Lena, das Schlangenmädchen: Von der Patientin zur „Freundin der Kinderklinik“

Lena, das Schlangenmädchen: Von der Patientin zur „Freundin der Kinderklinik“

Berlin

Nach einem Schlangenbiss 2015 retteten die Kinderärzte und Handchirurgen am Helios Klinikum Emil von Behring Lenas rechte Hand vor der Amputation. Nach zweieinhalb Wochen konnte die heute 16-Jährige vollkommen genesen das Krankenhaus wieder verlassen. Damit wäre die Geschichte eigentlich zu Ende. Nicht so bei Lena, die sich dem Helios Klinikum in Berlin-Zehlendorf bis heute verbunden fühlt.

Niemand aus Lenas Familie hätte sich das ausmalen können: Als sie vor vier Jahren Freunde in Nordspanien besuchten, wurde die damals 12-Jährige von einer Giftschlange gebissen. Ihr Arm schwoll an, der Kreislauf kollabierte, sie musste sich übergeben und die Atmung wurde unregelmäßig. Die Familie entschied sich für eine Behandlung zuhause in Berlin im Helios Klinikum Emil von Behring und flog umgehend zurück. So ungewöhnlich es klingt, Lena erinnert sich gern an ihren Klinikaufenthalt: „Ich fand es extrem angenehm. Es war sonnig und alle waren total entspannt und hatten Zeit für mich – obwohl es so schlimm um meine Hand stand. Hätte ich gewusst, dass es Überlegungen gab, meine Hand zu amputieren, wäre ich sicher nicht so entspannt gewesen.“ Gern erinnert sie sich auch noch an die erste Visite nach der OP als acht Ärzte sich vor ihrem Bett aufgebauten und sich die – immer noch stark geschwollene – Hand anschauten. „Da habe ich schon gemerkt, dass ich für die Ärzte eine besondere Patientin bin.“ So besonders, dass sie sogar schnell einen liebevollen „Spitznamen“ erhielt: Lena, das Schlangenmädchen.

Außer der Visite, auf der täglich der Verband gewechselt und kleiner und kleiner wurde, hielt der Klinikalltag allerdings nicht viel Abwechslung bereit. So wurde es Lena zunehmend langweilig und in der zweiten Woche wollte sie unbedingt nachhause: „Ich hatte so Bock auf Spaghetti von meiner Mama, dass sie mich einfach mitgenommen und für mich gekocht hat. Danach ging’s zurück in die Klinik. Den Pflegerinnen und Pflegern haben wir gesagt, wir waren solange im Klinikpark …“
Lenas Hand heilte gut und so stand der Abschied nach zweieinhalb Wochen bevor. Ihre Mutter hat zum Abschied gebacken und es gang viele Umarmungen mit den Pflegekräften aber auch mit der Oberärztin Frau Dr. Annette Günter, der betreuenden Kinderärztin, sowie mit dem Chefarzt der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie Dr. Uwe von Fritschen.
 

An dieser Stelle wäre Lenas Geschichte zu Ende. Ist sie aber nicht!

Lena 2015 als Patienten im Krankenhaus mit Oberärztin Dr. Annette Günther. Obwohl sie längst genesen ist, gibt es immer noch Kontakte.

Denn die heute 16-Jährige hat das Klinikum nie wirklich vergessen: Als sie in der 10. Klasse ein Sozial-Praktikum machen wollte, wollte sie dieses in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin absolvieren. „Ich wollte Einblicke in den Klinikalltag von der anderen Seite gewinnen“, erinnert sie sich. „Denn ich kann mir sehr gut vorstellen, Kinder-Ärztin zu werden. Wahrscheinlich weil ich selbst auf der Kinderstation lag. Seit ich denken kann, sauge ich alles auf, was im Biounterricht und in Physik läuft. Nur eines ist schwierig bei meinem Berufswunsch: Ich kann kein Blut sehen.“ Da sie zum Zeitpunkt des geplanten Praktikums allerdings noch nicht das Mindestalter von 16 Jahren erreicht hat, konnte sie es leider nicht im Klinikum absolvieren.

Ins Helios Klinikum Emil von Behring kam sie aber dennoch noch einmal zurück – nicht als Patientin oder Praktikantin, sondern als Gratulantin. Als die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Frühsommer ihr 10-jähriges Jubiläum am Zehlendorfer Standort gefeiert hat, wurde auch Lena eingeladen. Lena war ganz gerührt: „Ich habe mich voll gefreut, als ich die Einladung bekam. Es klingt total komisch, aber ich habe kurz zuvor an das Klinikum gedacht und dann bekam ich diesen Brief. Obwohl wir an dem Tag der Feier weggefahren sind, wollte ich unbedingt kommen. Es war klasse, alle wiederzusehen.“ Und augenzwinkernd ergänzt sie: „Schließlich gab es Kuchen umsonst. Wer kommt da nicht.“ Sie bekam nicht nur den Kuchen, Lena durfte sogar die große Jubiläumstorte mit anschneiden.

Dann wird sie wieder ernster. Auf die Frage, was sie jungen Patientinnen und Patienten, die ins Krankenhaus müssen, mit auf dem Weg geben würde, sagt sie: „Natürlich kommt es zunächst einmal darauf an, warum du im Krankenhaus bist. Aber ganz egal warum, du kannst dich darauf verlassen, dass deine Eltern immer da sind und auf dich aufpassen. Selbst wenn sie gerade nicht neben dir am Bett sitzen. Dann finde ich, dass man nicht immer alles wissen muss. Auch wenn ich oft gefragt habe ‚Warum ist das so?‘ habe ich nicht immer eine Antwort bekommen. Hätte ich nämlich gewusst, dass meine Hand vielleicht amputiert werden müsste, wäre das absoluter Horror gewesen. Eltern rate ich daher auch, nicht alles zu sagen. Sie müssen ja nicht lügen, aber vielleicht hilft es, wenn es zu ernst werden könnte, das Thema schnell zu wechseln.“ Dann denkt sie kurz nach und sagt bestimmt: „Klar ist Kranksein doof. Darüber kannst du dich ärgern, aber es ändert ja nichts. Akzeptier es einfach und mach das Beste daraus, auch wenn du Stoff in der Schule verpasst oder die Freunde nicht treffen kannst. Wichtig ist, dass du wieder gesundwirst. Das Krankenhaus hilft dir dabei. Und auch du selbst kannst dir helfen: Denk positiv und sei glücklich. Denn Glücklich sein macht gesund!“

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