Zum Welt-Thrombose-Tag: Chefarzt Dr. med. Peter Klein-Weigel über venöse Thromboembolien

Zum Welt-Thrombose-Tag: Chefarzt Dr. med. Peter Klein-Weigel über venöse Thromboembolien

Berlin

Am 13. Oktober findet der jährliche Welt-Thrombose-Tag statt. Unter einer Thrombose verstehen wir einen vollständigen oder teilweisen Verschluss eines Blutgefäßes durch einen Blutpfropf (Thrombus). Besonders häufig leiden Patientinnen oder Patienten an Beinvenenthrombosen, die im schlimmsten Fall eine Lungenembolie zur Folge haben können. Zusammengefasst werden beide Erkrankungen unter dem Begriff venöse Thromboembolie (VTE). Was es damit genau auf sich hat, welche Therapieoptionen und welche praktischen Patiententipps es gibt, erläutert Dr. med. Peter Klein-Weigel, Chefarzt der Klinik für Angiologie und Diabetologie im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Fakten und aktuelle Zahlen 

Venöse Thromboembolien sind ein häufiges, medizinisches Problem. Aktuelle Zahlen gehen von jährlich zirka 1,5 Millionen tödlicher und nichttödlicher tiefer Beinvenenthrombosen und Lungenembolien in Europa aus. Die Zahl der Todesfälle, die direkt auf eine venöse Thromboembolie zurückzuführen ist, ist mit sechs Prozent relativ hoch. Frauen sind zudem häufiger betroffen als Männer. Dies liegt vorrangig an Schwangerschaften, dem Wochenbett sowie der Einnahme von Hormonpräparaten und hormonellen Antikonzeptiva, insbesondere bei Kombination von Kontrazeption und Nikotinkonsum. 

Ein Großteil aller Thromboembolien wird allerdings hauptsächlich in höherem Lebensalter diagnostiziert. Sind Kinder oder Jugendliche betroffen, liegt häufig eine angeborene oder erworbene Gerinnungsstörung vor. 

Weitere Risikofaktoren sind unter anderem Immobilität, Lähmungen, Ruhigstellung von Extremitäten, operative Eingriffe, schwere Folgeerkrankungen wie Infektionen oder Entzündungen sowie Langstreckenreisen. 

Diagnose und Therapie

Besteht der Verdacht, dass Patientinnen oder Patientinnen von einer Thrombose betroffen sind, führen Expertinnen und Experten in Kliniken wie dem Helios Klinikum Berlin-Buch oder in Gefäßchirurgie-Praxen Ultraschalluntersuchungen der Beinvenen oder, im Falle einer möglichen Lungenarterienembolie, eine Computertomographie durch. Erhärtet sich der Verdacht, stellen die Spezialistinnen und Spezialisten die Betroffenen medikamentös ein oder ordnen Maßnahmen zur Entfernung des Blutgerinnsels an. Im Helios Klinikum Berlin-Buch verfügen die Kolleginnen und Kollegen des interdisziplinären Gefäßzentrums über einen großen Erfahrungsschatz auf dem Gebiet der Anwendung verschiedener, operativer Methoden, die besonders wirksam bei Beckenvenenthrombosen und zentralen Lungenarterienembolien sind. 

Doch bis zu diesem Punkt muss es nicht zwangsläufig kommen. Der Welt-Thrombose-Tag ist Teil globaler Aufklärungskampagnen und Präventionsmaßnahmen, um die Häufigkeit der venösen Thromboembolie zu senken und die Behandlungsmethoden zu verbessern. Ein weiteres Ziel dieser von Ärztinnen und Ärzten entwickelten Initiativen ist es, Patientinnen und Patientinnen vor Spätfolgen zu schützen. Dazu zählen das postthrombotische Syndrom mit chronischer Beinschwellung, Hautentzündungen und -verfärbungen und gegebenenfalls einem offenen Bein oder ein bleibender Lungenarterienhochdruck, der die Leistungsfähigkeit limitiert, das rechte Herz chronisch überlastet und schließlich zu Rechtsherzversagen führen kann. Allerdings sind sich Experten einig: mit regelmäßigen Vorsorge- und Kontrolluntersuchungen oder frühzeitigem Handeln im Falle von akuten Beschwerden lassen sich die venösen Thromboembolien nach heutigem Wissens- und Forschungsstand bereits gut behandeln. 

Venöse Thromboembolien bei COVID-19-Erkrankungen 

Vor dem Hintergrund der andauernden Corona-Pandemie erlangen venöse Thromboembolien derzeit eine besondere Aktualität. Dies hängt mit dem komplexen Krankheitsverlauf des SARS-CoV-2-Virus zusammen, bei dem die Beteiligung multipler Organsysteme sowie eine übermäßige Entzündungsreaktion des Körpers und eine extrem hohe Blutplättchen- sowie Gerinnungsaktivierung eine zentrale Rolle spielen. Autopsiestudien ergaben bereits, dass im Rahmen der ersten Virusvarianten bei mehr als 40 Prozent der Fälle Thrombosen oder Lungenarterienembolien, bei 10 – 20 Prozent der Fälle Lungenarterienembolien die unmittelbare Todesursache waren. Besonders vorbelastet sind Patientinnen und Patienten, die an Bluthochdruck, Diabetes, kardiovaskulären Vorerkrankungen, einer starken Blutgerinnung oder vorausgegangen Thrombosen und Lungenembolien leiden. Auch nach einer milden COVID-19-Infektion liegt im Jahr danach ein doppelt so hohes Thromboserisiko vor. Die Expertenteams des Helios Klinikums Berlin-Buch sind aus diesem Grund darauf spezialisiert, genannte Risikofaktoren zu ermitteln und während der Behandlung zu berücksichtigen.

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Praktische Tipps für Patientinnen und Patienten

  • Verspüren Sie ungewohnte Schmerzen oder ermitteln Anzeichen einer möglichen venösen Thromboembolie, sollten Sie dies bei uns oder in einer Praxis für Gefäßchirurgie umgehen abklären lassen.
  • Jede nachgewiesene Thrombose wird mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt. Geben Sie Ihrem behandelnden Ärzteteam Bescheid, falls Sie an einer Gerinnungsstörung leiden. 
  • Gelten Sie als Hochrisikopatientin oder -patient, sollten und können Sie in risikoerhöhten Situationen (Langstreckenreisen, Schwangerschaft, Operation u.a.) auf entsprechende, verschreibungspflichtige Medikamente zurückgreifen. 
  • Operative Maßnahmen zur Entfernung eines Thrombus werden ausschließlich in speziellen Zentren wie dem Helios Klinikum Berlin-Buch durchgeführt. 
  • Spätfolgen wie das postthrombotische Syndrom oder ein bleibender Lungenhochdruck müssen umgehend behandelt und medizinisch engmaschig betreut werden.