Brustkrebs bekämpfen: Chefarzt Prof. Dr. med. Michael Untch erklärt vielversprechende Studienergebnisse und neue Therapiestandards

Brustkrebs bekämpfen: Chefarzt Prof. Dr. med. Michael Untch erklärt vielversprechende Studienergebnisse und neue Therapiestandards

Berlin

Jährlich erkranken in Deutschland rund 60.000 Frauen an Brustkrebs. Davon kämpfen circa 12.000 Patientinnen gegen ein sogenanntes HER2-positives Mammakarzinom. Prof. Dr. med. Michael Untch, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe im Helios Klinikum Berlin-Buch, hat mit uns über die Ergebnisse der vielversprechenden Katherine-Studie sowie neue Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.

Die Katherine-Studie: Neue Erkenntnisse im Kampf gegen Brustkrebs

Erkranken Frauen an Brustkrebs, muss in einem ersten Schritt ermittelt werden: Um welche Art von Brustkrebs handelt es sich? Sind die Patientinnen von einem HER2-positiven Mammakarzinom betroffen, kommt für sie nun eine neue Form der Therapie in Frage. Grundlage für die aktuellen Erkenntnisse rund um die Behandlung der aggressiven Tumorart ist die Katherine-Studie. Chefarzt Prof. Untch war an der Entwicklung und der Durchführung der Studie maßgeblich beteiligt und erklärt: „Wir haben Frauen, bei denen in der Brust und / oder in den Lymphknoten noch Tumorzellen nachweisbar waren, obwohl sie zuvor mit einer Chemo- und Antikörpertherapie behandelt wurden, randomisiert. Dies bedeutet, dass die Hälfte der Patientinnen weiterhin die herkömmliche Therapie mit Trastuzumab absolviert hat, während die andere Hälfte mit dem neuen Präparat T-DM1 behandelt wurde.“

Teilgenommen haben an der Studie in den Jahren 2016 und 2017 weltweit etwa 1500 Patientinnen, von denen 20 Prozent unter 40 Jahre, 70 Prozent zwischen 40 und 75 Jahre und 10 Prozent über 75 Jahre alt waren. Das Ergebnis war eindeutig. „Ende 2018 haben wir die Daten zum ersten Mal ausgewertet“, berichtet Prof. Untch und fügt hinzu: „Die Häufigkeit von Metastasen wurde bei den Patientinnen, die wir mit dieser neuen Substanz behandelt haben, um 50 Prozent verringert. In der Kontrollgruppe hingegen wurden doppelt so viele Rückfälle und Metastasen wie in der Gruppe mit dem Antikörper-Konjugat festgestellt.“

Die Diagnose HER2-positiver Brustkrebs erhalten jährlich rund 20 Prozent der neuerkrankten Patientinnen. Michael Untch betont:

„Wenn man die Diagnose betrachtet und dann vier Jahre später nachschaut, dann landen wir bei Überlebensraten von 95 bis 97 Prozent. Das ist eine fantastische Entwicklung und noch dazu mit einer Studienidee, die aus Deutschland kommt.“

Aussicht auf Heilung mit dem Präparat T-DM1

Das neue Präparat T-DM1, welches den Patientinnen während der Therapie verabreicht wird, ist ein sogenanntes Antikörper-Konjugat und somit eine Verbindung zwischen einem bestimmten Antikörper und einer Verbindungsbrücke zu einer sehr giftigen Substanz. Prof. Untch erläutert: „Das Besonders daran ist, dass es sich dabei um einen Trojaner handelt. Das Gift wird in die Tumorzelle eingeschleust und tötet die Zelle dann spezifisch, ohne schwerwiegende Nebenwirkungen anzurichten.“ Zugelassen ist das Medikament bereits. Eine Rechtsprechung im Bundesozialgesetzbuch gibt Aufschluss darüber, ob das Präparat auch schon angewendet werden darf. „Die Rechtsprechung besagt“, erklärt Prof. Untch, „dass die Krankenkasse das Medikament zahlen muss, wenn eine Substanz zugelassen und bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung im Rahmen einer Studie gut publiziert sowie auch schon in der nationalen und internationalen Leitlinienempfehlung enthalten ist.“

Das neue Behandlungsverfahren: Therapie und Nebenwirkungen

Auf Grund der neuen Erkenntnisse aus der Katherine-Studie hat sich zudem auch der Ablauf der Therapie verändert. So erfolgt zunächst eine medikamentöse Behandlung, bei der alle drei Wochen Infusionen verabreicht werden. Dann folgt die Operation, die sehr viel weniger aggressiv ist, da die Medikamente den Tumor im Vorfeld bereits zum Schrumpfen gebracht haben und somit weniger Gewebe und auch weniger Lymphknoten entfernt werden müssen. „Es wäre ein Fehler, bei dieser Art von Brustkrebs zuerst zu operieren“, betont Michael Untch und ergänzt: „Die OP ist dennoch immer notwendig. Der Pathologe muss ja schließlich das jeweilige Tumorbett und einige Lymphknoten untersuchen, damit er feststellen kann, ob im Gewebe noch Tumorzellen enthalten sind.“ Zudem ist der Antikörper gut verträglich. Einige Nebenwirkungen sind dennoch bekannt. So wurde bei einer geringen Prozentzahl an Patientinnen anfangs ein Abfall der Thrombozyten festgestellt. „Auch die Leberwerte können vorübergehend leicht erhöht sein“, berichtet Michael Untch, „Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen können im Vergleich zu anderen Antikörpern auch etwas verstärkt
auftreten. Das bewegt sich aber alles im Bereich von fünf bis sechs Prozent“. Besonders entscheidend sei zudem auch die Lebensqualität der Frauen, die während der Therapie sehr gut gewesen sei. Aus diesem Grund wird das gleiche Verfahren zurzeit auch mit anderen Substanzen bei anderen Brustkrebsarten untersucht - und zwar mit vielversprechenden Erfolgsaussichten. „Ich habe vor 34 Jahren mit Brustkrebstherapien begonnen“, betont der Experte abschließend,

„die medikamentöse Therapie wird je nach Brustkrebsart immer individueller. Die Behandlungen sind mittlerweile somit viel besser und differenzierter geworden.“

Krebs-Infotag am 09. November

Am Samstag, 09. November sprechen Spezialisten von 9 bis 15 Uhr im Helios Klinikum Berlin-Buch in Seminaren mit Interessierten über moderne Krebsmedizin. Der TV-Mediziner Dr. Carsten Lekutat moderiert eine Expertenrunde zur fachübergreifenden Krebsbehandlung. Interessierte können sich über die Website anmelden, aber auch spontane Teilnehmer sind willkommen: www.helios-gesundheit.de/krebs-weiter-leben

Julia Talman

Junior Marketing Managerin
Julia Talman

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