Die Klinik für Gastroenterologie findet mit dem „Mother-Baby“-Endoskop  die Ursache von Thomas K. Gelbsucht und Juckreiz
Einer seltenen autoimmunen Lebererkrankung auf der Spur

Die Klinik für Gastroenterologie findet mit dem „Mother-Baby“-Endoskop die Ursache von Thomas K. Gelbsucht und Juckreiz

Berlin

Der Berliner Thomas K. steht mitten im Leben. So leicht wirft ihn nichts aus der Bahn – auch nicht das entsetzliche Jucken, das im Frühjahr 2021 schleichend schlimmer wurde. Doch als er sich eines nachts um halb 2 kalt duschen muss, weil er das Kribbeln nicht mehr aushält und sich seine Augen zudem gelb verfärben, war ihm klar: Er braucht Hilfe. Diese fand er bei Prof. Dr. Eckart Schott am Helios Klinikum Emil von Behring, der seiner Vermutung folgte und mit einer „Endoskop im Endoskop“-Untersuchung die Diagnose stellte.

Mit dem entsetzlichen Jucken und den gelben Augen ging Thomas K. am Ostersonntag 2021 in die Notaufnahme eines Berliner Krankenhauses. Schnell wurde eine Funktionsstörung des Verdauungsapparats vermutet. Hierzu zählen im engeren Sinne Erkrankungen des Magens und Darms, im weitesten Sinne aber auch Erkrankungen der Speiseröhre, Leber, Bauchspeicheldrüse oder Gallenblase. Für eine optimale gastroenterologische Behandlung entschied sich der 53-Jährige, in die Klinik für Gastroenterologie am Helios Klinikum Emil von Behring zu gehen, in der das Team um Chefarzt Prof. Dr. Eckart Schott schnell eine Gallenabfluss-Störung feststellte. Diese Störung kann verschiedene Ursachen haben: So hätten es Gallensteine sein können, unter denen 15 Prozent der Bevölkerung leiden. Aber auch ein Tumor oder eine entzündliche Erkrankung kamen in Frage. Um der Ursache auf den Grund zu gehen, wurde zunächst eine ERCP, eine indirekte Bildgebung der Gallenwege, umgesetzt. Mit diesem Eingriff lassen sich Engstellen der Gallengänge abbilden. Die ERCP (endoskopisch retrograde Cholangio-Pankreatikografie) zeigte, dass Thomas K. Engstellen in den Gallengängen hatte, so genannte Stenosen. Deren Verteilung erlaubten allerdings noch keinen Rückschluss auf eine eindeutige Diagnose: War es ein Gallenwegstumor, eine Krebsart, an der etwa 3 von 100.000 Menschen jährlich erkranken? Oder die autoimmune Lebererkrankung PSC (primär sklerosierende Cholangitis), die bei etwa 10 von 100.000 Menschen auftritt, oder war es eine IgG4-assoziierten Cholangitis, eine entzündliche Autoimmunerkrankung, die ebenfalls sehr selten ist?

Die richtige Diagnose zu stellen, ist immer entscheidend. Wären wir nicht unserer Vermutung gefolgt und hätten nicht auf die IgG4-vermittelte Erkrankung untersucht, hätten wir keine gute Therapieoption gehabt.

Prof. Dr. Eckart Schott, Chefarzt Klinik für Gastroenterologie

Doppelt gut: Das „Mother-Baby“-System

Allein die Tatsache, dass Prof. Dr. Eckart Schott diese seltenen Erkrankungen in Betracht zog, bestätigten Thomas K., in den richtigen Händen zu sein. Um die entsprechende Diagnose zu stellen, führten die Gastroenterologen beim gebürtigen Berliner eine Cholangiokopie durch, das heißt eine direkte Endoskopie der Gallenwege. Hierbei wird ein dünnes Endoskop (das Cholangioskop) durch den Arbeitskanal eines regulären Endoskops geführt. Diese „Endoskop im Endoskop“-Technik, die von Gastroenterologen auch als „Mother-Baby-System“ bezeichnet wird, bietet zwei Vorteile: Zum einen können die Mediziner direkt Aufnahmen aus den Gallenwegen erstellen. So erkennen sie sofort, wie die Stenosen aussehen und können unmittelbar Rückschlüsse ziehen, ob ein Tumor oder eine Entzündung dafür verantwortlich ist. Zum anderen können sie mit dem Cholangioskop, durch das sich eine winzige Zange einführen lässt, Gewebeproben aus den Gallenwegen entnehmen, die dann in der Gewebediagnostik untersucht werden und bei der Diagnosefindung helfen. Genauso war es bei Thomas K.: Nach der Cholangiokopie, der Gewebeuntersuchung und einem medikamentösen Therapieversuch mit Kortison waren sich Prof. Schott und sein Team sicher, dass ihr Patient an der sehr seltenen entzündlichen Autoimmunerkrankung „IgG4-assoziierte Cholangitis“ litt. „Die richtige Diagnose zu stellen, ist immer entscheidend. Wären wir nicht unserer Vermutung gefolgt und hätten nicht auf die IgG4-vermittelte Erkrankung untersucht, hätten wir keine gute Therapieoption gehabt“ erklärt Prof. Dr. Eckart Schott. „So konnten wir mit einer vielleicht etwas aufwändigeren endoskopischen Untersuchung den zutreffenden Befund ermitteln. Die Therapie besteht nun in der recht unkomplizierte Gabe von Kortison.“

Thomas K. sieht das genauso: „Es war faszinierend zu sehen, wie schnell das Kortison anschlug. Ich fühle mich vollkommen gesund und konnte nach dem Krankenhausaufenthalt schnell wieder joggen gehen. Ich bin sehr froh und dankbar, dass man sich meiner hier so gewissenhaft angenommen hat und – ich möchte sagen – fast schon mit detektivischen Gespür meiner Erkrankung auf die Spur gekommen ist.“

Der Eingriff mit dem Mother-Baby-Endoskop

Christoph Kolbe

Senior-Referent PR/Marketing
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