„Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen sollten unbedingt ihre Gewohnheiten ändern.“
Corona Risikogruppen

„Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen sollten unbedingt ihre Gewohnheiten ändern.“

Berlin

Hart trifft das Coronavirus ältere Menschen, die zu besonders gefährdeten Gruppen gehören. Doch warum ist das so und wie können sie sich schützen? Altersmedizinerin Dr. med. Matylda Nosul vom Helios Klinikum Berlin-Buch erklärt das besondere Risiko und gibt Verhaltenstipps für den Alltag.

Im Laufe eines Lebens nimmt die Leistung des Immunsystems immer weiter ab. „Mit zunehmenden Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Personen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, schwer an COVID-19 erkranken und eine Lungenentzündung entwickeln”, sagt Dr. med. Matylda Nosul, Chefärztin des Zentrums für Geriatrie und Physikalische Medizin im Helios Klinikum Berlin-Buch. Das Immunsystem älterer Menschen ist mit einem Telefonbuch vergleichbar, dem bereits einige Seiten fehlen. Die Möglichkeiten, passende Informationen zu finden werden immer geringer.

„Da bei älteren Menschen die Abwehrkraft gegen Infektionen sinkt, ist das Immunsystem nicht mehr in der Lage, alle Aufgaben zu erfüllen. Dies macht sie zu einer besonders gefährdeten Risikogruppe und anfälliger für schwerere Verläufe.“

Dr. med. Matylda Nosul, Chefärztin des Zentrums für Geriatrie und Physikalische Medizin

Abstand ist der beste Schutz

„Abstand und körperliche Distanz im täglichen Leben sind der beste Schutz“, betont die Altersmedizinerin. Nach ihrer Beobachtung hätten ältere Menschen für die strengen Auflagen in dieser Ausnahmesituation aber mehr Verständnis als die Jungen. Vielleicht deshalb, da viele von ihnen schon als Kind nach dem Zweiten Weltkrieg Extremes erleben mussten und das noch gut in Erinnerung haben.

Verhaltenstipps für Ältere Menschen und weitere Risikogruppen

„Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen sollten unbedingt ihre Gewohnheiten ändern,“ rät Dr. Nosul. Mit diesen Verhaltenstipps können sich Senioren gut schützen:

Verhaltenstipps

  • Keine persönlichen Arztbesuche ohne telefonische Voranmeldung: Gehen Sie nicht einfach zum Arzt wie gewohnt, sondern rufen Sie vorher an, um zu fragen, wie Sie sich verhalten sollen.
  • Keine persönlichen sozialen Kontakte: Reduzieren Sie Ihre persönlichen sozialen Kontakte auf ein absolutes Minimum, auch zu Personen Ihrer Generation, denn auch diese könnten das Coronavirus übertragen. Telefonieren Sie stattdessen mit Ihrer Familie, Bekannten etc., damit Sie nicht vereinsamen.
  • Vermeiden Sie den persönlichen Kontakt zu Enkelkindern: In dieser besonderen Situation müssen Sie Abstand wahren und sollten nicht zur Kinderbetreuung eingesetzt werden.
  • Bestellen Sie Arzneimittel per Telefon: Gehen Sie bitte nicht persönlich in die Apotheke und lassen Sie sich die Arzneimittel liefern oder durch Nachbarn bringen.
  • Auf Basishygiene achten: Häufiges Händewaschen, Nies- und Hustetikette beachten, Taschentücher nur einmal benutzen und sofort entsorgen.
  • Lieferangebote für den täglichen Bedarf nutzen: Lassen Sie sich mit Bring- und Lieferangebote durch Supermärkte, Nachbarn und Familie unterstützen.
  • Keine Besuche von Freunden und Angehörigen im Krankenhaus: In Kliniken und Pflegeheimen gilt zurzeit ein absoluter Besucherstopp.
  • Stärken Sie Ihr Immunsystem an der frischen Luft: Weiterhin können Sie spazieren gehen, um Ihr Abwehrsystem zu stärken. Halten Sie dabei unbedingt Abstand zu anderen Menschen.

Gesunde Ernährung und Bewegung stärkt Immunabwehr

In dieser Situation sollten Verwandte und Freunde, aber auch die Älteren selbst vor allem auf die Ernährung achten. Aktuelle Studien belegen, dass viele ältere Menschen eine bereits gefährliche Mangelernährung aufweisen. „Für diese Risikogruppe gilt deshalb in besonderem Maße, dass Gemüse und Obst auf den Speiseplan gehören. ”, betont Dr. Nosul. Frische Luft, eine gelebte Körperhygiene und 30 Milliliter Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht am Tag stärken das Immunsystems zusätzlich. Weiterhin können Ältere spazieren gehen, um Ihr Abwehrsystem zu stärken. Dabei gilt natürlich weiterhin: Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen Menschen einhalten.

Weitere Risikogruppen

Neben älteren Menschen müssen sich weitere Risikogruppen mit geschwächtem Immunsystem oder mit Vorerkrankungen besonders schützen. Dazu gehören Diabetiker, an Krebs erkrankte Personen, Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen oder Asthma, sowie chronischen Lebererkrankungen.

Weitere Informationen zum Thema Coronavirus finden Sie auf unserer Website unter www.helios-gesundheit.de/corona