Operative Eingriffe für trans* Männer

Sehr geehrte Patienten,

Sie möchten sich über die Möglichkeiten der geschlechtsangleichenden Operationen informieren. In dem folgenden Text haben wir für Sie die wichtigsten Informationen zu diesem Thema zusammengestellt. Wir stellen Ihnen die einzelnen Schritte der geschlechtsangleichenden Operationen vor und was Sie vor und nach dem Eingriff beachten müssen. 

Operative Ablauf

Die operative Angleichung des Geschlechts von trans* Männern ("Frau zu Mann") läuft in einem mehrschrittigen Konzept ab. Hierbei ist die Erstellung eines Gesamtkonzeptes vor dem ersten Eingriff von entscheidender Bedeutung um einen möglichst reibungslosen Ablauf der operativen Schritte zu verknüpfen und Komplikationen zu vermeiden. Daher sollte unbedingt vor dem ersten Eingriff, in einer auf geschlechtsangleichende Chirurgie spezialisierten Klinik das gesamte Behandlungskonzept geplant - und nach Möglichkeit - bis zum Abschluss der Geschlechtsangleichung durchgeführt werden.

Über die Risiken und Komplikationsmöglichkeiten, die bei dem komplexen operativen Aufbau eines neuen Genitals, insbesondere der ableitenden Harnwege, entstehen können, werden Sie im Rahmen eines persönlichen Gesprächs während der OP-Planung informiert.

  1. Die meisten Patienten wünschen zunächst die Entfernung der weiblichen Brust (Mastektomie). Dieser Eingriff wird je nach Größe der Brust möglichst narbensparend operiert und kann ggf. mit der Vorbereitung einer männlichen Harnröhre im Unterarm durch die entfernte Haut kombiniert werden, wenn ein Penoidaufbau im Verlauf gewünscht ist. Der Eingriff ist mit einem kurzen stationären Aufenthalt von 3-7 Tagen verbunden.

  2. Gemeinsam mit gynäkologischen Kooperationspartnern, die mit den speziellen Anforderungen vertraut sind, erfolgt die Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke in minimalinvasiver Technik. Um den folgenden Eingriff möglichst klein zu halten, sollte die Scheide in diesem Schritt bereits ebenfalls fast vollständig entfernt werden. Bei uns erfolgt dies standardisiert – wenn Sie den Eingriff anderweitig durchführen lassen, weisen Sie bitte auf diese Anforderung hin. Auch hier ist ein kurzer stationärer Aufenthalt von ca. 2-3 Tagen nötig.

  3. Die Angleichung des Genitals erfolgt durch einen mikrochirurgischen Aufbau eines Penoids oder Klitpens, je nach Wunsch des Patienten. Die Technik hierfür kann durchaus variieren, in unserer Klinik wird der freie Radialislappen vom Unterarm bevorzugt. Der stationäre Aufenthalt ist mit ca. 10 Tagen verbunden.

  4. Um die häufigen Problem (Fisteln, Einengungen) an der neuen Harnröhre zu verringern, stellen wir bis zur Wundheilung noch keine Kontinuität zur Harnröhenöffnung her. Sie urinieren also wie zuvor. Diese kleine Öffnung wird nun verschlossen. Häufig verbinden wir dies mit angleichende Eingriffe wie der Formung des Skrotums (Hodensack) sowie eine Eichelformung oder Implantation von Hodenprothesen, falls gewünscht. Stationärer Aufenthalt von ca. 5-7 Tagen.

  5. Einbau einer Erektionsprothese. Hierfür stehen verschiedene Implantate zur Verfügung. Die Auswahl besprechen wir mit Ihnen und gleichen Sie mit Ihren Wünschen ab. Stationärer Aufenthalt zwischen 3 -7 Tagen.  

Häufig gestellte Fragen zur OP:

Unserer Erfahrung zeigt, dass ein Penoid, geformt aus der Beugeseite des Unterarms (Radialislappen), in Form und Größe meist das harmonischstes Gesamtbild ergib. Hierbei wird der Lappen mit seinen blutführenden Gefäßen und zwei Nerven gehoben und im Genitalbereich erneut angeschlossen. Im Laufe der Zeit sollte so auch ein Gefühl im Penoid entstehen. Die Defektfläche am Unterarm wird mit Haut aus der Leiste gedeckt. Bei extrem schlanken Patienten kann auch Gewebe vom Oberschenkel (ALT-Lappen) gehoben werden. Bei beiden Methoden kann die Harnröhre in einer OP zuvor in dem gewählten Lappen angelegt werden (Hauttransplantation). Bei der Unterarmtechnik ist dies auf Wunsch nicht erforderlich (loop-in-loop Technik). Das Für & Wider erläutern wir Ihnen gerne. 

