Diabetes – ein besonderer Risikofaktor in Coronazeiten?

Diabetes – ein besonderer Risikofaktor in Coronazeiten?

Berlin

Als Risikofaktor bei einer Infektion mit Sars-CoV-2 wird vor allem das höhere Alter angegeben. Medizinexperten gehen davon aus, dass viel entscheidender für den Krankheitsverlauf vor allem Begleit- und Vorerkrankungen sind. Diese treten bei älteren Menschen häufiger auf, aber auch Jüngere können betroffen sein. Drei Fragen zum Thema beantwortet Prof. Dr. med. Michael Ritter, Chefarzt der Klinik für Angiologie, Diabetologie und Endokrinologie im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Ist neben dem höheren Alter auch Diabetes ein besonderer Risikofaktor bei COVID-19?

  • Ein starkes Immunsystem ist immer wichtig, um eine Erkrankung zu bekämpfen. Ein nicht erkannter oder schlecht eingestellter Diabetes beeinträchtigt das Immunsystem in seinem Kampf. Bei einem Diabetiker können zum Beispiel auch Operationen, „normale“ Grippeerkrankungen oder Lungenentzündungen schwerer verlaufen und mehr Komplikationen nach sich ziehen.

Deshalb ist es für einen an Diabetes Erkrankten zu jeder Zeit auch als Infektionsschutz wichtig, dass der Blutzucker gut eingestellt ist. Bei älteren Menschen kann das Immunsystem im Zusammenspiel beider Faktoren – Erkrankung und höheres Alter – geschwächt sein. Das hat dann schwerere Verläufe bei COVID-19 zur Folge.

Welche Risikofaktoren müssen Diabetiker außerdem beachten?

  • Haben Diabetespatienten Begleit- und Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme, Bluthochdruck oder Organschäden, sollten sie besonders achtsam sein. Im Falle einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 haben sie durch ihr geschwächtes Immunsystem und die bereits bestehenden Begleiterkrankungen ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Das Virus befällt vorwiegend die Lunge und muss dort durch das Immunsystem bekämpft werden. Dieser Kampf kann aber z.B. das Herz über das Kreislaufsystem massiv belasten.

Was empfehlen Sie Diabetikern in Coronazeiten?

  • Wir wissen, dass nicht-medikamentöse Maßnahmen für die meisten Diabetiker - die Typ 2 Diabetiker – mindestens genauso wichtig sind wie die regelmäßige Medikamenteneinnahme. Gerade in Zeiten großer Anspannung neigen viele dazu, ungesund zu essen: Sie nehmen dann zu viel Süßes, zu viel Salziges und zu viel Fett zu sich. Das betrifft Diabetiker genauso wie Nichtdiabetiker, junge Menschen genauso wie ältere. Aber wenn man das weiß und darauf achtet, ist es ein Lernprozess und man kann es vermeiden.
  • Legen Sie sich täglich frisches Obst oder Gemüse portioniert bereit – auch damit können Sie sich ein Frustessen gestalten. Vielleicht nutzen wir diese oft angespannte Zeit, um uns körperlich mehr zu bewegen? Das ist sowieso die effektivste Maßnahme gegen die Zuckererkrankung, auch in Nicht-Corona-Zeiten und zur Vorbeugung. Wichtig ist beim Einstieg in mehr Bewegung: nicht übertreiben und neue Aktivitäten langsam steigern. Die Devise ist „Jeden Tag ein bisschen mehr“. Das hilft am besten. Wenn das Bewegungsprogramm mit Gymnastik gemixt und vielleicht gemeinsam mit der Familie organisiert wird, kann es auch sehr lustig werden. Zum Beispiel das Programm von Alba Berlin gemeinsam – natürlich per Video – mit Kindern, Eltern, Großeltern oder Freunden durchzuführen macht richtig Spaß. Der steigert noch den Gesundheitseffekt.