleger, das könnte ich nie machen! Aber ich bewundere dich dafür!“ So macht jeder das, was er am besten kann. Und ich kann am besten Patienten behandeln und mich um sie kümmern.  

Was ist für dich das Tolle am Pflege-Beruf?
Ich finde, dass deutsche Wort „Pflege“ bringt es nicht wirklich gut auf den Punkt. Wir können auch Autos pflegen oder unsere Haare. Das kann man doch nicht mit den Aufgaben in unserem Beruf vergleichen. Wir behandeln, begleiten und kümmern uns um Patienten!

Das Tolle daran ist, dass du jeden Tag sehen kannst, wie Patienten gesünder werden und es ihnen bessergeht. Bei Palliativpatienten, also bei Menschen, die eine begrenzte Lebenserwartung haben, ist ein anderer Punkt entscheidend: Wenn ich es schaffe, diesen Patienten ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln, dann ist die Dankbarkeit von diesen Patienten einzigartig. Mein Beruf macht mir nicht nur Spaß. Er bringt mir eine tiefe innere Freude.

Was macht für dich den Unterschied?
Spaß kommt meist von außen und dauert nicht lange. Im Club zu feiern, macht Spaß. Nicht mehr und nicht weniger. Aber Freude, die kommt ganz tief aus uns selbst und wirkt eine lange Zeit. Daher bringt mir mein Beruf als Gesundheits- und Krankenpfleger einfach Freude.

Was magst du noch an deinem Beruf?
Wirklich toll sind die vielen Möglichkeiten, die ich in diesem Beruf habe, um mich weiterzuentwickeln. Es gibt viele Fachgebiete und Schwerpunkte, die ich in der Ausbildung kennengelernt habe. In anderen Jobs ist man viel begrenzter, finde ich.

Dann arbeite ich gern im Team: Wir arbeiten zusammen, lachen zusammen, sind manchmal auch ungeduldig, streiten ein wenig und haben sicherlich Stress. Aber der Patient steht immer im Mittelpunkt.

Wir arbeiten zusammen, lachen zusammen, sind manchmal auch ungeduldig, streiten ein wenig und haben sicherlich Stress. Aber der Patient steht immer im Mittelpunkt.

Samir D.

… und was magst du weniger?
Komisch finde ich, dass immer wieder über die gleichen Sachen gemeckert wird, statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, von denen am Ende doch alle was haben. Merkwürdig finde ich auch, dass der Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers in Deutschland nicht so gut angesehen ist. Dabei geht es doch um Menschen und was ist wichtiger, als sich um Menschen zu kümmern? In vielen anderen Ländern, auch im Libanon, ist das anders. Da bekommen Pflegekräfte sehr viel Anerkennung. 

Was fehlt dir?
Ich wünsche mir, dass man in Deutschland stolz ist auf seine Pflegekräfte. Ich glaube, dann gibt es auch wieder mehr Menschen, die diesen Beruf ergreifen würden. Wie alle wissen brauchen wir ja auch mehr Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger. Wenn dann der Beruf insgesamt noch ein bisschen besser bezahlt werden würde, wäre das die Kirsche auf der Sahnetorte. Freunde von mir arbeiten in der IT-Branche, programmieren Apps und verdienen viel mehr als ich. Wenn die mit dem Programmieren an einem Tag nicht fertig werden, dann eben am nächsten Tag. Wir können doch nicht sagen „Herr Müller hat zum Feierabend einen Anfall bekommen. Ich kümmere mich morgen darum.“ Das geht doch nicht. Wir sind immer im Einsatz, machen Überstunden und haben Schichtdienst. Ich finde, dass verdient nicht nur mehr Wertschätzung …

Warum sollten dennoch mehr junge Menschen den Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers ergreifen?
Weil es ein total spannender und abwechslungsreicher Beruf ist, der nie langweilig wird und man gemeinsam im Team so viel leisten kann. Das muss man auch viel deutlicher sagen. Hierfür braucht es eine bessere Aufklärung. Wir wischen Patienten nicht nur den Hintern ab. Unsere Ausbildung dauert drei Jahre. In dieser Zeit lernen wir Krankheitsbilder kennen und die passenden Medikamente und Wirkstoffe, um sie zu behandeln. Wir haben dadurch ein großes Wissen und führen medizinisch wichtige Tätigkeiten aus, die von den Ärzten an uns herangetragen werden. Manchmal sagen meine Freunde, dass ich ein halber Mediziner bin. Da schüttle ich natürlich den Kopf – aber insgeheim freue ich mich auch ein wenig.