An der Stelle, von der das Gewebe gewonnen wurde verbleibt eine große Narbe. Ebenfalls in den Leisten bds. Und ev. am Unterbauch. 
Wichtig zu wissen ist, dass sich ggf. auch Narben zur Vorbereitung der Harnröhre, später im Inneren des Penoids und am Harnröhrenanschluss bilden, falls diese Technik gewählt wird. Hier ist es besonders wichtig der Narbenkontraktur entgegenzuwirken und die Narben mit einem Katheter über mehrere Monate aufzudrehen (bougieren). Ansonsten kann es zu Stenosen (Einengungen) kommen, die z.T. nur schwer zu korrigieren sind.   

entfernt werden?

Bei sehr behaarten Armen empfehlen wir eine Laserbehandlung an der Beugeseite des Armes, von dem der Lappen gehoben werden soll. Hierfür kann ein Attest für die Krankenkasse erstellt werden. 

Die Klitoris ist eine der wichtigsten erogenen Zonen und wird im Ganzen an der Basis des Penoids versenkt. Hierbei muss jedoch die oberste Hautschicht abgetragen werden, was das Gefühl verändert.  

Ja, auf Wunsch des Patienten kann die Scheide für die sexuelle Befriedigung auch belassen werden. Allerding ist dann eine lebenslange jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Gynäkologen wichtig. Wichtig zu wissen ist auch, dass der endgültige Harnröhrenanschluss beim Verbleib der Scheide erschwert sein kann. In jedem Fall ist eine teilweise Verwendung der kleinen Schamlippen erforderlich um die Harnröhre zu verlagern. 

Meist kommt es schon durch die Hormoneinnahme zu einer Vergrößerung der Klitoris. Durch eine Operation kann diese mobilisiert und etwas an Länge gewonnen werden. Die Harnröhre wird durch Gewebe der kleinen Schamlippen verlängert, sodass meist ein Urinieren im Stehen möglich ist. 

... und wie schnell können die Operationen hintereinander operiert werden? 

Die Länge des Krankenhausaufenthalts hängt stark von der jeweiligen Operation ab und beträgt etwa 3 – 10 Tage. Die Operationen werden von Abständen von einigen Wochen bis Monaten durchgeführt. Es ist wichtig dem Körper genügend Zeit zur Wundheilung zu geben und z.B. bei der Vorbreitung der Harnröhre eine weitgehend abgeschlossene Narbenreifung abzuwarten. 

... und können alle Eingriffe in der gleichen Abteilung durchgeführt werden? 

Ja, bei positivem Kostenbescheid werden alle Kosten von der Krankenkasse übernommen. 
Ja, alle Eingriffe werden durch unser Team durchgeführt. Lediglich für die Entfernung der inneren weiblichen Geschlechtsorgane steht uns ein erfahrener Gynäkologe zur Seite, der die Operation in unserem Hause durchführt. So lernen Sie als Patient frühzeitig unser gesamtes Team, Schwestern und Pfleger kennen, die Sie während der gesamten Zeit begleiten werden.  

Wie bei allen operativen Eingriffen sind Komplikation nicht vollständig auszuschließen. Es handelt sich um einen komplexen Aufbau und kann daher unerwartete Probleme verursachen. Diese können aber in aller Regel ggf. auch durch weitere Eingriffe behoben werden. So kann zB die Durchblutung des Peniodes in sehr seltenen Fällen in den ersten Tagen gestört sein.  Neben dem Verlust des Aufbaus sind in der Folge besonders Probleme mit der verlängerten Harnröhre am häufigsten publiziert. Auch hier können Folgeeingriffe erforderlich sein. Auch Komplikationen mit der Erektionsprothese sind im Verlauf möglich. Die meisten dieser Punkte lassen sich jedoch beheben. Wir erläutern Ihnen die individuellen Risiken ausführlich im Gespräch.