Schwarzer Hautkrebs vom Friseur entdeckt
Vor- und Nachsorge bei Hautkrebs

Schwarzer Hautkrebs vom Friseur entdeckt

Berlin

Als die heute 39-jährige Podologin Sophie Bawey 2012 zu ihrem Friseur geht, freut sie sich einfach nur auf ein wenig Entspannung und einen neuen Haarschnitt. Doch der Besuch endete für die junge Mutter aus Bernau mit einem Arztbesuch und einer lebensbedrohlichen Diagnose. Wir sprechen mit einer jungen Frau, die an die Wichtigkeit von Vor- und Nachsorge bei Krebserkrankungen appelliert und anderen mit ihrer Geschichte Mut machen will.

Sophie Baweys Leben ändert sich schlagartig beim Friseur. Doch nicht etwa ein misslungener Haarschnitt ist für die junge Frau Grund zur Besorgnis. Frau Baweys Friseurin entdeckt während des Haareschneidens einen dunklen Fleck auf der Kopfhaut ihrer Kundin und rät ihr, dieses unbedingt von einem Arzt untersuchen zu lassen.

Eindeutiges Biopsie-Ergebnis

Sophie Bawey nimmt diesen Rat ernst und sucht einen Arzt auf. „Mein Lebensgefährte hat mit dem Helios Klinikum Berlin-Buch Kontakt aufgenommen und den Fall geschildert und dann konnte ich innerhalb der nächsten 20 Minuten vorbeikommen. Chefärztin Frau Dr. Lommel hat sich den auffälligen Fleck angeschaut.“ Dann wurde eine Biopsie gemacht.„Die Wartezeit auf das Ergebnis war die absolute Hölle und schwer erträglich für mich. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit, das war ein totaler Nervenkampf. Dann sind wir zur Befundbesprechung gewesen“, berichtet Frau Bawey. 

Das Ergebnis der Biopsie ist eindeutig: bei dem dunklen Fleck auf der rechten Kopfhautseite handelt es sich um ein malignes Melanom, also schwarzer Hautkrebs.

Dr. med. Kerstin Lommel, Chefärztin der Dermatologie und Allergologie im Helios Klinikum Berlin-Buch erklärt: “

„Das maligne Melanom der Haut ist die bösartigste Form von Hautkrebs. Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 21.000 Menschen an schwarzem Hautkrebs. Die Melanome können bereits frühzeitig Tochtergeschwülste (Metastasen) in Lymphknoten sowie anderen Organen bilden. Entscheidend für die Prognose ist eine frühzeitige Entfernung des Tumors.“

Der Tumor wurde bei Frau Bawey chirurgisch entfernt und gleichzeitig wurde am Hals eine rechtsseitige Lymphknotenentfernung zur Sicherheit vorgenommen. Es wurde geschaut, ob diese befallen sind. „Dann war eigentlich alles gut. Ich habe immer meine Nachsorgeuntersuchungen gemacht. Ich finde, das ist ganz wichtig und das lege ich auch jedem Patienten ans Herz. Gerade Krebspatienten, aber auch Menschen, die nicht erkrankt sind, sollten zur Vorsorge gehen“, berichtet Frau Bawey.

Erneute Krebsdiagnose nach fast 5 Jahren

Die Befunde waren bei den Nachsorgeterminen stets unauffällig bis zum Juli 2017. „2017 fing es dann an, dass ich irgendwie gespürt habe, mit mir stimmt etwas nicht. Ich hatte keine Schmerzen, aber ich habe irgendwas gespürt“, erzählt Frau Bawey.

Dann ist bei der regulären Nachsorge im Helios Klinikum Berlin-Buch der Tumormarker erneut sehr hoch. Hautknoten, kleine Metastasen unter der Haut, haben sich gebildet. Die Bildgebung zeigt zudem Metastasen in Lunge, Lymphknoten, Nebenniere und Gehirn. Eine OP zur Entfernung der Hautknoten erfolgt unmittelbar, ebenso wird mit einer Immuntherapie begonnen. Sophie Bawey spricht insgesamt gut auf die Therapie an, die Metastasen schrumpfen, nur die Gehirnmetastasen nehmen teilweise an Größe zu.

In den darauffolgenden zwei Jahren bilden sich, vor allem im Gehirn, neue Metastasen, die mit Bestrahlung, Immuntherapie und neurochirurgischer Entfernung behandelt werden. 

Anfang 2019 zeigt Frau Bawey zunehmend Nebenwirkungen unter der Immuntherapie mit einer Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) und einer weiteren Autoimmunerkrankung der Haut mit stark juckenden Knoten und Blasen (Lichen ruber pemphigoides). Im Mai 2019 wird die Immuntherapie abgesetzt. Sie bekommt eine Kortisontherapie. Im September 2019 konnte dann eine zielgerichtete Therapie eingeleitet werden. Bis April 2020 sind keine neuen Metastasen aufgetreten. Eine neue Bildgebung im April zeigte dann leider eine erneute Metastasierung im Gehirn.

Die Hautklinik und die Klinik für Strahlentherapie haben ihr weitere Therapieoptionen angeboten, die Frau Bawey nun abwägt. Prinzipiell ist sie zuversichtlich, dass es auch diesmal gelingen wird, die Erkrankung aufzuhalten. „Auf jeden Fall hatte ich so viel Glück, dass es mittlerweile ein Medikament dagegen gab. Wenn ich 2012 so voller Metastasen gewesen wäre, dann wäre ich nicht mehr hier. Definitiv nicht. Und bei der Erstdiagnose, war mein Sohn gerade einmal ein halbes Jahr alt,“ berichtet Frau Bawey.

Kraft zum Kämpfen

„Oskar, mein Sohn, gibt mir so viel Kraft und animiert mich immer wieder zu kämpfen. Ich weiß nicht was wäre, wenn ich ihn nicht hätte. Er weiß auch ganz genau um was es geht, denn ich spiele da mit offenen Karten. Er weiß ganz genau Bescheid und freut sich, glaube ich, auch über jeden Moment den er mit mir zusammen genießen kann. Ich weiß jetzt im Nachhinein auch, dass so viel dazu gehört, nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Ich hoffe nur das Beste und wünsche mir gesund zu werden.“

Frau Bawey sagt zum Abschluss: „Ich selber hätte das nie entdeckt. Ich danke meiner Friseurin. Sie hat von mir auch eine Danksagung in der Zeitung erhalten - eine kleine Annonce.“

Der behandelnde Arzt Dr. med. Philipp Rehberger, Oberarzt der Dermatologie im Helios Klinikum Berlin-Buch, sagt:

„Die Risikofaktoren für Hautkrebs sind vielfältig: eine zu hohe UVBelastung, also intensive Sonneneinstrahlung, spielt eine Rolle. Insbesondere Schädigungen, wie Sonnenbrände, vor allem in der Kindheit, verändern die Zellen und führen Jahre später zur Entwicklung eines Tumors. Ein heller Hauttyp sowie genetische Veranlagungen haben ebenfalls einen Einfluss auf die Entstehung eines Tumors. Aber auch Erwachsene und Menschen mit einem dunklen Hauttyp sollten intensive UV-Strahlung vermeiden.“