Kardiologie-Team um Chefarzt Prof. Dr. Cemil Özcelik behandelt die „vergessene Herzklappe“ mit modernster kathetergestützter Therapie
Berlinweit nur noch in einer weiteren Klinik möglich

Kardiologie-Team um Chefarzt Prof. Dr. Cemil Özcelik behandelt die „vergessene Herzklappe“ mit modernster kathetergestützter Therapie

Berlin

Die Trikuspidalklappe, die oft als „vergessene Herzklappe“ bezeichnet wird, ist seltener von Klappenfehlern betroffen als die in der Regel bekanntere Mitralklappe. Bei einer Trikuspidalklappen-Insuffizienz schließt die Klappe zwischen den beiden Kammern der rechten Herzhälfte nicht richtig, wodurch das Blut in den rechten Vorhof zurückströmen kann. Das Herz muss in diesem Fall mehr leisten. Unbehandelt kann diese Erkrankung zu Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz und letztlich zum Tod führen. Am Helios Klinikum Emil von Behring wurde aktuell erstmals mittels einer hochmodernen Clip-Methode ein Patient behandelt. Berlinweit ist dieser Eingriff aktuell nur noch in einer weiteren Klinik möglich.

Anlässlich der Herzwochen 2020, die in diesem Jahr corona-bedingt keine Patientenveranstaltungen erlauben, informiert Prof. Dr. med. Cemil Özcelik, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, über den Eingriff:

Welche Clip-Methode führen Sie in Ihrer Klinik durch und wie funktioniert sie?
Es handelt sich hierbei um eine kathetergestützte Therapie, bei der mit einem Clip die „Klappenschwäche“, sprich Insuffizienz, therapiert wird. Dieses neue System orientiert sich an der bekannten Cliptechnologie im Bereich der Mitralklappe, die auch in unserer Klinik schon vielfach verwendet wurde. 
Dabei wird der Clip durch die Oberschenkelvene zum Herzen geführt, um einen Teil der Klappenränder miteinander zu verbinden. Durch die verbesserte Abdichtung wird so der schädliche Blutrückfluss reduziert. Durch diesen Ansatz ist das Herz in der Lage, das Blut effizienter zu pumpen. Für betroffene Patienten ist das eine gute Nachricht, denn bisher war diese Erkrankung auf einem anderen Weg nur schwer behandelbar.

Neben einer Senkung der Sterblichkeit, steht die Verbesserung der Lebensqualität im Mittelpunkt dieses neuartigen Verfahrens.

Prof. Dr. Cemil Özcelik, Chefarzt der Klinik für Kardiologie

Was macht diese Methode so besonders? 
Diese nichtchirurgische Therapieform zur Behandlung der Trikuspidalklappen-Insuffizienz steht erst seit Frühjahr 2020 zur Verfügung und ist ausgesprochen sicher und effektiv. Besonders ist es auch, weil wir das weltweit erste minimalinvasive, auf einem Clip basierende Reparatursystem verwenden.

So sieht der Clip aus, der durch die Oberschenkelvene zum Herzen geführt wird.

Inwiefern profitieren Patienten von dieser neuen Methode? 
Patienten, die unter einer Trikuspidalklappen-Insuffizienz leiden, sind in der Regel älter und von verschiedenen Vorerkrankungen betroffen. Eine Operation am offenen Herzen ist hier oftmals sehr risikoreich. Mit dem kathetergestützten Verfahren wird so ein großer Eingriff überflüssig.
Ganz unmittelbar profitieren Patienten nach Einsatz des Clips davon, dass sie weniger Luftnot haben. Zudem werden Wassereinlagerungen, die zu häufigen Krankenhausaufenthalten führen, vermieden. Neben einer Senkung der Sterblichkeit, steht die Verbesserung der Lebensqualität im Mittelpunkt dieses neuartigen Verfahrens.

Was bedeutet der Einsatz des neuen Verfahrens für die Klinik für Kardiologie? 
Durch den Einsatz dieser Methode erweitern wir unser Portfolio um ein wichtiges Verfahren, das in Deutschland noch nicht flächendeckend angewandt wird. Allein in Berlin gibt es aktuell nur noch eine weitere Klinik, die diese Methode durchführt. 
Auf diese Weise unterstreichen wir unsere hohe Expertise in der Behandlung von verschiedenen Klappenerkrankungen. 


Herzwochen der Deutschen Herzstiftung e.V.: 
Die Herzwochen 2020 stehen unter dem Motto „Das schwache Herz“ und richten sich an Patienten, Angehörige, Ärzte und alle, die sich für das Thema Herzschwäche interessieren. An der jährlichen Aufklärungskampagne vom 1. bis 30. November eines Jahres beteiligen sich Kliniken, niedergelassene Kardiologen, Krankenkassen und Betriebe.