Patellainstabilität

Die Kniescheibe, auch Patella genannt, hat die Aufgabe, die Kräfte des Oberschenkelstreckmuskels (M. quadriceps femoris) auf den Unterschenkel zu übertragen. Durch Kontraktion des Quadricepsmuskels, welcher in die Kniescheibe einstrahlt, erfolgt ein Gleiten der Patella in Richtung zum Körperzentrum. Am unteren Ende der Kniescheibe entspringt ein kräftiges Band, welches bis zum oberen Schienbein zieht und so zu einer Streckung im Knie führen kann.

Die Kniescheibe fungiert also als mobiler Kraftüberträger. Die Patella läuft dafür in einer knöchernen Rinne, deren Tiefe individuell häufig variiert. Um ein Herausgleiten der Kniescheibe aus dieser Rinne zu verhindern, gibt es mehrere Stabilisierungsmechanismen. Dazu zählen neben der Muskulatur selbst auch Bänder, welche die Kniescheibe nach innen und außen halten  und sicher führen sollen.

Besteht eine Schwäche, Verletzung oder anatomische Varianz einer dieser Stabilisatoren, geht das häufig mit Schmerzen, sich wiederholenden Ausrenkungen und auch mit Knorpelschäden einher. Eine Instabilität der Kniescheibe sollte also erstens als solche erkannt und zweitens behandelt werden!

Wie erkennt man eine Instabilität der Kniescheibe?

Meistens ist eine erstmalige Luxation der Patella (Ausrenken der Kniescheibe) sehr schmerzhaft. Im Anschluss an ein solches Ereignis sollte eine MRT-Untersuchung erfolgen, um mögliche Begleitverletzungen innerhalb des Kniegelenkes zu erkennen. Häufig kommt es zu Knorpelschäden auf der Rückseite der Kniescheibe und/oder am Oberschenkelknochen, welche unbehandelt zu bleibenden Schäden mit entsprechender Schmerzsymptomatik führen. Weiterhin reißt in der Regel das innere Halteband der Patella, was zu einer im Folgenden nicht mehr zentral in der knöchernen Rinne laufenden Kniescheibe führt. Als Folge ist nicht nur das Risiko einer weiteren Luxation erhöht, sondern es bestehen durch die Fehlposition lokal erhöhte Anpressdrücke, welche zu Schmerzen und Verschleiß führen, gelegentlich berichten Patienten zusätzlich auch von einem Instabilitätsgefühl im Kniegelenk.

Therapiemöglichkeiten:

Bei sich wiederholenden Luxation der Kniescheibe ist die operative Stabilisierung zu empfehlen, um das Funktionsdefizit zu behandeln und die sonst auftretenden Folgeschäden zu vermeiden.

Mittels Kniegelenksspiegelung (Arthroskopie) werden abgesprengte Knorpelstücke refixiert oder entfernt. Bei erstmaliger Luxation ist häufig die Naht der Haltebänder möglich. In vielen Fällen ist jedoch der Ersatz des wichtigsten Stabilisators, dem „Lig. patellofemorale mediale“ nötig (inneres Halteband). Hierzu wird eine körpereigene Sehne benutzt, welche von dem inneren Kniescheibenrand bis zum Oberschenkelknochen eingebracht wird. Die korrekte Positionierung des Bandes erfolgt bildwandlergestützt, die Verankerung ist mit resorbierbaren Implantaten möglich.

Der Eingriff ist über wenige sehr kurze Hautschnitte möglich und dauert ca. 1 Stunde.

Stationärer Aufenthalt:

An die Operation schließt sich in der Regel ein kurzstationärer Aufenthalt an (2-3 Tage). So kann eine engmaschige Wundkontrolle, eine suffiziente Schmerztherapie sowie eine frühe physiotherapeutische Behandlung garantiert werden.

Nachbehandlung:

Die Nachbehandlung besteht aus intensiver Krankengymnastik sowie einem schrittweisen Belastungsaufbau mit Begrenzung der Beugung und anfangs auch der Streckung des Kniegelenkes. Um das zu garantieren wird eine Orthese verordnet und angepasst. Die Mobilisation erfolgt bei normalem Heilungsverlauf für vier Wochen an Unterarmgehstützen. Neben der physiotherapeutischen Beübung zum Erhalt der Muskelkraft und zur Optimierung des Gangbildes, wird häufig Lymphdrainage, Elektrotherapie und Kryotherapie verordnet.

Die Wiederaufnahme von Sportarten wie Joggen und Schwimmen ist in der Regel ab dem 3 – 6 Monat nach der Operation möglich.

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