3 Fragen an unsere Stomaschwestern Dagmar Lange und Sylvia Lesczynski
Leben mit Stoma

3 Fragen an unsere Stomaschwestern Dagmar Lange und Sylvia Lesczynski

Berlin

Über 160.000 Menschen in Deutschland leben mit einem künstlichen Darmausgang. Trotzdem ist das Thema Stoma immer noch ein Tabuthema und spielt öffentlich eine eher untergeordnete Rolle. Dieser Zustand bietet Anlass genug, das Thema Stoma einmal genauer zu beleuchten. Dazu haben wir unsere Stomatherapeutin Dagmar Lange und Pflegeexpertin bei Stoma-Wunde-Inkontinenz Sylvia Lesczynski befragt.

1. Was ist ein Stoma?

Dagmar: Ein Stoma (griech. Öffnung) ist eine operativ geschaffene Körperöffnung, durch die beispielsweise ein kleines Stück des Darms nach außen auf die Hautoberfläche ausgeleitet wird.

Vorübergehend oder dauerhaft?

Sylvia: Wenn der letzte Teil des Darmes mitsamt dem Schließmuskel entfernt wurde, wie bei Enddarmtumoren ist die Stoma-Anlage endgültig. Auch bei der Familiären adenomatösen Polyposis (FAP) und  chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, wie Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa werden die Entfernung eines Darmabschnitts und die Anlage eines Stomas manchmal als endgültige Therapie eingesetzt.

Es gibt aber auch Fälle, in denen das Stoma nur vorübergehend angelegt wird: Entzündete Darmabschnitte, Nähte und Wunden heilen schlechter ab, wenn sie permanent mit Stuhl in Berührung kommen. Damit das nicht passiert, ist es manchmal nötig, den betroffenen Teil des Darmes für eine bestimmte Zeit auszuschalten und vorübergehend ein Stoma anzulegen. Der darauffolgende Abschnitt wird geschont und kann in Ruhe abheilen.

„Das Stoma ist keine Alterserscheinung. Menschen allen Altersgruppen von 0-99 Jahren können betroffen sein“

Stomatherapeutin Dagmar Lange

Risiko Alter?

Dagmar: Eine Stoma-Anlage kann aus den unterschiedlichsten Gründen in jedem Lebensalter notwendig werden; die Mehrzahl der Stoma-Operationen wird aber aufgrund einer Krebserkrankung ab einem Alter von 50+ durchgeführt.  

Stomaversorgung

Sylvia: In der Stomaversorgung gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Stomaprodukten, die allergiegetestet und hautfreundlich  sind, sowie eine sehr gute, sichere Haftung und guten Tragekomfort gewährleisten. Mithilfe vom geschulten Fachpersonal erhält jeder Betroffene die für ihn individuell am besten passende Stomaversorgung.

Die Produkte werden einteilig (bestehend aus einem Stomabeutel, verbunden mit einer Hautschutzplatte) und zweiteilig (Basisplatte und Stomabeutel) angeboten. Bei den Stomabeuteln wiederum unterscheidet man zwischen offenen und geschlossenen Systemen. Geschlossene Systeme/ Beutel werden getragen bis sie „voll“ sind und werden dann durch einen Neuen ersetzt. Sie kommen bei festem Stuhlgang (Kolostoma) zum Einsatz und müssen maximal bis zu dreimal am Tag gewechselt werden. Bei dünnflüssigem Stuhlgang (Ileostoma) kommen hingegen offene zum Einsatz, welche mehrmals täglich in die Toilette entleert werden. Zusätzlich wird der ganze Beutel einmal täglich gegen einen neuen ausgetauscht.

Dagmar: Für Träger eines Kolostomas gibt es eine Möglichkeit, die Beutelversorgung zu umgehen und die Darmentleerung bis zu einem gewissen Grad selbst zu kontrollieren: durch die sogenannte Irrigation (Darmspülung, Einlauf). Der Dickdarm wird mit Wasser gespült und danach erfolgt eine ausscheidungsfreie Zeit von ungefähr 24 Stunden. In dieser Zeit kann der Beutel abgenommen und das Stoma mit einer Kappe oder einem Minibeutel verschlossen werden.

2. Gibt es Einschränkungen im Alltag?

 

 

„Auch mit Stoma ist ein normales Leben möglich. Man kann ins Kino gehen, baden, Sport treiben, Kinder bekommen und heiraten“

Pflegeexpertin Sylvia Lesczynski

Ernährung:

Dagmar: Grundsätzlich gibt es keine generellen Einschränkungen, nur Tipps. Gut ist es, kleinere Zwischenmahlzeiten in den Alltag einzubauen und nicht drei große Hauptmahlzeiten zu sich zu nehmen. Außerdem sollten die Stoma-Träger unbedingt auf eine ausreichende Trinkmenge achten. Die Auswirkungen von blähenden oder stopfenden Lebensmitteln, muss jeder individuell für sich herausfinden, genauso inwieweit eine zusätzliche Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen gewährleistet ist.

Geruch:

Dagmar: Moderne Versorgungssysteme bestehen aus leichtem, geruchsdichtem Material und verfügen über einen Aktivkohlefilter, der Gerüche und Darmgase zurückhält. Manche Stomaträger machen sich Gedanken über den starken Geruch beim Leeren ihrer Stomaversorgung.

Sylvia: Der Stuhl von Stomaträgern riecht nicht mehr als der anderer Leute – sie entledigen sich des Stuhls nur auf der Vorderseite, wo ihre Nase sitzt. Moderne Versorgungssysteme bestehen aus leichtem, geruchsdichtem Material und verfügen über einen Aktivkohlefilter, der Gerüche und Darmgase zurückhält

Sport:

Sylvia: Sportarten mit extremen Bauchmuskeltraining und schweres Heben sind tabu. Ein Stoma ist jedoch kein Hinderungsgrund, dem gewohnten Sport nachzugehen. Vorsicht ist nur geboten bei Sportarten, die das Stoma gefährden. Zu diesen Sportarten gehören z.B. Boxen, Gewichtheben, Judo, Karate und Ringen, Skifahren.

3. An wen können sich Patienten bei Fragen und Problemen wenden?

Dagmar: Treten Probleme im Umgang mit dem Stoma auf, ist der betreuende Stomatherapeut der erste Ansprechpartner. Eventuell kann hier auch der Hausarzt helfen. Geht es um Hilfsmittel zur Stomaversorgung, kann das Sanitätshaus oder das Unternehmen, das diese liefert, weiterhelfen. Wer den persönlichen Austausch mit anderen Betroffenen sucht, kann sich an die Selbsthilfegruppe "Deutsche ILCO" wenden und dort praktische und wichtige Alltagstipps bekommen.

Pressekontakt

Julia Talman

Junior Marketing Managerin
Julia Talman

E-Mail

Telefon

(030) 94 01-55534

Krebs-Infotag am 09. November

Krebs kann immer besser behandelt werden. Am Samstag, 09. November sprechen Spezialisten von 9 bis 15 Uhr im Helios Klinikum Berlin-Buch in Seminaren mit Interessierten über moderne Krebsmedizin. Der TV-Mediziner Dr. Carsten Lekutat moderiert eine Expertenrunde zur fachübergreifenden Krebsbehandlung.

Interessierte können sich über die Website anmelden, aber auch spontane Teilnehmer sind willkommen: www.helios-gesundheit.de/krebs-weiter-leben